Afghanistan: Schwere Situation für Hilfsorganisationen

(Stand: September 2006)

Von Patricia Summa


Frauen in Burkas neben Soldaten der ISAF:
Afghanistan ist immer noch ein Unruheherd. © Kropke

Afghanistan kommt nicht zur Ruhe. Durch die nur langsame Entwicklung des Landes wächst auch die Unzufriedenheit innerhalb der Bevölkerung. Zudem gewinnen die regierungsfeindlichen Gruppen, die "Anti Government Elements" (AGE), immer mehr an Einfluss. Dabei handelt es sich nicht nur um die Taliban. Auch Anhänger von Milizen, Warlords, Drogenhändler und Kriminelle zählen dazu. War die Sicherheitslage bislang vor allem in den südlichen und östlichen Provinzen schlecht, so ist die Situation nun auch im Norden problematisch.



Militärfahrzeug der ISTAF.
Militärfahrzeug der ISTAF. 
© Kropke
Machtloses Zusehen

Die regierungsfeindlichen Gruppen sammeln sich dort in den Dörfern, wo sie Geldgeschenke abliefern können. Damit wollen sie die Bevölkerung für sich zu gewinnen und so ihre Operationsbasen aufbauen. Die afghanische Regierung steht dieser Entwicklung weitgehend machtlos gegenüber. Korruption ist an der Tagesordnung. Die Polizei steckt mitten in einer Reform und kann deshalb kaum Hilfe leisten oder ordnende Strukturen schaffen.

 

Gezielte Täuschung

Militärische Einheiten der Taliban nutzen zivile Fahrzeuge, wie sie von Hilfsorganisationen verwendet werden. Das verunsichert die afghanische Bevölkerung massiv. Bislang sind die internationalen Nichtregierungsorganisationen (NRO) zwar noch kein ausgeschriebenes Ziel von Anschlägen. Doch die Lage verschärt sich zusehends. Gerade für die afghanischen Mitarbeiter der NROs.

 

Präsentes Militär. © Kropke
Präsentes Militär. © Kropke

Für mehr Sicherheit

Am 1. Juli 2006 hat die Welthungerhilfe mit der Leitung des Afghanistan NGO Safety Office (ANSO) eine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe übernommen. Die Initiative wurde 2002 von verschiedenen NROs mit dem Ziel gegründet, die Sicherheitslage für die nationalen und internationalen Hilfsorganisationen in Afghanistan zu verbessern.

Die Hauptaufgabe von ANSO ist es, spezielle Informationen, Analysen und Empfehlungen zur individuellen Sicherheitslage bereitzustellen, einen Notfallplan bereit zu halten und die verschiedenen Organisationen durch Trainings und Überprüfung ihrer Sicherheitspläne fachlich zu unterstützen.

 

Zerstörtes Haus in Kabul.
Zerstörtes Haus in Kabul.
© Kropke

Verstärkte Vorkehrungen

Sicherheit – für  Welthungerhilfe ein wichtiges Thema. Schon vor langer hat die Welthungerhilfe ein dezentrales Sicherheitsmanagement in Afghanistan eingeführt. Das Ziel: die aktuellen Entwicklungen vor Ort richtig einzuschätzen und darauf angemessen zu reagieren.

So wurden aufgrund der angespannten Lage nun die Sicherheitsvorkehrungen in den Projekten der Welthungerhilfe nochmals verstärkt. Überlandfahrten werden nur noch eingeschränkt unternommen. Mindestens zwei Fahrzeuge begeben sich dann auf gemeinsame Fahrt, die im ständigen Funkkontakt stehen.

In den Projektgebieten unterhält die Welthungerhilfe zudem ein enges lokales Informations-Netzwerk. Die Mitarbeiter aus den verschiedenen Projektstandorten in Afghanistan tauschen sich intensiv über Sicherheitsfragen aus – dennoch ist die Arbeit für die Mitarbeiter riskant. Doch die Welthungerhilfe hat sich trotzdem entschieden, weiter in Afghanistan zu bleiben, um die begonnenen Projekte fortzuführen.

 

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Die Autorin

Patricia Summa ist Mitarbeiterin der Welthungerhilfe und verantwortliche Redakteurin unserer kostenlosen Zeitung "Welternährung".

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