Die Zahl der Armen sinkt nur in Asien deutlich


Grafik: Armut in den Entwicklungsländern

Weltweit leben rund 2,6 Milliarden Menschen von weniger als zwei Dollar am Tag, etwa eine Milliarde von ihnen hat sogar weniger als einen Dollar pro Tag.  Besonders gravierend ist die Armut in Südasien und in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Dort haben drei Viertel der Menschen weniger als zwei Dollar täglich zur Verfügung.

Die Vereinten Nationen (UN) haben sich im Rahmen der sog. "Millenniumsziele" vorgenommen, die Zahl der extrem Armen zwischen 1990 und 2015 zu halbieren. Als "extrem arm" gilt, wer weniger als einen Dollar am Tag hat. In weiten Teilen Asiens ist das Ziel schon vorzeitig erreicht; Lateinamerika und Südasien werden das ehrgeizige UN-Ziel verfehlen, in Südasien und in Afrika hat die Armut sogar zugenommen.

Bildung wirkt

Dagegen hat sich die Zahl der Menschen, die weniger als zwei Dollar am Tag haben, in den vergangenen Jahren kaum verändert – außer in China und einigen Ländern Südostasiens. Dafür ist nicht nur das anhaltende Wirtschaftswachstum in diesen Ländern verantwortlich. Experten halten die hohen Investitionen in das Bildungs- und Gesundheitswesen für genauso wichtig.

 

Kluft wird breiter

Weltweit hat sich allerdings die Umverteilung der Reichtümer zugunsten der Wohlhabenden weiter fortgesetzt. Die Kluft zwischen dem ärmsten und dem reichsten Fünftel der Weltbevölkerung wird immer breiter. Und geradezu dramatisch liest sich der aktuelle "Weltreichtumsbericht" des amerikanischen Bankhauses Merrill&Lynch: Danach gibt es derzeit knapp neun Millionen Millionäre. Sie verfügen über Vermögen und Jahreseinkommen von über 33 Billionen Dollar.

Zum Vergleich: Das Jahreseinkommen jener 2,6 Milliarden Menschen mit weniger als zwei Dollar am Tag summiert sich auf weniger als 1,4 Billionen. Anders ausgedrückt: Die reichsten neun Millionen Menschen haben zusammen fast 25 mal soviel Geld wie die ärmsten 2,6 Milliarden.

 

Mehr Millionäre, mehr Arme

Mit der ungleichen Verteilung materieller Güter wächst auch der politische Einfluss der Wohlhabenden. Reichtum will gewinnbringend angelegt sein. Dafür müssen möglichst grenzenlose Finanztransfers sichergestellt werden. Schon werden die globalen Geschäfte von Fondsgesellschaften und anderen Finanzunternehmen kaum noch durch nationale oder internationale Verpflichtungen eingeschränkt – die intensive Lobby-Arbeit auf allen politischen Ebenen "zahlt sich im wahrsten Sinn des Wortes aus.

Die Zahl der Millionäre hat sich binnen zehn Jahren verdoppelt, ihr Vermögen ebenfalls – nur die Zahl der Menschen mit weniger als zwei Dollar am Tag hat sich kaum verändert. 

(Karl-Albrecht Immel; Stand: Juli/August 2006)


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