ÖkoHuman - Der Welthungerhilfe-Fonds für Biodiversität und nachhaltige Entwicklung

Die Aufforstung der Mangrovenwälder in Indien
ist das erste Projekt, das ÖkoHuman unterstützt.
© RechenburgDie Bonner Biodiversitäts-Konferenz im Mai 2008 war knapp vier Monate vorbei, da hatte Michael Seeber bereits seine eigene Stiftung mit dem Fokus auf Artenvielfalt gegründet. Über den Umweltschutz geht das Vorhaben des Psychiaters allerdings weit hinaus: 100.000 Euro hat er im Juli 2008 der Welthungerhilfe zur Verfügung gestellt, um gemeinsam einen Fonds zu realisieren, der den Schutz der Natur und die Bekämpfung von Hunger und Armut miteinander verbindet. Der Stiftungsfonds heißt ÖkoHuman - Welthungerhilfe-Fonds für Biodiversität & nachhaltige Entwicklung.
Seine These ist plausibel: Eine langfristig intakte Ökologie kann ebenso langfristig den Mensch ernähren. Wissenschaftlichen Berechnungen zu Folge droht der Erde erst in etwa fünf Milliarden Jahren das Aus. Seeber sagt: "Bis dahin hat die Geschichte des Lebens auf unserem Planeten noch eine lange Zukunft vor sich. Die Frage ist nur, ob mit oder ohne Mensch."
Erstes Projekt: Wiederaufforstung eines Mangrovenwaldes in Indien
Seeber beschäftigt sich schon lange mit dem Kampf gegen die Armut und dem Schutz der Natur, zwei Themen, die oftmals in krassem Konflikt zueinander stehen: Wer arm ist und hungert, kümmert sich nicht um Ressourcenschutz. Seeber will helfen, diesen Konflikt zu lösen, gemeinsam mit der Welthungerhilfe.
Das erste Projekt, das von ÖkoHuman profitiert, wird die Wiederaufforstung eines Mangrovenwaldes im Südosten Indiens sein. Am Golf von Mannar, der Meerenge zwischen Indien und Sri Lanka, haben die Menschen in den vergangenen Jahrzehnten hektarweise die Mangrovenwälder abgeholzt. Der Grund: Feuerholz ist in dieser extrem trockenen Region Südindiens rar. Mit dem geschlagenen Holz ließ sich überlebensnotwendiges Geld verdienen.
Die Folgen spürten die Bewohner schnell: Die Fischbestände gingen massiv zurück. Für eine Region, die vom Fisch abhängig ist, ein Desaster. Dann kam der 26. Dezember 2004. Der Tsunami rollte über die Reste des Mangrovenwaldes hinweg. Die Zerstörungen waren immens. Weiter nördlich, hinter intakten Mangroven, blieben Dörfer unversehrt. Die Sumpfwälder hätten, so Augenzeugen, die Welle regelrecht "geschluckt". Jetzt sollen mit Unterstützung des Fonds 150 Hektar wieder aufgeforstet, die Fischbestände gesichert und vor allem alternative Einkommensquellen für die Menschen gefunden werden.
"Ich hoffe, dass sich möglichst viele Leute anschließen"
Michael Seeber arbeitet in Essen in der forensischen Psychiatrie. In seiner Freizeit engagiert er sich bewusst für gänzlich andere Dinge. Für Biodiversität und den Öko-Fonds setzt sich Seeber leidenschaftlich und mit viel Geld ein. "Ich habe das Glück, aufgrund eines guten familiären Hintergrundes, schon jetzt einen Teil meines Vermögens stiften zu können." Dann, so der 37-jährige Seeber, habe er auch noch die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, "was man mit Sicherheit nicht hat, wenn man noch schnell auf dem Sterbebett etwas stiftet."
Verantwortung gegenüber der nächsten Generation
Durch den Fonds will Michael Seeber möglichst viele Menschen motivieren, sich einzusetzen. "Es ist wichtig, sich in anderen Bereichen der Welt zu engagieren und zu erkennen, dass auch unser Wohlstand hier langfristig davon abhängt, dass es den Menschen in den Entwicklungsländern deutlich besser geht." Als Vater einer kleinen Tochter ist spenden oder stiften für Seeber durchaus eine Frage von "gesundem Egoismus": Man identifiziere sich nicht mehr nur mit den Dingen, die im eigenen kleinen Leben wichtig seien, sondern habe stattdessen ein größeres Panorama im Blick. Für ihn ist jedenfalls klar: "Ich habe schon jetzt zu dem Geld, das ich gestiftet habe, eine viel innigere Beziehung, als ich sie vorher je hatte. Und platt gesagt: Die Welt zu verbessern macht einfach auch Spaß."
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Stichwort: ÖkoHuman
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Was ist ÖkoHuman?
ÖkoHuman ist der Name des Stiftungsfonds der Welthungerhilfe, der gezielt Projekte zur integrierten Armutsbekämpfung unter Erhaltung der biologischen Vielfalt (Biodiversität) fördern soll.
ÖkoHuman soll künftig vor allem kombinierte Maßnahmen land- und forstwirtschaftlicher Entwicklungszusammenarbeit unterstützen, die der besorgniserregenden biologischen Verarmung der Erde entgegenwirken.
ÖkoHuman fördert deshalb vor allem Aufforstungen, bodenerhaltende und -verbessernde Bewirtschaftungsformen sowie naturverträgliche Teich- und Weidewirtschaft. Schwerpunktgebiete sind dabei die "hot spots" biologischer Vielfalt, die zum großen Teil in noch unterentwickelten Regionen der Erde liegen.
ÖkoHuman ist ein Zukunftsfonds der Welthungerhilfe, mit dem jeder dazu beitragen kann, die ökologischen Lebensgrundlagen der Menschheit dauerhaft zu sichern.
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