Afghanistan: Das tägliche Überleben in Kabuls Flüchtlingslagern

Bericht von Lisa Akbary und Federico Motka

Bau einer Klinik in Chemane Babrack.

In vielen Stadtteilen Kabuls stößt man auf informelle Flüchtlingslager: provisorisch zusammengebaute Hütten aus Lehm, Karton und Plastik, umgeben von vielbefahrenen Straßen und modernen Glasgebäuden. Mehr als 20 dieser Flüchtlingslager gibt es in Afghanistans Hauptstadt und jeden Tag kommen mehr Flüchtlinge. Sie fliehen aus verschiedenen Provinzen des Landes oder aus kürzlich geschlossenen Flüchtlingslagern in Pakistan und Iran.

Kabuls 'intern Vertriebene' leben weit unter der Armutsgrenze und unter prekären Verhältnissen, ihnen fehlen die grundlegendste Versorgung und jegliche Basisdienstleistung. Viele von ihnen werden nicht in ihre Heimatprovinzen zurückkehren. Krieg, Konflikte, Landverlust oder Armut geben ihnen keine Wahl, als in den Camps zu bleiben.

 

Eine unserer Basisgesundheitsstationen.
Eine unserer Basisgesundheitsstationen.

Den Teufelskreis durchbrechen

Die Welthungerhilfe startete ihr Engagement in den informellen Siedlungen in und um Kabul Ende 2010. Mehr als 12.000 Menschen erhielten Unterstützung, um den harten Winter zu überstehen. Seitdem hat die Welthungerhilfe ihre Arbeit in den Camps intensiviert, um die Lebensbedingungen dort zu verbessern. Ein aktuelles Projekt konzentriert sich nun auch auf die Lösung von grundlegenderen Problemen, um den Teufelskreis von Armut und Ungewissheit zu unterbrechen.

Mit der Unterstützung des Auswärtigen Amtes, sowie Sachspenden der UNICEF unterstützt die Welthungerhilfe mit ihrem Nothilfeprojekt 20 dieser Gemeinden der intern Vertriebenen in Kabul, insgesamt sind dies etwa 3.295 Familien. Um die dringendsten Bedürfnisse der Campbewohner zu befriedigen, werden über den lokalen Partner, die afghanische NGO 'Aschiana', Alphabetisierungskurse, Gesundheits- und Hygienetrainings angeboten.

Auch gibt es jetzt eine Basisgesundheitsversorgung in den Camps: die Welthungerhilfe unterhält vier Basisgesundheitsstationen und eine mobile Ambulanz. Doktoren, Krankenschwestern und Hebammen versorgten bis jetzt 11.000 Patienten mit freien Behandlungen und Medikamenten. Zusätzlich wurden 2.700 Hygiene-Kits mit Materialien wie Seife, Chlor zur Wasserreinigung, Handtüchern und Trinkwasserbehältern verteilt.

Ein Fokus: Kinder

Kinder haben unter den Lebensbedingungen in den Camps oft am stärksten zu leiden. Vertreibung und Flucht bedeutet oft, nicht die Schule besuchen zu können, aber auch die Entwurzelung aus gewohnter Umgebung. Zudem sind die Camps für Kinder oft gefährliche Umgebungen. Man sieht sie zwischen Müll, streunenden Hunden und in der unmittelbaren Nähe vielbefahrener Straßen spielen.

Um in den Camps und Umgebung "kinderfreundliche Aktivitäten" aufzubauen, hat die Welthungerhilfe zusammen mit dem 'Educational Circus for Children' (AECC) Zelte aufgebaut, zu denen nur Kinder Zugang haben. Ausgebildete Betreuer geben ihnen Spielzeug und andere Materialien, zudem bietet AECC sportliche und gesellschaftliche Aktivitäten an.

 

Teilnehmer der Jirga im September 2011.
Teilnehmer der Jirga im September 2011.

Den Flüchtlingsgemeinden eine Stimme geben

Die Welthungerhilfe setzt sich für bessere Rechte und nachhaltigere Lebensbedingungen der informellen Siedler in Kabul ein und arbeitet dabei mit der UN und afghanischen Ministerien zusammen. Um das Engagement und die Kooperation in den Flüchtlingsgemeinden zu intensivieren, hat die Welthungerhilfe neue, innovative Kommunikationskanäle für ein Feedback aus den Camps eingeführt.

So können die Bewohner direkten Input geben und Kritik äußern, dabei werden ihre Vorschläge und Kommentare anonym behandelt. Zusätzlich organisierte die Welthungerhilfe zusammen mit Aschiana eine zweitägige Jirga – die traditionelle Form afghanischer Räte -, in der sich alle Gemeindevertreter der 22 Camps und weitere Akteure zusammenfanden. So wird ein gemeinsames Verständnis gefördert und Probleme zusammen mit nationalen und internationalen Beteiligten diskutiert. Jirgas geben den Vertretern der Flüchtlingsgemeinden eine Stimme und die Chance, ihre Erfahrungen und Ideen mit anderen zu teilen.

Für die Welthungerhilfe sind diese partizipativen Ansätze entscheidend, um die dringendsten Bedürfnisse dieser marginalisierten Bevölkerungsgruppe zu erfüllen und auch in Zukunft eine nachhaltige Verbesserung der Situation von internen Flüchtlinge in Afghanistan voranzubringen.

 

Euro

Letzte Änderung an dieser Seite: 17.10.2011

Engagement der Welthungerhilfe in Afghanistan

Die Welthungerhilfe ist seit 1980 in Afghanistan aktiv. Zu den Schwerpunkten zählen seit 2003 der Wiederaufbau der ländlichen und kommunalen Infrastruktur, die Ernährungssicherung, die Stärkung der Zivilgesellschaft sowie der Umwelt- und Erosionsschutz.

Weitere Informationen

Länderinformationen Afghanistan

Afghanistan - Fakten, Hintergründe und Geschichten

Fachkonzept Ländliche Entwicklung: Leitlinien für die Förderung von Projekten der Ländlichen Entwicklung

Themen-Spezial: Konflikte & Katastrophen - Der Kreislauf von Hunger und Krieg

Karte Afghanistan_235

Projektnummer:

AFG 1139

Projektort:

Kabul Stadt, Kabul Provinz

Partnerorganisationen:

Aschiana www.aschiana.com

Afghan Educational Circus for Children (AECC) www.afghanmmc.org/WHH

Projektlaufzeit:

November 2011

Schwerpunkte:

Bildung, Gesundheit, WASH

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