Kinderarbeit oft nicht nötig, um Familieneinkommen zu sichern

Indisches Mädchen pult Deckblätter und Staubbeutel
der Baumwollknospen ab. © WHH
"Kinderarbeit ist in 95 Prozent der Fälle nicht nötig, um das Familieneinkommen zu sichern," so Shantha Sinha, Leiterin der renommierten indischen Kinderrechtsorganisation MV Foundation und Partnerin der Welthungerhilfe. Damit räumt sie mit der gängigen Vorstellung auf, dass die weltweit 246 Millionen arbeitenden Kinder vor allem deshalb arbeiten und nicht zur Schule gehen, weil ihre Familien sonst nicht über die Runden kämen.

Anstrende Arbeit auf der
Plantage © WHHHürde Schulbesuch
"Millionen von Kindern arbeiten anstatt in die Schule zu gehen, weil ihre Eltern bereits nicht zur Schule gegangen sind", resümiert Sinha, die Friedensnobelpreisträgerin Asiens. "Auch wenn arme Eltern ahnen, wie wichtig Bildung für ihre Kinder wäre, die Hürden für einen Schulbesuch sind groß: schlecht ausgebildete Lehrer, Schulgebühren oder einfach fehlende Schulen. Also schicken arme Eltern auch ihre Kinder zur Arbeit statt in die Schule." Die Mädchen zum Beispiel auf die Baumwollfelder, wo sie in sengender Hitze, sechs Tage die Woche, bis zu 14 Stunden täglich hybrides Baumwollsaatgut produzieren, um dann 20 Rupien (34 Cent) am Tag zu verdienen - 6 Rupien weniger als ihre Mütter, 20 Rupien weniger als ihre Väter.

Jede einzelne
Baumwollknospe wird für
die Kreuzung bearbeitet.
© WHH
Internationale Kampagne
Gute, kostenlose und obligatorische Grundbildung für alle Kinder bis zum Alter von 14 Jahren spielt eine Schlüsselrolle bei der weltweiten Armutsbekämpfung. "Die Kluft zwischen Arm und Reich verringert sich dramatisch, wenn auch arme Kinder selbstverständlich zur Schule gehen. Ein Blick allein in die deutsche Geschichte beweist dies eindrücklich," so Dr. Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe. "Deshalb setzt sich die Welthungerhilfe seit 2003 in der internationalen Kampagne "Stopp Kinderarbeit! Schule ist der beste Arbeitsplatz" für gezielte Strategien ein, die alle arbeitenden Kinder aus der Kinderarbeit heraus in die Schulen holen.

Großflächige Baumwollplan-
tage. © WHH
Erfolgreiche Bilanz
Die MV Foundation arbeitet mit Kindern wie Eltern, Lehrern wie Arbeitgebern Behörden wie Regierungen daran, die gesellschaftliche Norm zu schaffen, dass selbstverständlich alle Kinder eine Tagesschule besuchen müssen. Sie hat so bislang mehr als 320.000 ehemalige Kinderarbeiter erfolgreich in staatliche Tagesschulen integriert. In Brückenschulen werden die schulunerfahrenen Kinder auf die staatlichen Schulen vorbereitet. Durch den Druck von unten muss der Staat nachlegen und in Schulen investieren. Die MVF macht bewusst keinen Unterschied zwischen schlimmen und weniger schlimmen Formen von Kinderarbeit: "Wenn man sich auf eine Gruppe konzentriert, wird sie schnell durch eine andere ersetzt. Kinderarbeit ist immer schlimm, wenn sie Kinder am Schulbesuch hindert," so Sinha.
Ausbildung für alle
Deutschland hat sich der Millenniumserklärung, bis 2015 allen Kindern Zugang zu Grundbildung zu ermöglichen, verpflichtet, und ist doch in einer Studie der "Global Campaign for Education" vom April 2005 für seinen Beitrag zu Grundbildungsförderung mit der Note "4" bewertet worden. Die Welthungerhilfe fordert, dass Deutschland einen fairen finanziellen Beitrag zur Finanzierungslücke im Grundbildungssektor leistet und dass alle von Deutschland geförderten Grundbildungsprogramme darauf zielen, auch arbeitende Kinder in staatliche Schulsysteme zu integrieren.
Mehr erfahren Sie unter der Homepage Stopp Kinderarbeit.
Downloads zum Thema "Stopp Kinderarbeit"
In jedes Kind investieren - Eine ökonomische Studie über die Kosten und den Nutzen der Beseitigung von Kinderarbeit.
pdf-Download (177 kb)
UNICEF Bericht "Fortschritt für Kinder" untersucht Schulbesuch von Kindern in 180 Ländern.
pdf-Download (793 kb)
Bericht über das Engagement reicher Staaten für universale Grundbildung bis 2015.
pdf-Download (624 kb)
Child labour in hybrid cottonseed production in Andhra Pradesh
Studie (2004)
