Hilfsprojekt in Angola: Ernährungssicherheit durch neuen Impfstoff für Haushühner in Benguela und Huambo sichern

Junge mit Huhn. Auf dem Land besitzen sogar die
ärmsten Familien durchschnittlich acht Hühner.
© WHHMehr als 27 Jahre litten die Menschen in Angola unter einem grausamen Bürgerkrieg. Seit dem Friedensabkommen von 2002 herrscht in dem südwestafrikanischen Land zwar eine relative politische Stabilität und die Wirtschaftsleistung steigt jedes Jahr kontinuierlich an. Doch Angola ist nach wie vor eines der ärmsten Länder der Welt. Im Human Development Index der UN (2007/2008) belegt es Rang 162 von 177 untersuchten Staaten. 68 Prozent der Bevölkerung lebt nach OECD-Schätzungen (2005) unter der Armutsgrenze und auf dem Land gelten sogar 94 Prozent als arm.
Hühnerhaltung als Ausweg aus Hunger und Armut
In den westlichen Provinzen Benguela und Huambo lebt ein großer Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Die Böden sind zwar prinzipiell fruchtbar, doch die Ernten fallen trotzdem niedrig aus. Gründe dafür sind der Mangel an technischen Gerätschaften. Fast alle Arbeiten müssen mit den bloßen Händen erledigt werden. Die Bevölkerung weiß kaum etwas über Anbaumethoden, die an die ländlichen Gegebenheiten angepasst sind. Einen Ausweg aus der Misere könnte die Hühnerhaltung bieten. Denn Hühnerzucht gibt es in praktisch allen Haushalten, selbst in den Ärmsten. Und das Geflügel stellt für die Bevölkerung Angolas die Hauptquelle tierischer Proteine dar. Die Kleinbauern sowie die angolanische Regierung sind sich der besonderen Rolle dieser Tiere für die Ernährungssicherung sehr bewusst. Doch durch die stark verbreitete Geflügelseuche, die sogenannte Newcastle-Krankheit, sterben jährlich etwa 70 bis 80 Prozent des gesamten Bestandes innerhalb weniger Tage. Eine Heilung der Krankheit ist unmöglich.

Impfkampagne der
Welthungerhilfe. © WHHWelthungerhilfe bekämpft die "Hühnergrippe"
Die Bekämpfung dieser außerordentlich ansteckenden Viruserrankung hat sich die Welthungerhilfe nun zur Aufgabe gemacht: Ziel des Projekts ist es, das Auftreten der Krankheit in insgesamt 300 Gemeinden deutlich zu verringern. Das zentrale Mittel dazu sind Impfungen. Mit einem wärmeresistenten, leicht handhabbaren Impfstoff sollen auch Laien in die Lage versetzt werden, die Vorsorgebehandlung bei den Hühnern selbst durchzuführen.
Zunächst wurden zehn mobile Impfteams mit 20 Veterinärtechnikern ausgebildet. Im ersten Jahr wurden sie in Trainings darauf vorbereitet, Impf- und Informationskampagnen durchzuführen. Zusätzlich erhalten sie eine Weiterbildung über Hühnerhaltung und Hühnerkrankheiten. Die Teams bilden anschließend ihrerseits 900 Personen aus 300 Dörfern zu PromotorInnen der Impfkampagnen aus.
Die PromotorInnen werden von den Dorfgemeinschaften selbst ausgewählt, wobei zwei Drittel von ihnen Frauen sein sollen. Zu ihren Aufgaben zählt es, in den Dörfern über die Geflügelepidemie zu informieren und gemeinsam mit den mobilen Impfteams alle drei bis sechs Monate Impfungen an den Hühnern durchzuführen. Um den Kleinbauern diese Vorsorgebehandlung schmackhaft zu machen, können sie ihren gesamten Hühnerbestand zweimal kostenlos impfen. Ab der dritten Impfung entrichten sie eine symbolischen Beitrag von zwei Eurocent pro Tier. Überlebt das Geflügel, erhöht sich das jährliche Familieneinkommen um durchschnittlich 500 US-Dollar - und das bei einem Einsatz von etwa drei Euro für die Impfung des gesamten Hühnerbestands.
Aus der Gruppe der PromotorInnen sollen wiederum 300 Frauen ausgewählt werden, die eine zweite Weiterbildung zu Veterinärassistentinnen erhalten. Sie dienen als Ansprechpartnerinnen und Informantinnen für staatliche Stellen, um Geflügelepidemien frühzeitig zu erkennen. Außerdem fungieren sie auf lokaler Ebene als Modellbäuerinnen, die über artgerechte Hühnerhaltung, Tierhygiene und die Vermarktung der Produkte Bescheid wissen.

Ein Junge mit einer Ente.
© WHHDurch Öffentlichkeitsarbeit soll Breitenwirkung erzielt werden
Mit den Impfungen will die Welthungerhilfe insgesamt 7.500 Familien erreichen. Durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit im Fernsehen, Radio, in der Presse und durch Broschüren sollen die Aktivitäten der Welthungerhilfe weit über die Projektgrenzen hinaus publik gemacht werden. Indirekt profitieren jedoch weit mehr Menschen, zum Beispiel durch die Stärkung der lokalen Märkte und einer verbesserten Grundversorgung mit Proteinen.
Einbindung staatlicher Institutionen wichtig für Erfolg der Maßnahme
Für eine erfolgreiche Bekämpfung der Viruserkrankung ist auch eine Einbindung staatlicher Institutionen von großer Bedeutung. Denn sie entscheiden über die nationale Impfstoffproduktion, das Monitoring von Tierkrankheiten und Gesetze zur Bekämpfung der Krankheit. Die Welthungerhilfe fördert deshalb einen regelmäßigen Dialog mit StaatsvertreterInnen auf der Kreis-, Provinzebene und ministerialen Planungsebene. Thema ist die Bedeutung der Hühnerhaltung und der Epidemie sowohl für die Kleinbauern als auch für die Volkswirtschaft. Langfristig trägt die Welthungerhilfe dazu bei, eine ökonomisch und sozial verträgliche Strategie zur Bekämpfung der Newcastle-Krankheit zu entwickeln.
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Euro
Welthunger-Index 2009: Angola
Mehr zum Welthunger-Index 2009
Weitere Informationen
Millenniumsdorf Mangue in Angola
Themen-Spezial: Konflikte & Katastrophen - Der Kreislauf von Hunger und Krieg

Projektnummer
AGO 1038-06
Projektort
- Provinzen Benguela und Huambo
Projektlaufzeit
01.01.2007 bis 31.05.2010
Projektpartner
ADRA I
Schwerpunkt
- Tierhaltung
- Ernährungssicherung
- Weiterbildung
- Frauenförderung
Finanzierung
- Europäsische Union
- ADRA
