Wie in Sodo gegen den Hunger gekämpft wird

Von Dr. Iris Schöninger und Ann Kathrin Sost

Wohnhütten in Sodo. © Boettner
Wohnhütten im Millenniumsdorf Sodo. © Boettner

Knapp 100 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Addis Abeba liegt Sodo. Über 2.000 Menschen leben in meist runden, grasbedeckten Häusern, den Tukuls. Die meisten Dorfbewohner ernähren sich von der Landwirtschaft. Einige versuchen sich im Kleinhandel. Das Leben als Subsistenzbauer in Sodo ist hart: Die meisten besitzen kleine, weit auseinander liegende Felder, die während der Regenzeit nicht immer erreichbar sind. In der Region sind alle Bäume abgeholzt. Dürre und starker Regen verschärfen die Erosion. Mangels Feuerholz werden Dung und Getreidereste als Brennmaterial statt als Dünger benutzt.

 

Zahlen und Daten, die verbessert werden müssen

Einer Person in Sodo stehen im Jahr etwa rund 96 US-Dollar zur Verfügung. 97 Prozent der Einwohner müssen täglich mit weniger als einem US-Dollar auskommen. Äthiopien liegt auf Rang 114 von insgesamt 118 Ländern laut Welthungerindex, auch wenn das Land sich seit 2006 um drei Punkte verbessert hat. Die Kindersterblichkeit und das Untergewicht von Kindern sind stark gesunken, zudem steigt die Zahl der Alphabeten.

 

Der Hunger gehört zum Alltag
Wasser aus dem Fluss ist häufig mit Krankheitserregern behaftet.© Boettner
Wasser aus dem Fluss ist
häufig mit Krankheitserregern
behaftet. © Boettner

Im Durchschnitt essen Männer und Frauen hier kaum mehr als zwei Mahlzeiten am Tag. Bei Kindern unter fünf Jahren sind ein Fünftel der Jungen und ein Viertel der Mädchen untergewichtig. Vitamine und Mineralien fehlen im Essen. Gärten mit Kohl, Zwiebeln, Knoblauch und Chili sorgen für ein wenig Abwechslung, sind aber viel zu klein. Fleisch gibt es nur zu Festen. Der nächste Markt ist zwölf Kilometer entfernt und Obst und Gemüse dort sind nicht erschwinglich.

Sauberes Trinkwasser ist ein großes Problem. Bisher hat Sodo noch zu wenig Brunnen, doch weitere sind im Bau. Noch holen viele ihr Wasser aus Flüssen, Krankheiten sind deshalb weit verbreitet. 

 

To do´s für die Welthungerhilfe in Sodo

Mithilfe von Interviews mit den Dorfbewohnern konnte die Welthungerhilfe eine Prioritätenliste bis zum Jahr 2010.

- Die Subsistenzlandwirtschaft ist nicht ergiebig genug, um angemessen davon leben zu können. Die Einwohner Sodos wollen sich deshalb weitere Einkommensquellen erschließen, ihre Anbaumethoden verbessern und die Überschüsse vermarkten.

- Um die Hungerperioden vieler Familien während des Jahres zu vermeiden, wollen die Bewohner Zugang zu Krediten und Düngemitteln haben.

- Besser ausgestattete Gesundheitsposten sollen den Lebensstandard erhöhen.

- Mit sauberem Trinkwasser, besserer Gesundheitsfürsorge und Familienplanung sinkt die Kindersterblichkeit. 

 

Auf die Frage, welche äußeren Einflüsse für die weitere Dorfentwicklung wichtig sind, kamen folgende Impulse:

- die Menschen in Sodo setzen auf eine gute Regierungsführung,

- eine funktionsfähige landwirtschaftliche Genossenschaften und

- verbesserte Kommunikationsmöglichkeiten im ganzen Land.

 

Stolz auf die ergiebige Ernte. © Boettner
Stolz auf die ergiebige Ernte
. © Boettner

Planungen, an denen alle mitwirken

In Sodo pflanzen die Menschen Baumsetzlinge, um die Erosion zu stoppen. Eine Baumschule für Obst und Futterpflanzen ist in Planung. Statt Teff wird vermehrt das widerstandsfähige Weizen-Roggen-Hybrid Triticale angepflanzt. Neue, bessere Sorten von Kichererbsen warten auf die nächste Aussaat. Auch der regenunabhängigere Anbau von Maniok und Süßkartoffeln soll ausgeweitet werden.

Gut zwei Dutzend Bauern werden außerdem zu Imkern ausgebildet und haben von der Welthungerhilfe Bienenstöcke erhalten. Der Aufbau von Saatgutbanken soll verhindern, dass Bauern künftig ihre Samen in Notsituationen aufbrauchen. Derzeit organisieren sich gerade je zehn Mitglieder in 20 Gruppen zum Aufbau eines Komitees. Langfristig sollen sie die Ernte von den Bauern aufkaufen, in Getreidesilos lagern und bei attraktiven Marktpreisen verkaufen.

 

Gegen Mangelernährung und Malaria

Um Mangelernährung zu bekämpfen, informieren Mitarbeiter der Partnerorganisation (Community Development Service) die Frauen, wie sie ihre Familien ausgewogen ernähren können. Malaria stellt gerade für Kinder ein Problem dar. Nach einer von der Weltgesundheitsorganisation finanzierten Maßnahme haben 92 Prozent der Kinder in Sodo ein mit Insektiziden behandeltes Moskitonetz. Zudem hat die Welthungerhilfe den Anbau von Artemisia eingeführt: Aus den Pflanzenblättern gekochter Tee lindert die Beschwerden von Malaria.

Letzte Änderung an dieser Seite: 28.10.2007
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Autorinnen

Ann Kathrin Sost ist Journalistin mit Schwerpunkt Entwicklungspolitik.
Dr. Iris Schöninger ist Koordinatorin für Entwicklungspolitik und Kampagnen bei der  Welthungerhilfe

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