Vertrieben im eigenen Land: Über 13 Millionen Binnenflüchtlinge allein in Afrika


Grafik: Vertrieben im eigenen Land.

Weltweit sind rund 35 bis 40 Millionen Menschen auf der Flucht. Viele haben ihr Heimatland verlassen und Zuflucht in anderen Staaten gefunden – oft in großen Lagern unter sehr schwierigen Lebensbedingungen. Andere haben im Ausland Asyl beantragt und werden geduldet. Manche erhalten sogar eine zeitlich unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung. Doch die meisten Flüchtlinge haben nie eine Grenze überquert. Sie suchen Schutz in fremden Regionen des eigenen Landes. Nur wenige von ihnen werden vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UN) betreut. Die Zahl dieser sogenannten Binnenflüchtlinge wird auf 26 Millionen geschätzt. Rund die Hälfte von ihnen lebt in Afrika. 

Traumatische Erlebnisse

Sie sind vor Bürgerkriegen geflohen, haben oft traumatische Erfahrungen durch Menschenrechtsverletzungen gemacht oder haben durch Naturkatastrophen ihre Heimat verloren. Sie sind auf die Hilfe der Regierung ihres Landes oder örtlicher Behörden angewiesen. UNHCR, UNICEF und das Welternährungsprogramm (WFP) versuchen zu helfen, doch keine UN-Behörde hat ein formales Mandat zur Betreuung von Binnenflüchtlingen. Umso mehr brauchen diese Menschen die Hilfe von Nichtregierungsorganisationen (NRO) .

 

Massen von Flüchtlingen

Allein im Sudan und in der Demokratischen Republik Kongo haben insgesamt über acht Millionen Menschen ihre Heimat verlassen und müssen täglich um Nahrung und Wasser kämpfen, mit Übergriffen von Soldaten und Rebellen rechnen. Rund 70 Prozent dieser Vertriebenen sind Frauen und Kinder. Viele von ihnen leben in Dörfern oder Flüchtlingslagern, die von Hilfslieferungen internationaler Organisationen erreicht werden. Schätzungen zufolge muss die Mehrheit sich jedoch ohne Hilfe durchschlagen – immer auf der Suche nach Nahrung, nach einem Schlafplatz, oft auf der Flucht vor marodierenden Kämpfern verschiedener Rebellengruppen oder auch regulärer Regierungssoldaten.

Auch in ehemaligen Bürgerkriegsländern wie Angola oder Äthiopien haben viele Menschen vorerst keine Chance, in ihre Dörfer zurück zu kehren. Oft sind die Häuser zerstört, die Felder durch Minen verseucht, jede Infrastruktur zusammen gebrochen. Maßnahmen zum Wiederaufbau konzentrieren sich meist auf die großen Städte, nur selten kommt staatliche Hilfe auch in ländliche Regionen.

 

(Karl-Albrecht Immel; Stand: Jan/Feb. 2006)

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