Kinderarbeit in der Kakaoherstellung: "Sie wissen noch nicht einmal, wie Schokolade schmeckt!"

 

Tausende Kinder arbeiten unter härtesten Bedingungen auf Kakao-Plantagen. © DWHH
Tausende Kinder arbeiten unter härtesten
Bedingungen auf Kakao-Plantagen. © WHH
Deutschland, Schokoladenland

Wir Deutschen lieben Schokolade, besonders zur Weihnachtszeit. Im Durchschnitt isst jeder von uns um die acht Kilogramm Schokolade pro Jahr. Dieser Appetit und eine steigende Exportquote sorgen für satte Umsätze bei den ca. 90 industriellen deutschen Herstellen - im Jahr 2006 beliefen sie sich auf 4,4 Mrd. Euro. Das klingt ganz nach einer Erfolgsgeschichte. Wären da nicht die miserablen Arbeitsbedingungen auf den Kakao-Plantagen. Und die hohe Anzahl von Kinderarbeitern, die das ganze Jahr hindurch in der Kakao-Ernte eingesetzt werden.  

 

Kakaobauer in Indonesien. © Lohnes
Kakaobauer in Indonesien.
© Lohnes
Tausende Kinderarbeiter produzieren Kakao

Mehr als die Hälfte des Kakaos, der in Deutschland verarbeitet wird, stammt von dem wichtigsten Kakaoproduzenten weltweit, der Elfenbeinküste. Auf dortigen Kakaofarmen arbeiten nach Recherchen zur Sendung "ARD Monitor" vom 13. September 2007 mehr als 600.000 Kinder. Eine Schule haben die meisten von ihnen noch nie besucht.

Zudem stammen viele der Kinder auf den Kakaofarmen auch aus benachbarten Ländern, wo sie Menschenhändlern zum Opfer gefallen sind. Mit Versprechen auf eine Ausbildung wurden sie von zuhause weggelockt und dann versklavt. Die Kinder arbeiten bis zu 15 Stunden am Tag. Verletzungen durch herab fallende Früchte oder Macheten sind dabei an der Tagesordnung. Sie schlafen auf dem nackten Boden in Lehm- oder Holzhütten, ohne Elektrizität oder sanitäre Einrichtungen. Die hygienischen Bedingungen sind erbärmlich. Ein trauriges Detail ist auch, dass die Kinder selbst noch nie die Schokolade gekostet haben, die hierzulande so beliebt ist.

 


Kakaobohnen, noch von Fruchtfleisch umhüllt. © Lohnes
Kakaobohnen, noch von
Fruchtfleisch umhüllt.
© Lohnes
Verstöße gegen internationales Recht

Mit der Duldung von Kinderarbeit verstoßen Unternehmen nicht nur gegen ihre eigenen Selbstverpflichtungserklärungen. Oder gegen das Rechtsempfinden von Konsumenten in Europa. Sondern in eklatanter Weise auch gegen Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (Konvention 138 und 182) und der UN-Kinderrechtskonvention - Übereinkünfte, die auch die Elfenbeinküste ratifiziert hat.

Unternehmen sind zudem verpflichtet, zur wirksamen Abschaffung von Kinderarbeit beizutragen. Dies ist in den Leitsätzen für multinationale Unternehmen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung festgelegt.

 

 

Logo von Fairtrade.
Logo von Fairtrade.
Fairtrade Produkte Kaufen

Verbraucher können auf "sichere" Schokoladenerzeugnisse zurückgreifen. Das heißt auf solche, die zertifiziert ohne Kinderarbeit hergestellt werden: Das sind alle Fairtrade-gesiegelten Produkte. Mit dem Kauf von Fairtrade Produkten engagieren sich die Konsumenten für benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika. Der Faire Handel spielt eine Vorreiterrolle in der Diskussion um Sozialstandards. Er ist ein wichtiges Element für einen ethisch verantworteten Konsum. Dank der Anstrengung vieler Menschen ist der Faire Handel so erfolgreich wie noch nie, wie die Siegelorganisation TransFair bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2006 berichtet hat.

 


Kakaoernte. © Lohnes
Kakaoernte. © Lohnes
Bei Unternehmen nachfragen

Weiter werden die großen deutschen Schokoladenhersteller im "ARD Monitor-Bericht" mit der längst bekannten Problematik Kinderarbeit im Kakaoanbau konfrontiert - und erntet Schweigen. "Wir begrüßen Berichte wie diese, denn sie schaffen das nötige Problem-Bewusstsein in der Öffentlichkeit. Sie bauen Druck auf schwarze Schafe unter den Unternehmen auf, weil diese einen Image-Verlust fürchten", betont Antje Paulsen, Projektleiterin der Kampagne Stopp Kinderarbeit! Schule ist der beste Arbeitsplatz bei der Welthungerhilfe. "Verbraucher können sich auch einbringen, um Kinderarbeit bei der Produktionskette kategorisch auszuschließen. Indem sich die Konsumenten gezielt nach den Herstellungsbedingungen bei den Schokoladen-Produzenten erkundigen, wird der Handlungsdruck immer weiter intensiviert."

 

 

Kakaopflanze. © Lohnes
Kakaopflanze. © Lohnes
Was wir von den Unternehmen fordern

Unternehmen wehren gerne ab, wenn es darum geht, sich beim Thema Kinderarbeit in der Rohstoffproduktion konsequent ihrer Mitverantwortung zu stellen. Gerne ist dann die Rede von der tief verwurzelten Tradition der Kinderarbeit in einem Land. Oder den komplexen, nicht nachvollziehbaren Handelswegen. "Wenn man aber bedenkt, was Unternehmen alles bis ins Detail steuern können, ist es beschämend und nicht hinnehmbar, wie sie sich beim Thema Kinderarbeit aus der Verantwortung stehlen", so Paulsen.

Unternehmen können wirksam gegen Kinderarbeit vorgehen, wenn sie unmissverständlich deutlich machen, dass sie keine Kinderarbeit in ihrer Produktionskette dulden. Dazu müssen sie ihre Produzenten, Lieferanten und Zwischenhändler schulen und in entsprechende Managementsysteme investieren. Zudem sollten sie Preise für Rohstoffe festlegen, die es Farmern wiederum erlauben, Mindestlöhne an erwachsene Beschäftigte zu zahlen.

Besonders wichtig ist es auch, dass Unternehmen Maßnahmen unterstützen, die die Kinder dorthin bringen, wo sie hingehören: in die Schule. Nicht zuletzt leisten Unternehmen so einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines Landes. Eine Kooperation mit einem lokalen Partner, der zum Thema Kinderrechte arbeitet, ist hierbei ein erprobter Weg. Allerdings ist das alles nicht umsonst zu haben und erfordert ein ernsthaftes Engagement seitens der Unternehmensleitung.  

 

Letzte Änderung an dieser Seite: 19.12.2007

Kontakt

Antje Paulsen
Tel.: 0228/2288-205

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Lernprojektwoche Magdeburg war ein voller Erfolg: Über 3000 Teilnehmer ließen sich von Angola begeistern (November 2007)

Downloads zum Thema "Stopp Kinderarbeit"

In jedes Kind investieren - Eine ökonomische Studie über die Kosten und den Nutzen der Beseitigung von Kinderarbeit.
pdf-Download (177 kb)
 

UNICEF Bericht "Fortschritt für Kinder" untersucht Schulbesuch von Kindern in 180 Ländern.
pdf-Download (793 kb)
 

Bericht über das Engagement reicher Staaten für universale Grundbildung bis 2015.
pdf-Download (624 kb)
 

Child labour in hybrid cottonseed production in Andhra Pradesh
Studie (2004)

Weitere Informationen

Stopp Kinderabeit:

Warum die Kampagne so wichtig ist.

Die MV Foundation

Beispielhafte Arbeit zum Wohl der Kinder.

Gemeinsam gegen Kinderarbeit

Workshop in Brüssel.

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