
Sven Voss (re.) mit Angela Tamke,
Bildungsreferentin der Welthungerhilfe, und dem
ZDF-Kamerateam vor dem Abflug nach Sri Lanka.
© Welthungerhilfe
In der Schule dürfen Kinder noch Kinder sein
Sven Voss, Moderator von logo!, den Nachrichten für Kinder im ZDF und im KI.KA, über seine Reise nach Sri Lanka mit der Deutschen Welthungerhilfe und das gemeinsame Projekt "Schulen für Schulen".

Das Mädchen Rangani
© Welthungerhilfe
Welthungerhilfe: Wie kam es zu der Aktion "Schulen für Schulen"?
Voss: Es gibt schon seit längerem Kooperationen mit der Welthungerhilfe bei verschiedenen Projekten, zum Beispiel in Sierra Leone, Kuba oder auch beim Weltfrühstück. Nach der Flutkatastrophe wollten wir gern darüber informieren, wie es speziell den Kindern in den betroffenen Gebieten geht und wie sie unterstützt werden. Zudem sollte die Tragödie ein Gesicht bekommen – und das ist für uns das der 12-jährigen Rangani in Sri Lanka. Dieses Land war für uns besonders interessant, da die Menschen dort doppelt tragisch getroffen sind: durch den langjährigen Bürgerkrieg und durch den Tsunami.
Welthungerhilfe: Für welchen Zeitraum ist das Projekt angelegt?
Voss: Wir würden Rangani gerne langfristig beobachten. Kinder interessieren sich sehr für das Schicksal anderer Kinder in fremden Ländern. Die Resonanz auf unsere Berichte über Rangani ist enorm. Im Internet würden wir gern weiter darüber informieren, wie es ihr ergeht – natürlich immer unterstützt von aktuellen Fotos, der Kollegen der Welthungerhilfe vor Ort. Wird die Familie zum Beispiel irgendwann aus dem Hilfscamp in ein eigenes Haus umziehen? Bestimmt wäre es auch sehr interessant, in sechs Monaten oder einem Jahr erneut nach Sri Lanka zu fahren und Rangani wieder zu treffen.
Welthungerhilfe: Was waren Ihre Vorstellungen vor der Reise nach Sri Lanka?
Voss: Aus den Medien kannte ich natürlich viele Bilder der Tsunami-Gebiete. Aber ohne einen eigenen Eindruck von dem Land war es schwer, diese genau zuzuordnen. Dies konnte ich erst nach der Landung in Colombo. Sehr gespannt war ich natürlich auf das Treffen mit Rangani.

Der Schulunterricht ist
gewährleistet.
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Welthungerhilfe: Wurden Ihre Hoffnungen und Erwartungen vor Ort bestätigt?
Voss: Ich hatte gehofft, es seien mittlerweile weniger Flutschäden sichtbar und dass die Menschen nicht mehr in Zelten leben müssen. Aber nach zwanzig Jahren Bürgerkrieg hat der Tsunami vielen die minimale Existenz wieder genommen, die sie sich gerade erst hatten aufbauen können. Aber man muss auch sagen: Fast alle Kinder gehen zur Schule. Das halte ich gerade nach dem Tsunami für ungemein wichtig. Der feste tägliche Ablauf gibt Halt und bietet den Rahmen, in dem die Kinder wirklich noch Kinder sein dürfen. Die ältere Schwester von Rangani dagegen kann nicht mehr Kind sein: Die 15-jährige musste nach dem Tod der Mutter deren Rolle übernehmen.
Welthungerhilfe: Was hat Sie besonders beeindruckt?
Voss: Schulen in fremden Ländern sind immer sehr interessant. In Ranganis Schule laufen die Kinder zum Beispiel barfuß auf dem Steinfußboden, weil das so angenehm kühl ist, und Fenster gibt es auch nicht. Gemeinsamkeiten zu Deutschland sind dagegen die Schulfächer: Mathematik, Englisch, Sport, Musik. Auch die Neugier der Kinder ist wohl überall die gleiche: Unser Kamerateam war eine große Attraktion. Das war übrigens mit Rangani etwas anders: Sie war anfangs sehr schüchtern. Für die Zwölfjährige schien es zunächst wohl schwierig, sich mit fremden weißen Männern mit Kameras zu unterhalten, mit denen sie zudem über einen Übersetzer kommuniziert. Doch wir haben viel gespielt und einfach Interesse an ihrer Person gezeigt. Schließlich haben sie und ihre Freundinnen uns von sich aus vieles auch sehr Persönliches erzählt.
Welthungerhilfe: Sind die ethnisch-religiösen Konflikte des Landes auch im Leben der Kinder spürbar?
Voss: Wir haben die Kinder danach gefragt und viele verstörende und auch verstörte Antworten erhalten. Sie erinnern sich an Schüsse, Granaten und ihre Verstecke vor der Gefahr. Obwohl die Kampfhandlungen schon über zwei Jahre her sind, sind diese schrecklichen Erlebnisse in den Köpfen der Kinder noch sehr präsent. Auch in der Schule sind die Folgen des Bürgerkriegs nicht zu übersehen: Ein Schulgebäude ist durch eine Granate eingestürzt. Generell weisen viele Gebäude Einschusslöcher auf. Und bei manchen Schäden ist es schwer zu sagen, woher sie kommen – vom Tsunami oder vom Bürgerkrieg.

Schick in deutschen Trikots
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Welthungerhilfe: Wie macht sich die Arbeit von "Schulen für Schulen" in Sri Lanka bemerkbar?
Voss: Wir haben konkret zwei Aktionen miterlebt: Ranganis Schule hat neue Musikinstrumente und die Schulen haben für ihre Fußballmannschaften Trikots bekommen. Uns zu Ehren gab es in Mullaitivu dann ein Match samt der neuen Trikots. Das Spiel haben die Kinder sehr ernst genommen. Außerdem haben die Schüler noch Utensilien für Cricket erhalten. Sport, Musik und Kunst sind ganz wichtig, um mit den Kindern in der Schule die psychischen Folgen der Tsunami-Katastrophe aufzuarbeiten.
Welthungerhilfe: Welche Reaktionen gibt es in Deutschland auf logo!TV und den Internetauftritt von "Schulen für Schulen"?
Voss: Die meisten Zuschriften und Anrufe beziehen sich auf Rangani. Sie ist für die Kinder das Gesicht der Flutkatastrophe. Sie wollen wissen, wie es ihr geht, wie ihr Alltag aussieht, was für Spiele sie spielt oder wie sie mit den Schicksalsschlägen umgeht. Wie verarbeitet man es zum Beispiel, seine Mutter zu verlieren? Mit unseren aktuellen Beiträgen haben wir natürlich versucht, auf diese Fragen Antworten zu geben. Auf die Reaktionen hierauf bin ich sehr gespannt.
(Vom 20.-25.6.2005 wurde mehrfach täglich im ZDF über die Reise des logo!-Teams nach Sri Lanka berichtet.)
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