Große Armut in Peru


Katja Ebstein lässt sich traditionelle Webmethoden in
Peru erklären. © Michael von Lingen

Rund die Hälfte der 27 Millionen Peruaner und somit 54 Prozent leben am Rande des Existenzminimums, nahezu 20 Prozent in absoluter Armut. Die Welthungerhilfe arbeitet seit über dreißig Jahren mit peruanischen Partnern, die die Nöte und Möglichkeiten der armen Bevölkerung kennen und miterleben. Grundsätzliches Ziel dabei ist, das Selbsthilfepotenzial der Armen zu stärken: durch Organisationsförderung, Beratung und Ausbildung, Umweltsicherung, Schaffung von Infrastruktur und Vergabe von Krediten.


Ackerbau in Peru.
Das Department Ayacucho befindet sich in der südlichen Andenregion Perus. Hier leben rund 518.000 Menschen auf einer Fläche von 43.815 Quadratkilometer. Wichtigste Einkommensquellen der Bevölkerung sind der Anbau von Kartoffeln, Weizen und Gerste sowie die Rinderhaltung und kunsthandwerkliche Tätigkeiten. Das Bildungsniveau ist gering. Die Analphabetenrate der Bevölkerung liegt mit 24,2 Prozent weit über dem Landesdurchschnitt von 9,3 Prozent.

Die Jahre 1983 bis 1993 waren geprägt von blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Guerillabewegung "Leuchtender Pfad" und dem peruanischen Militär. In Ayacucho wurden in dieser Zeit 162.300 Menschen vertrieben und Zehntausende getötet. Die Mehrzahl der Wohnhäuser wurde zerstört oder beschädigt. Die Distrikte Chuschi und Totos waren besonders betroffen. Über 90 Prozent der Haushalte hier werden als arm eingestuft. Nach 1992 begann der Friedensprozess, der über einen langen Zeitraum vom peruanischen Staat kaum unterstützt wurde. So wurde bis heute kein wirksames Rücksiedlungs- bzw. Förderprogramm zum Wiederaufbau der zerstörten kleinbäuerlichen Infrastruktur erstellt. 

 


Slum in Peru.

Im Rahmen des Projektvorhabens der Welthungerhilfe werden für 400 Familien, die besonders von den Vertreibungen und Hauszerstörungen betroffen sind, neue Wohnhäuser errichtet. Dabei werden keine wertvollen Ackerflächen bebaut. Für 295 weitere Familien wird der derzeitige Wohnraum instand gesetzt, vor allem im Sanitärbereich. Bei der Auswahl finden neben sehr bedürftigen Familien und alleinerziehenden Müttern auch Witwen und Waisen mit ihren Angehörigen besondere Berücksichtigung. Die Häuser sollen wetterfest und erdbebenresistent sowie vor Erdrutschen geschützt sein und werden mit vor Ort vorhandenen Materialien in traditioneller Lehmziegelbauweise errichtet.

 


Junge Peruanerin.

Die Familien helfen beim Bau und der Instandsetzung ihrer Häuser mit und stellen die verwendeten Lehmziegel selbst her. Für ihre Arbeitsleistung erhalten sie Nahrungsmittel, um die derzeitige Ernährungsnotlage überbrücken zu können. Eine Familie erhält pro Arbeitstag 1,5 Kilogramm Getreide (Weizen, Quinua), 200 Gramm Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen), Speiseöl und etwas Thunfisch.

Neben der Schaffung menschenwürdigen Wohnraumes und der Ernährungssicherung leistet die Welthungerhilfe gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation ABA einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der traditionell im Andenraum stark verwurzelten Organisationsstrukturen auf Gemeindeebene, die durch die Jahre der Gewalt und Vertreibung gelitten haben. 


Peruanische Mutter mit
kleinem Kind.

Besonders die Frauen, die eng in Organisation und Planung einbezogen werden und eine wesentliche Rolle in den eigens gegründeten Verteilungskomitees spielen, profitieren von den besseren Wohn- und Hygienebedingungen. Dadurch verbessern sich auch Gesundheitszustand und Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder. Die Zukunft soll wieder ein Dach über dem Kopf haben.

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