Zu Besuch in Äthiopien „Erstmals gibt es sauberes, fließendes Wasser“

Die Mädchen genießen das saubere Wasser. © Tsegaye
Vor allem Frauen und Mädchen profitieren von der zuverlässigen Verfügbarkeit des Wassers. © Tsegaye

Eines der ersten Länder, in dem die Welthungerhilfe tätig wurde, ist Äthiopien. Anfang der siebziger Jahre kostete eine der immer wiederkehrenden Dürren zehntausende Menschenleben, und die Welthungerhilfe startete Nothilfeoperationen – zunächst noch über Partner, später mit eigenen Fachkräften. Derartige Hilfe für Dürreopfer in Äthiopien war immer wieder nötig – auch im vergangenen Jahr, in dem erneut eine Dürre das Horn von Afrika traf. Hier konnte verhindert werden, dass die Zahlen der Opfer Ausmaße erreichten wie noch vor dreißig oder vierzig Jahren.

40 Jahre Arbeit der Welthungerhilfe in Äthiopien

Mein Besuch in Addis, anlässlich der vierzigjährigen Präsenz der Welthungerhilfe vor Ort, macht Mut: Starke und selbstbewusste Partnerorganisationen und gut ausgebildete lokale Mitarbeiter zeigen das Entwicklungspotenzial des Landes. Dafür, dass es in Äthiopien vorangeht, hat auch unsere Partnerorganisation Bole Bible Baptist Child Care gekämpft: In den vergangenen fünf Jahren haben wir gemeinsam ein riesiges Wasserversorgungsnetz für über 130.000 Menschen aufgebaut.

Aus einer einzigen Wasserquelle fließen hier zehn Liter Wasser pro Sekunde in über 70 km Wasserleitungen und am Ende in über 60 Wasserkioske. Von diesen Wasserkiosken holen Frauen und Kinder dann das saubere Trinkwasser ab. Es ist das erste Mal, dass es sauberes, fließendes Wasser hier in dieser trockenen Region von Oromiya gibt – bis zu 30 km entfernt waren die nächsten sicheren Wasserstellen. Kein Wunder, dass immer wieder Cholera ausbrach und die Kinder der Schule fernblieben, um Wasser zu holen.

Abraham Toufa, der Vorsitzende des neu geschaffenen Wasserkomitees hat Jahrzehnte lang davon geträumt, dass die Kinder im Dorf sauberes Wasser trinken können. Aber auch er weiß, dass es noch an vielem fehlt. Das Wissen um Hygiene und den richtigen Umgang mit Trinkwasser ist noch gering, und das Wasserkomitee wird mit vielen Vertretern der Dorfgemeinschaften jetzt daran arbeiten, dass sauberes Wasser auch sauber bleibt. Das wird dann ohne die Welthungerhilfe geschehen, nur mit der Überzeugungskraft und dem Engagement der Dorfältesten und Gemeindevertreter.

Der Unterschied zu unserer Arbeit von vor vierzig Jahren ist: Alle unsere Projekte sind auf Nachhaltigkeit angelegt. Nachhaltig bedeutet, dass die Wirkung unserer Arbeit noch lange nach Projektende bestehen bleiben soll. Unser Millenniumsdorf Sodo, ebenfalls in Äthiopien gelegen, ist ein weiteres Beispiel für diesen Anspruch – nach fast sieben Jahren Arbeit konnten wir dort unsere Aktivitäten erfolgreich auslaufen lassen, weil wir nicht mehr gebraucht wurden.

Wir haben viele Glückwünsche erhalten, zur Arbeit von vierzig Jahren in Äthiopien – aber auch vielfach wurde auch der Wunsch geäußert, dass wir keine weiteren vierzig Jahre mehr benötigt werden. Selbst in Äthiopien, einem ‚Least Developed Country‘ ist die Dynamik spürbar, die den afrikanischen Kontinent erfasst hat. Dem Bau- und Investmentboom in der Hauptstadt muss nun aber ernsthaftes Engagement in der ländlichen Entwicklung folgen, damit nicht nur die Wasser- sondern auch die Lebensmittelversorgung verbessert wird. Und da sind die äthiopischen Behörden genauso gefragt wie die vielen lokalen Organisationen und die internationale Gemeinschaft.

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