Millenniumsdorf Sodo in Äthiopien
"Wir werden endlich satt und können gesünder leben!"
Von Dr. Iris Schöninger
Bildergalerie: Kinder aus Sodo

Die Bäuerin Diribe in ihrem Lehmhaus.
© SchöningerUnter dem Grasdach des schmucken Tukuls – einem runden Lehmhaus – hängen Maiskolben zum Trocknen. Diribe Kajela facht das Feuer in ihrem Herd an. Wenig später zieht der Duft gerösteter Kaffeebohnen durch den Raum. Der Blick der Bäuerin fällt auf eine Reihe von Säcken, die an der Wand lehnen: Sie sind prall gefüllt mit Weizen. Es sind die Früchte ihrer letzten Ernte, auf die sie sehr stolz ist.
300 Kilogramm konnte sie auf dem familieneigenen Stück Land anbauen, doppelt soviel wie früher. Denn zum ersten Mal verwendete sie das verbesserte Saatgut, welches optimaler zu den landwirtschaftlichen Gegebenheiten passt. Es wurde von der Welthungerhilfe und ihrer äthiopischen Partnerorganisation CDSE interessierten Bauern zur Verfügung gestellt.

Die Ernteerträge konnten
durch verbessertes Saatgut
gesteigert werden.
© SchöningerReichere Ernten, weniger Hunger
Wenn es um Armuts- und Hungerbekämpfung im Millenniumsdorf Sodo geht, dann gehört hierzu auch die Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge: Diese sollten dann idealerweise ausreichen, um die eigene Familie zu versorgen und noch Überschüsse auf dem Markt im benachbarten Städtchen Tullubolo zu verkaufen. "Im kommenden Jahr will ich mehr Land bestellen", hat die 35-Jährige deshalb bereits beschlossen.
Diribe Kajela hat sechs Kinder, darunter vier Mädchen. Die Älteste ist bereits verheiratet, lebt jedoch nach ihrer Scheidung wieder mit der kleinen Enkeltochter auf dem Hof. Alle müssen mit anpacken. Der älteste Sohn hat gerade die Schule abgebrochen, um die Mutter zu unterstützen. "Mein Mann ist Wächter an den heißen Heilquellen hier im Ort. Er ist nie zu Hause und ich brauche Hilfe in der Landwirtschaft", so Diribe.
In Zukunft will sie verstärkt Weizen anbauen und dafür weniger Teff. Das in Äthiopien wichtigste Getreide hat extrem niedrige Erträge, aber sie kann es zu einem guten Preis auf dem Markt verkaufen. Zu Hause werden sie die Enjera – den einheimischen Sauerteigfladen – dann häufiger aus Weizen anrichten. Außerdem stehen bei Diribe Kichererbsen und Ensete, eine dürreresistente Gemüseart, regelmäßig auf dem Speiseplan – alles Gemüsesorten, die vor der Unterstützung durch die Welthungerhilfe nicht verbreitet waren.

Stolz wird die Funktionalität
eines Brunnens demonstriert.
© Schöninger
"Unser Wasser heute ist wie Medizin"
Mit dem Bau von zehn Trinkwasserbrunnen seit Ende 2007 wurde ein weiterer Meilenstein der nachhaltigen Lebensverbesserung im Millenniumsdorf gelegt. "Unser Wasser heute ist wie Medizin", schwärmt Diribe Kajela. "Vorher waren wir ständig krank, vor allem die Kinder. Und die Frauen hatten nie Zeit, auf den Markt nach Tulubolo zu gehen, weil sie kilometerweit laufen mussten, um Wasser zu holen." Sodo ist zwar in der glücklichen Lage, dass kleine Flüsse durch die Gemarkung fließen. Aber das Wasser ist total verschmutzt, außerdem trinken auch die Tiere daraus.
"Ich wurde sogar ins Wasserkomitee gewählt", berichtet die Bäuerin voller Stolz. Nun trifft sie sich mit acht weiteren Personen einmal im Monat, um sich um den über 80 Meter tiefen Brunnen zu kümmern. 28 Familien nutzen ihn und bezahlen dafür im Monat drei Birr (rund 18 Eurocent). Es gibt feste Öffnungszeiten morgens und nachmittags. Der Brunnen ist eingezäunt und das Areal wird regelmäßig gesäubert. Außerdem müssen auch Reparaturen finanziert werden. So lagern inzwischen bereits rund 715 Birr in der Schatulle des Kassenwarts. Den Schlüssel dazu verwahrt ein weiteres Mitglied des Brunnenkomitees. Diribe würde auch gern mehr über Buchführung wissen, aber sie ist Analphabetin. Jetzt hofft sie darauf, dass ihre Töchter ihr noch das Lesen und Schreiben beibringen.
Bankverbindung der
Welthungerhilfe
Autorin
Dr. Iris Schöninger ist Mitarbeiterin der Welthungerhilfe in Bonn.
Weitere Informationen
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