Alltag in Afrika jenseits des Reichengipfels

Von Marc Engelhardt

Kind in Mathara Valley, einem Slum in Nairobi, Kenia. © Herzau
Kind in Mathara Valley, einem Slum in Nairobi, Kenia.
© Herzau

Kenias pro-Kopf-Einkommen lag 2004 der Weltbank zufolge bei 480 US-Dollar im Jahr, knapp 1 Euro am Tag – Platz 171 der Weltrangliste. Doch auch in Kenia gibt es eine ständig wachsende Mittelschicht, die deutlich mehr verdient. In den Slums leben die Menschen hingegen von wenigen Euro-Cent pro Tag. 250 Slums gibt es alleine in Nairobi. Drei Viertel der vier Millionen Einwohner hocken hier eng aufeinander, ohne Wasser, ohne Abwasser, in ständiger Angst vor Räumkommandos, die die kläglichen Hütten ohne jede Vorwarnung abreißen.

 

Slumviertel Mathara valley, Nairobi, Kenia. © Herzau
Slumviertel Mathara Valley,
Nairobi, Kenia. © Herzau

Flucht in die Städte

Doch all das hält die Menschen in Afrika nicht davon ab, in die Städte zu fliehen, die so schnell wachsen wie nirgendwo sonst auf der Welt. Im Jahr 2030, so schätzt die UN-Siedlungsorganisation UN-Habitat, wird der heute noch ländlich geprägte Kontinent mehrheitlich urbanen Charakter haben. Weil die Slums ebenso schnell wachsen wie die Städte, werden fast 80 Prozent der dann 748 Millionen Stadtbewohner Afrikas in Slums leben.

 

 

Kleinbauern in Äthiopien. © Lohkamp
Kleinbauern in Äthiopien.
© Lohkamp
Degenerierende Landwirtschaft

Es sind nicht nur die Träume von Arbeitsplätzen oder Reichtum, die die Menschen in die Städte ziehen. Auch auf dem Land gibt es Probleme. Außer Kriegen und bewaffneten Konflikten, die regelmäßig Zehntausende in die vergleichsweise sicheren Städte treiben, ist der Niedergang der Landwirtschaft ein entscheidender Push-Faktor.

In Ländern wie Somalia kommt gleich alles zusammen: Außer dem Krieg zwischen Islamisten und äthiopischen Truppen macht der Klimawandel den Bewohnern das Leben schwer. Erst ließ eine der schlimmsten Dürren seit Jahrzehnten die Ernte auf den Feldern entlang des Shabelle-Flusses im Süden Somalias verdorren. Das wenige, was die Farmer vor einem Jahr retten konnten, versank in diesem Frühjahr bei schweren Überschwemmungen.

 

Klimawandel bedroht Kleinbauern

"Wenn man die Regenfälle der vergangenen 25 Jahre vergleicht, sieht man, dass Dürren und Überschwemmungen dramatisch zugenommen haben", sagt Peter Ambenje vom kenianischen Wetteramt. Der Ökologe Jesse Njoka von der Universität in Nairobi beobachtet zudem Klimaveränderungen auch jenseits der Extreme. "Beginn und Ende der Regenzeit sind inzwischen durch den Klimawandel nicht mehr vorhersagbar." Auf einem Kontinent, wo zwei Drittel der Menschen Kleinbauern sind, ist das eine Katastrophe.

 

 Bewässerungssystem in Äthiopien. © Lohkamp
Bewässerungssystem in
Äthiopien. © Lohkamp

Vom Regen abhängig

Anders als in Europa können bislang nur wenige afrikanische Bauern auf künstliche Wasserquellen zurückgreifen. Vor allem die Ärmsten sind davon abhängig, dass die Regenfälle pünktlich kommen. Doch die Industriestaaten pusten trotz Kyoto-Abkommen noch immer das Gros an Treibhausgasen in die Atmosphäre. Und ein versprochener Fonds für Entwicklungsländer, mit dessen Hilfe sie sich zumindest an die Klimafolgen anpassen sollen, kommt nicht in Gang.

(Stand: April 2007)

(Mehr zum Thema finden Sie in unserer kostenlosen Zeitung Welternährung 1/2007)

Autor

Marc Engelhardt arbeitet als freier Autor in Nairobi.

Multimedia

Spot: Deine Stimme gegen Armut

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G8-Agenda: Vorfahrt für Afrika

Weitere Informationen zum G8 Gipfel 2007

Das Grönemeyer-Konzert in Rostock: Hier sind EURE "Stimmen gegen Armut"

Welthungerhilfe: Abschlusserklärung des G8-Gipfels ist eine Mogelpackung (8. Juni 2007)

Verdient der G8-Gipfel unsere ganze Aufmerksamkeit? (April 2007)

U2-Sänger Bono Vox über über Afrika, Popstars im Kampf gegen die Armut und den G8-Gipfel in Heiligendamm

Alltag Afrika: Jenseits des Reichengipfels

"Luftnummer Entwicklungshilfe: Anstieg der Ausgaben nur auf dem Papier

Die Millenniums-Enwicklungsziele

Welthunger-Index

Hunger - das Kernthema der Welthungerhilfe

Grafiken zum Thema

Grafik: Mangelnde Energieversorgung hemmt die Entwicklung in Afrika

Grafik: Weltweit hungern über 850 Millionen Menschen

Grafik: Entwicklungshilfe - statitisch schön geredet

Die G8 (Gruppe der Acht) ist eines der wichtigsten internationalen Foren globaler Verantwortung, die sich jährlich zum so genannten Weltwirtschaftsgipfel treffen. Mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, USA, Kanada (seit 1976) und Russland (seit 1998) gehören der G8 die führenden Industrieländer an. Die G8 sind ein Forum der Staats- und Regierungschefs, deren Zusammenkünfte informellen Charakter haben, um in "entspannter Runde" globale Themen und Probleme zu beraten.

Weitere Informationen zu Kenia

Länderinformation Kenia

Karte von Kenia 235 Px

Die Welthungerhilfe in Kenia

Die Welthungerhilfe unterstützt bereits seit mehr als 30 Jahren kenianische Partnerorganisationen bei der Durchführung von Projekten, seit 1993 ist die deutsche Hilfsorganisation mit einer eigenen Struktur in Kenia präsent. Derzeit sind neun internationale (darunter acht Deutsche) und rund 100 kenianische Mitarbeiter in 11 Projekten tätig. Die aktuellen Vorhaben haben ein Gesamtvolumen von ca. 8,5 Millionen Euro.

Videos

Wasserhelden von Kenia - Die Massai kämpfen für eine bessere Zukunft

Markus Lanz, TV-Moderator und Unterstützer der Welthungerhilfe, berichtet bei "Starvisit" über seinen Projektbesuch im September 2009 mit der Welthungerhilfe in Kenia.

TV-Moderator Markus Lanz besuchte im September 2009 ein Projekt der Welthungerhilfe in Kenia. "Eine Reise nach Afrika ist auch immer ein Lehrstück für Machos wie unsereins", bekennt Lanz schmunzelnd.

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ISTAF 2008 brachte 12.325 Euro für elternlose Kinder in Kenia (Juni 2008)

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Jenseits des Reichengipfels: Alltag in Kenia und anderen Staaten Afrikas (April 2007)

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