Immer mehr Getreide wird zu Biokraftstoff verarbeitet

Grafik: Sprit aus Getreide - der Maispreis steigt. Die Nachfrage nach Biokraftstoffen steigt weltweit. Vor allem sind Ethanol aus Zucker oder stärkehaltigem Getreide und Biodiesel aus pflanzlichen Ölen sehr begehrt. Energie aus nachwachsenden Rohstoffen gilt als besonders umweltfreundlich. Doch die Herstellung von verwertbarer Biomasse birgt auch Risiken. Je mehr geeignete Flächen mit Mais, Zuckerrohr, Raps oder Ölpalmen bebaut werden, desto weniger Äcker bleiben für die Produktion von Nahrung übrig. Zudem werden immer neue Anbauflächen erschlossen – vor allem in Asien werden riesige Urwaldgebiete abgeholzt, um Platz für die Produktion von Palmöl zu schaffen. In Lateinamerika verdrängen Sojaplantagen den Wald.

Maisanbau in Ecuador.
© LohnesMais wird teurer
In den USA stellen immer mehr Mais-Farmer auf den Anbau zur Ethanolerzeugung um. Die Folge: Mais für Nahrungszwecke wird knapp und damit teurer. Im Nachbarland Mexiko ist deshalb der Preis für Tortillas binnen Jahresfrist um rund 100 Prozent gestiegen – für viele Arme wird ihr Grundnahrungsmittel unerschwinglich.
Steigende Produktion von Biosprit
Der Energiehunger wird weiter steigen – in den Industrieländern und auch in den Entwicklungsländern. Die Europäische Union (EU) will bis zum Jahr 2010 fast sechs Prozent des Kraftstoffverbrauchs aus pflanzlichen Rohstoffen decken. Wollte die EU nur diese sechs Prozent Biosprit selbst produzieren, müssten bis zu einem Viertel aller europäischen Ackerflächen für Energiepflanzen reserviert werden. Realistisch ist, dass ein großer Teil des benötigten Biotreibstoffs importiert wird – aus Ländern, in denen immer mehr Wald abgeholzt und immer größere Monokulturen angelegt werden.

Viehhirte in Äthiopien.
© StedtlerFleisch-Veredelung
Die Parallele zum Anbau von Futtermitteln drängt sich auf. Immer mehr Getreide wird zu Fleisch "veredelt" – für die Konsumenten, die sich Fleisch leisten können. Das Nachsehen haben die Armen, die auf den direkten Konsum von Getreide angewiesen sind. Ähnlich wie sich gewinnbringende Futtermittel auf Kosten direkter pflanzlicher Nahrung durchsetzen, könnten profitable Energiepflanzen den Anbau von Nahrungsmitteln zurückdrängen.
Zukunftsmusik: Kraftstoff aus Abfällen
Der großflächige Anbau von Pflanzen ausschließlich zur Energieproduktion, also für sogenannte Biokraftstoffe der ersten Generation, ist weder ökologisch noch sozial vertretbar. Größere Hoffnungen setzen Forscher deshalb auf Kraftstoffe der zweiten Generation. Dabei werden Abfälle der Land- und Forstwirtschaft verarbeitet. Bis Anlagen entwickelt sind, die in großem Stil Holzreste oder Stroh in flüssige Treibstoffe umsetzen, werden allerdings noch Jahre vergehen.
(Autor: Karl-Albrecht Immel, Stand: Juli 2007)
