Baumwolle - Subventionen bedrohen Entwicklungsländer
Von Alexandra Burmann

Frauen in Mali spinnen Baumwolle. © Kaufhold
Die Baumwolle, vorwiegend von Kleinbauern angebaut, spielt eine Schlüsselrolle bei der Armutsbekämpfung.
Doch die Preise für Baumwolle wurden in den letzten Jahren immer schlechter.
Hauptursache sind milliardenschwere Subventionen in den Industrieländern.

Baumwoll-Ernte.
© Grossmann"Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."
Dieses afrikanische Sprichwort appelliert an die Geduld. Und die Früchte der Geduld sind bekanntlich süß.
Fragt man allerdings einen Baumwollbauern in Burkina Faso nach seiner Hoffnung auf bessere Preise für seine Baumwolle, dann wird er vermutlich schwer seufzen. Denn eine Besserung ist nicht in Sicht.
Hohe Bedeutung in Burkina Faso
In Burkina Faso und weiteren west- und zentralafrikanischen Ländern leben zehn bis 15 Millionen Menschen vom Baumwollanbau. Der Anbau des "weißen Goldes“, wie die Sahelbewohner ihr wichtigstes Exportprodukt nennen, hat in dieser Region eine lange Geschichte. Die Baumwolle, vorwiegend von Kleinbauern angebaut, spielt eine Schlüsselrolle bei der Armutsbekämpfung.
Dumping durch Industriestaaten
Hauptursache für den Preiseinbruch sind milliardenschwere Subventionen in den Industrieländern. Der Verfall der Weltmarktpreise stürzte die Bauern im Sahel, die kostengünstigsten Produzenten weltweit, in eine schwere Krise. Sie konnten die Produktionskosten nicht mehr decken und ihre Kredite für Saatgut und Düngemittel nicht zurückzahlen. Geld für Schule, Kleidung und Nahrungsmittel mussten sie sich bei Verwandten leihen. Um produzieren zu können, wurden Tiere oder Land verkauft, was die zukünftige Prouktion erschwert und die Bauern für Jahre zurückwirft. Andere zogen mit der Hoffnung auf Arbeit in die Städte.

Baumwolle © WHHWeltmarkt contra Armutsbekämpfung
Nicht nur die Bauern leiden, sondern die ganze Gesellschaft. In Burkina Faso kommen normalerweise 60 Prozent der Exporteinnahmen aus dem Baumwollanbau. Laut Berechnungen der Weltbank müssen die west- und zentralafrikanischen Regierungen allein durch die US-Subventionen Mindereinnahmen von mindestens 250 Millionen US-Dollar jährlich hinnehmen.
Afrikanische Staaten protestieren
Um gegen die Ungerechtigkeiten im Weltbaumwollgeschäft anzugehen, starteten die Staatschefs von Benin, Burkina Faso, Mali und Tschad im Juni 2003 eine gemeinsame Initiative bei der Welthandelsorganisation (WTO). Die zu den ärmsten Ländern der Welt gehörenden Staaten forderten einen vollständigen Abbau aller Baumwollsubventionen sowie für eine Übergangszeit Entschädigungszahlungen für die erlittenen Verluste.
Europa: Subventionen für die teuersten Bauern
Der europäische Baumwollanbau in Griechenland und Spanien ist der teuerste weltweit. Allein 2001 wurde er mit 716 Millionen US-Dollar unterstützt, das sind 1,38 Dollar pro Kilo Baumwolle – dies übersteigt den Wert der Baumwolle bei weitem. Zwar soll die EU-Baumwollpolitik reformiert werden. Die Zuschüsse allerdings sollen nicht gekürzt werden. Ohne diese Zahlungen – gemessen am Produktionswert sieben bis acht Mal höher als die Subventionen für Getreide – würde in Griechenland und Spanien keine Baumwolle mehr angebaut.
Keine Besserung in Sicht
Zwar hat sich die Lage auf den Weltmärkten für Baumwolle leicht entspannt. Doch werden die Preise insgesamt auf niedrigem Niveau bleiben, solange die bisherige Subventionspolitik fortgesetzt wird. Ob eine Verringerung der Subventionen dann auch wirklich zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen in den ländlichen Regionen der Anbauländer führt, steht auf einem anderen Blatt. Aber sie wäre eine Voraussetzung dafür.
(Stand: September 2003)
Die Autorin
Alexandra Burmann ist Mitarbeiterin der Welthungerhilfe.
