Deutschland: Platz zwei beim Agrarimport

Grafik: Agrahandel mit Entwicklungsländern
Deutschland gehört zu den wichtigsten Agrarhandelsländern. Fast sieben Prozent der weltweit gehandelten Agrargüter werden nach Deutschland geliefert. Damit steht die Bundesrepublik an zweiter Stelle der Importländer. Rund sechs Prozent aller exportiertierten Landwirtschaftsgüter stammen aus Deutschland, das bedeutet weltweit Rang vier. Insgesamt führt Deutschland Agrar- und Ernährungsgüter für über 41 Milliarden Euro ein. Dem stehen Exporte für gut 31 Milliarden gegenüber. Über zwei Drittel des deutschen Agrarhandels spielt sich innerhalb der Europäischen Union ab. Der Rest wird zum größten Teil mit Entwicklungsländern abgewickelt.
Produkte aus dem Süden
Dabei führt Deutschland traditionell sehr viel mehr Agrarprodukte aus dem Süden ein als es seinerseits dorthin liefert. Deutsche Kunden kaufen jährlich für rund neun Milliarden Euro Agrarprodukte aus den Entwicklungsländern – vor allem Kaffee, Ölsaaten sowie Südfrüchte und anderes Obst. Dazu kommen Fruchtsäfte und Gemüse- und Obstkonserven. Umgekehrt werden nur für rund zwei Milliarden Euro landwirtschaftliche Güter in die Entwicklungsländer verkauft. Hier spielen Milchprodukte, Tabakwaren und – noch immer – Zucker die wichtigste Rolle.
Strenge Beschränkungen
Betrachtet man die Einfuhren genauer, so fällt auf, dass vor allem Waren importiert werden, die es in Deutschland nicht oder nicht ausreichend gibt – z.B. weil in unserem Klima kein Kaffee wächst. Andere Produkte, wie Erdbeeren, Tomaten oder Zucker unterliegen dagegen strengen Beschränkungen. Wie alle Industrieländer schützt auch Deutschland die einheimischen Bauern vor billiger Konkurrenz aus den Entwicklungsländern. Das geschieht durch Mengenbegrenzungen, aber auch durch andere Maßnahmen wie zum Beispiel sehr komplizierte Qualitätsnormen.
Veredelung kostet Zoll
Dazu kommt, dass viele Agrarprodukte aus den Entwicklungsländern nur als Rohwaren willkommen sind. Deshalb wird z.B. roher Kakao zollfrei ins Land gelassen. Versucht aber ein Produzent etwa in Westafrika seinen Kakao selbst zu Schokolade zu verarbeiten und diese dann zu exportieren, dann stößt er auf hohe Einfuhrzölle. Dasselbe gilt auch, wenn ein Kaffee-Anbieter die Bohnen schon im eigenen Land rösten oder gar zum vakuumverpacktem Instantkaffee verarbeiten will. Auch auf Erdnüsse wird Zoll fällig, wenn sie verzehrfertig geschält, gesalzen und verpackt sind. Die Reihe der Beispiele lässt sich fast endlos fortsetzen.
Drängen auf Marktöffnung
Umgekehrt drängen die Industrieländer darauf, dass die Entwicklungsländer ihre Märkte weiter öffnen – auch für Agrarprodukte aus dem Norden. Fleisch und Milchprodukte, aber auch Zucker, ja sogar Baumwolle u.ä. werden in den USA und der EU hoch subventioniert. Dementsprechend können solche Waren billig auf den Weltmarkt geworfen werden – oft weit unter den Produktionskosten. Das Nachsehen haben dann die Bauern in armen Ländern, die von ihrer Regierung keine Beihilfen bekommen und deshalb teurer anbieten müssen.
(Karl-Albrecht Immel; Stand: Jan/Feb. 2006)
