Nachruf Manfred Hochwald

Manfred Hochwald.
Manfred Hochwald.
Manfred Hochwald war ein Urgestein der Entwicklungshilfe. Fast vierzig Jahre hat er Projekte durchgeführt oder verantwortet, die den Menschen im Süden eine faire Chance auf eine eigene Existenz und ein menschenwürdiges Dasein gegeben haben.

Den Antrieb für seine Arbeit fand er in zwei klaren Fragen: "Was brauchen die Menschen in unseren Projektländern und wie können wir Ihnen helfen?" In jeder humanitären Krise ermahnte er uns, sich auf diese Kernfragen zu konzentrieren. Er war ein echter Menschenfreund, der sich das Schicksal von Kollegen im Haus sowie der Menschen in unseren Projekten zu Herzen nahm – der nach all den Jahren immer wieder aufrichtige Empathie und Betroffenheit zeigte, dessen wahre Anteilnahme niemals nachließ.  

Er war das Herz und Gewissen des ganzen Bereiches Programme und Projekte, den er im letzten Jahr als Vorstandsmitglied leitete. Dabei half ihm seine eigene lange Beziehung mit der Welthungerhilfe, die für ihn wie eine zweite Familie war.

Nach dem Studium der Landwirtschaft war er einige Jahre als Entwicklungshelfer für den DED in Ecuador tätig. Er kam zunächst für eine Vertretungsstelle nach Bonn und wollte nach eigenen Worten damals "nur kurz bleiben". Daraus sind mehr als dreißig Jahre geworden. Manfred Hochwald hat viele Jahre das Referat Lateinamerika geleitet – ein alter Latino, der seine Liebe zu diesem Teil der Welt niemals verbergen wollte und konnte.

Von 2003 bis 2008 hat er den gesamten Bereich Programme und Projekte als Leiter gelenkt und geführt. In dieser Zeit hat sich das Wirkungsfeld der Organisation beständig erweitert und vergrößert. Unter seiner Führung wurde die Programmarbeit weiter professionalisiert und wurden neue konzeptionelle Wege eingeschlagen. In dieser Funktion hat er auch die Dezentralisierung vorangetragen, die maßgeblich seine Handschrift trug. Ebenso hat er die Gestaltung der Alliance2015, einem Verbund von sieben europäischen Nichtregierungsorganisationen, stark geprägt und beeinflusst.

Er hat sich von den kleinen und großen Hindernissen auf dem gemeinsamen Weg der Organisationen niemals aus dem Schritt bringen lassen, sondern immer an die große gemeinsame Idee erinnert. Dabei kam ihm seine ungebremste Neugier auf andere Kulturen, fremde Länder und Menschen zugute. Er konnte mit Begeisterung von Dienstreisen in Länder berichten, die er vorher noch nicht kannte. Zuletzt konnte man dies spüren, wenn man mit ihm über Tadschikistan oder Myanmar sprach.

Das Schicksal der Welthungerhilfe lag Manfred Hochwald am Herzen wie nur wenig Anderen. Für seine "Familie" kämpfte er mit all seiner Kraft und Erfahrung. Er hat sich deshalb auch in vielen Gesprächen mit unseren internationalen Partnern und Geldgebern um die politische Eigenständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit der Organisation bemüht. Und er spürte immer, worauf es in brenzligen und heiklen Situationen ankam – dann fand er die richtigen Worte und konnte Zweifler überzeugen sowie Unentschlossene mitnehmen.

Manfred Hochwald war auch ein Urgestein der Welthungerhilfe. Mit ihm verliert die Organisation einen Teil ihrer Geschichte und das institutionelles Gedächtnis. Er ist von Anfang an dabei gewesen und hat an dem großen Gebäude "Welthungerhilfe" in all den Jahren entscheidend mitgebaut. Auch ihm verdankt die Welthungerhilfe die Entwicklung zu einer der größten deutschen Entwicklungsorganisationen, dessen Arbeit weltweit große Anerkennung genießt.

Die Mitarbeiter verlieren mit Manfred Hochwald einen authentischen und ehrlichen Kollegen und Vorgesetzten, der den allergrößten Respekt vor der Arbeit der vielen lokalen und entsandten Kollegen im Ausland hatte. 


    

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