Weltweite Abholzungen gehen weiter

Grafik: Weltweite Abholzungen gehen weiter.Weltweit gehen pro Minute mindestens 28 Hektar Wald verloren – die Fläche von rund 40 Fußballfeldern. Allein für die Produktion von Papiertaschentüchern und Toilettenpapier werden täglich rund 270.000 Bäume gefällt. Und der Bedarf an Papier und Zellstoff steigt. Noch im Jahr 1970 wurden weltweit 130 Millionen Tonnen Papier produziert, heute sind es über 320 Millionen und für das Jahr 2015 rechnen Experten mit einer Papierproduktion von 440 Millionen Tonnen.
Zellstoff, der in Deutschland weiterverarbeitet wird, stammt nur zu zehn Prozent aus deutschem Holz. 90 Prozent werden importiert – oft aus Ländern wie Russland, in denen ein großer Teil des Holzes illegal geschlagen wird.

Brandrodung in Liberia.
(c) DerekHolz aus Regenwald
Auch in den Entwicklungsländern wächst der Holzbedarf. Die indonesische Papierindustrie verbraucht jährlich fast 30 Millionen Kubikmeter Holz – davon kommt nicht einmal ein Zehntel aus Plantagen, rund 90 Prozent stammen aus dem Regenwald. Der einst als unerschöpflich geltende Urwald auf Sumatra wird schon in wenigen Jahren vollends zerstört sein.
Bäume weichen für Weiden und Plantagen
Der steigende Papierbedarf ist nur einer von mehreren Gründen für die ungebremste Zerstörung der Wälder. Im brasilianischen Amazonasgebiet verschwinden täglich rund 7.000 Hektar Wald für neue Weideflächen und den Anbau von Soja. Mittlerweile baut Brasilien auf über 18 Millionen Hektar Fläche Soja an. Drei Viertel des hier erzeugten Sojaschrots werden in die EU exportiert – zumeist als Futter für Schweine und Rinder, die dann dank hoher Subventionen zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt geworfen werden.
Immer mehr Urwald wird für die Anlage von Ölpalmenplantagen gerodet. Das meist als pflanzliches Fett deklarierte Palmöl findet sich in Waschmitteln, Margarine oder Schokolade wieder. Fast 90 Prozent des weltweit produzierten Palmöls stammen aus Indonesien und Malaysia.
Banken finanzieren Abholzungen
Die Zerstörung von ursprünglichen Regenwäldern zugunsten von Sojaanbau oder Ölpalmenplantagen wird zum großen Teil von internationalen Banken finanziert. Als Gläubiger hätten sie die Macht, wirksame Umweltschutzauflagen durchzusetzen – doch dazu fehlt meist der politische Wille.
Leichte Erholung?
Die Statistiken der UNO weisen aus, dass der Waldverlust in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen ist. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass die Urwälder geschont würden. Vielmehr wird dem Waldverlust in den Tropen die Aufforstung in den Nadelwäldern des Nordens gegenübergestellt. Zudem wird die Definition dessen, was "Zerstörung" bedeutet immer enger gefasst. Umweltschützer werfen der UNO deshalb vor, das wahre Ausmaß der anhaltenden Abholzung bewusst zu verschleiern.
(Karl-Albrecht Immel)
