Afghanistan: Schwierige Kursfindung für Hilfsorganisationen

Von Hans-Joachim Preuß
 

Hans-Joachim Preuß. © Jungeblodt
Hans-Joachim Preuß.
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Seit dem Sturz der Taliban im Jahre 2001 hat sich die Getreideproduktion in Afghanistan verdoppelt. Bildungs- und Gesundheitswesen stehen mehr Menschen offen als jemals zuvor. Asphaltierte Straßen, stabile Brücken und zuverlässige Einrichtungen zur Kommunikation verbinden die Angehörigen der verschiedenen ethnisch geprägten Landesteile. Die internationale Gemeinschaft unterstützt den afghanischen Wiederaufbau mit mehreren Milliarden Euro. Allein das Volumen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit beläuft sich auf mehr als 100 Millionen Euro im Jahr.
 

 

Straßenszene. © Jungeblodt
Straßenszene. © Jungeblodt
Ruheloses Land

Dennoch kommt das Land am Hindukusch nicht zur Ruhe. Geiselnahmen, Attentate auf staatliche Einrichtungen, auf das ausländische Militär, und sogar auf internationale Hilfsorganisationen sind an der Tagesordnung. Auch die Welthungerhilfe, seit den 80er Jahren in Afghanistan tätig, musste in den ersten Monaten des Jahres 2007 den Tod von Mitarbeitern beklagen.

 

Ferngesteuerte Projektarbeit

Die Aufbauarbeit kann nur unter Beachtung schärfster Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Manche Projekte müssen "ferngesteuert" werden, weil es für die Helfer zu gefährlich ist, über Land zu reisen. Viele Bürger stellen sich deshalb die Frage, ob unter diesen Umständen eine Fortsetzung des Engagements überhaupt zu vertreten ist.

Eine eindeutige Antwort ist schwierig. Nimmt man zum einen das bisher Erreichte als Maßstab, so kann das Ergebnis nicht zufriedenstellen: Die Arbeit ist noch lange nicht getan. Denn trotz der ökonomischen Fortschritte ist die Kluft zwischen der Entwicklung in den Städten und auf dem Land größer geworden.

 

Besonders auf dem Land brauchen die Menschen Hilfe. © Jungeblodt
Besonders auf dem Land
brauchen die Menschen
Hilfe. © Jungeblodt
Bleiben - oder nicht bleiben

Gerade in ländlichen Regionen führt die langsame wirtschaftliche Entwicklung zu einer wachsenden Akzeptanz regierungsfeindlicher und teilweise gewaltbereiter Kräfte. Um dem entgegenzuwirken müssen mehr und deutlichere Verbesserungen für die Menschen sichtbar werden.

Wäre dagegen der Faktor Sicherheit das entscheidende Kriterium, dürfte in den unsicheren Gebieten kaum mehr gearbeitet werden. Dann aber würde die Bevölkerung peripherer Regionen kaum an einer wirtschaftlichen Entwicklung partizipieren.

 

Schutz einfordern

Um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen, müssen sich Hilfsorganisationen stärker als bisher auf die Menschen und ihre althergebrachten Institutionen – Dorfälteste, Clanchefs, geistliche Würdenträger – ausrichten und deren Schutz einfordern. Auch die traditionellen Führer versprechen sich eine höhere Reputation, wenn ihre Klientel durch ihre Vermittlung Nutzen aus der internationalen Zusammenarbeit zieht. Es ist zu hoffen, dass die Zeit für einen solchen Strategiewechsel ausreicht.

 

(Mit freundlicher Genehmigung der Sächsischen Zeitung)




Letzte Änderung an dieser Seite: 05.10.2007

Autor

Hans-Joachim Preuß ist Generalsekretär der Welthungerhilfe.

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