Tödliche Geburt: 530.000 Mütter sterben jährlich während Schwangerschaft und Geburt


Grafik: Tödliche Geburt.

In den Entwicklungsländern müssen jährlich etwa 50 Millionen Mütter weitgehend auf sich allein gestellt gebären. In Afrika müssen sogar 60 Prozent der Mütter ohne Hilfe auskommen. Dementsprechend viele Mütter überleben Schwangerschaft oder Geburt nicht. Weltweit sterben etwa 530.000 Mütter. Millionen Mütter erleiden schwere Gesundheitsschäden.

Fast zwei Drittel aller Todesfälle gehen auf Blutungen, Kreislaufversagen und Infektionen zurück. Fast immer hätten die Frauen gerettet werden können, wenn sie medizinisch betreut worden wären. Studien zeigen, dass auch das Baby nur eine geringe Überlebenschance hat, wenn die Mutter stirbt.

Auch für ältere Geschwister hat der Tod der Mutter oft schlimme Folgen. Nur selten übernimmt der Vater Arbeiten im Haus, auf dem Feld oder in der Erziehung. Meist müssen Mädchen in der Familie die Schule verlassen, um die Aufgaben der Mutter zu übernehmen.

Vernachlässigt während Schwangerschaft

Schon während der Schwangerschaft werden viele Mütter vernachlässigt. Etwa ein Drittel erhält nicht ein einziges Mal Rat oder Hilfe durch einen Gesundheitsdienst. Nur etwa die Hälfte wird gegen Tetanus geimpft. Ärzte, die gar einen Kaiserschnitt vornehmen könnten, sind für Millionen Mütter unerreichbar.

In den Ländern südlich der Sahara ist die Müttersterblichkeit besonders hoch. Hier überlebt knapp ein Prozent der Mütter die Geburt nicht. In manchen Regionen sterben sogar zehn von 100 Müttern. Zum Vergleich: In Europa liegt die Müttersterblichkeit bei rund 0,024 Prozent, in Norwegen oder der Schweiz sogar nur bei 0,006 Prozent.

 

Tod bei der Abtreibung

Neben der Gesundheitsvorsorge während der Schwangerschaft und professioneller Hilfe bei und nach der Geburt gilt die Verhütung ungewollter Schwangerschaften als wichtiger Beitrag zur Senkung der Müttersterblichkeit. Viele Frauen würden sich gern mit weniger Kindern begnügen und damit Risikoschwangerschaften vermeiden. Zehntausende sterben jährlich an Abtreibungen – fast alle in Entwicklungsländern. Dort haben viele Paare keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Die Vereinigten Nationen (UN) schätzten, dass die Müttersterblichkeit um etwa ein Drittel gesenkt würde, wenn allen Frauen moderne Methoden zur Empfängnisverhütung offen stünden.

 

(Karl-Albrecht Immel; Stand: Jan/Feb. 2006)

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