Internationaler Tag gegen Kinderarbeit 2008: Bildung für die ländliche Bevölkerung verringert Armut - und damit die Kinderarbeit

Ein kleines Mädchen aus Liberia trägt
gesammeltes Brennholz in ihr Dorf. © FrankDerzeit hungern mehr als 800 Millionen Menschen, das sind rund 16 Prozent der Weltbevölkerung. Weltweit gibt es rund 780 Millionen Analphabeten. Diese Armut, besser: Bildungsarmut, und eine damit einhergehende Anfälligkeit für Hunger konzentrieren sich in ländlichen Regionen bei Landarbeitern, Landlosen und Kleinbauern - also bei den ärmsten und für externe Einflüsse verwundbarsten Gesellschaftsgruppen. Dies ist die Zielgruppe der Welthungerhilfe. Bezeichnend ist, dass die meisten – 132 Millionen - der weltweit mehr als 218 Millionen Kinderarbeiter in der Landwirtschaft tätig sind. Bezeichnend ist auch, dass mehr als 80 Prozent der Kinder, die nicht zur Schule gehen, in ländlichen Regionen leben.
Kinderarbeit in der Nahrungsmittelindustrie
Diese Kinder spielen eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Nahrungsmitteln, die das Überleben der eigenen Familien irgendwie sichern helfen. Aber auch von Rohstoffen, die für den Export bestimmt sind, wie zum Beispiel Baumwolle, Kakao, Tee und Kaffee. Hiervon leben unsere Märkte und hiervon profitieren auch wir als Konsumenten. Allein in Afrika arbeiten zwischen 56 und 72 Millionen Kinder in der Landwirtschaft. Sie bestellen Felder, sprühen Insektizide, helfen bei der Ernte und bedienen Maschinen.
Einhaltung der Dakar-Ziele
Die Weltgemeinschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Hungernden bis 2015 um die Hälfte zu reduzieren. Will sie dieses Millenniumsziel einhalten, muss sie in ihren Partnerländern vor allem die Entwicklung der ländlichen Gebiete fördern. Denn Armut und Bildung stehen im unmittelbaren Zusammenhang. Bildung für die ländliche Bevölkerung ist der wesentliche Schlüssel für den Zugang zu Nahrungsmitteln und deren Kontrolle – und ein Weg aus der Armut.

Die Lehrerin Anduradha war
früher selbst eine Kinder-
arbeiterin. Heute unterrichtet
sie in einer Schule.
© Lachenmaier
Mädchen und Frauen noch mehr fördern
In diesem Zusammenhang spielen Mädchen und Frauen eine tragende Rolle. Durch Bildung können sie einen direkten Beitrag zur besseren Gesundheit, zur Produktionssteigerung, mehr Verteilungsgerechtigkeit, Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen und Demokratisierung leisten. Und damit wesentlich zur Armutsreduzierung beitragen.
Am Beispiel Südostasien zeigt sich, dass die Schere zwischen arm und reich immer geringer wird, je besser das Bildungssystem für beide Geschlechter zur Verfügung steht.
Dazu einige Fakten:
- Das Ausmaß von Unterernährung nimmt proportional mit der Fähigkeit ab, lesen und schreiben zu können
- Das durchschnittliche Einkommen von jungen Frauen in armen Ländern wächst mit jedem zusätzlich absolvierten Schuljahr um 10 bis 20 Prozent.
- Angaben aus Südasien und Afrika südlich der Sahara belegen, dass eine abgeschlossene Grundbildung die Produktivität von Kleinbauern um 8 Prozent erhöht.
- Bildung ist der beste soziale Impfstoff gegen HIV&AIDS: Pro Jahr könnten 700.000 HIV-Neuinfektionen verhindert werden, wenn alle Kinder eine Grundschulbildung erhielten.
- Kinder von Müttern, die lesen und schreiben können, haben eine um 50 prozentige höhere Chance, älter als fünf Jahre zu werden, als Kinder, deren Mütter Analphabetinnen sind.

Schülerpaar in Mozambik.
© Kropke
"Bildung für alle!"
Die Regierungen der Entwicklungsländer und die internationale Geber-Gemeinschaft Gemeinschaft müssen alles daran setzen, die im Jahr 2000 in Dakar formulierten Ziele "Bildung für Alle" umzusetzen: Bildungszugänge für arme und marginalisierte Kinder schaffen und non-formale Bildungsangebote für Jugendliche verbessern.
Das Menschenrecht auf Bildung für alle Kinder muss sichergestellt werden. Dazu müssen Programme zur Förderung von Grundbildung gezielte Strategien beinhalten, um arbeitende Kinder in formale Tagesschulen zu integrieren. Eine bewährte Strategie sind sogenannte "Brückenschulen", die Kinder für den regulären Unterricht in staatlichen Schulen vorbereiten.
Kinder sind unsere Zukunft – ganz besonders gilt das in Entwicklungsländern. Dort sind oft 50 bis 70 Prozent der Gesamtbevölkerung unter 25 Jahre alt. Kinder und Jugendliche sind die Hoffnungsträger dieser Länder. Von ihnen wird es abhängen, ob der dringend nötige soziale und politische Wandel in ihren Gesellschaften gelingt.
Kontakt
Antje Paulsen
Leiterin der Kampagne "Stopp Kinderarbeit!"
Tel.: 0228/2288-205
antje.paulsen@welthungerhilfe.de
Macht mit - bereitet ein "kinderarbeitsfreies Frühstück"
Rund 70 Prozent der weltweit mehr als 218 Millionen arbeitenden Kinder sind in der Landwirtschaft der Entwicklungsländer beschäftigt – und können somit nicht zur Schule gehen.
Helft uns, diese Zustände zu ändern und werdet aktiv.
Organisiert ein leckeres, kinderarbeitsfreies Frühstück aus saisonalen, regionalen und fair gehandelten Produkten für Eure Familie, Freunde, Klasse, für die ganze Schule. Informiert Euch über das Thema Kinderarbeit, redet und schreibt darüber, stellt Eure Frühstücks-Aktionen ins Netz und gewinnt Nachahmer.
Hier erfahrt Ihr mehr.
Helfen Sie uns, die Kinderarbeit zu besiegen. Spenden Sie online!
Mehr zum Thema "Grüne Mode"
Downloads zum Thema "Stopp Kinderarbeit"
In jedes Kind investieren - Eine ökonomische Studie über die Kosten und den Nutzen der Beseitigung von Kinderarbeit.
pdf-Download (177 kb)
UNICEF Bericht "Fortschritt für Kinder" untersucht Schulbesuch von Kindern in 180 Ländern.
pdf-Download (793 kb)
Bericht über das Engagement reicher Staaten für universale Grundbildung bis 2015.
pdf-Download (624 kb)
Child labour in hybrid cottonseed production in Andhra Pradesh
Studie (2004)
Weitere Informationen
Stopp Kinderabeit:
Warum die Kampagne so wichtig ist.
Gemeinsam gegen Kinderarbeit
Workshop in Brüssel
Dokumentation "Lernen hilft Leben": Schulaktionen in München 2006
