8 Dinge, die du über Hunger wissen solltest

DorfbewohnerInnen protestieren gegen ein Kupferminenprojekt im nordwestlichen Myanmar
DorfbewohnerInnen protestieren gegen ein Kupferminenprojekt im nordwestlichen Myanmar, für das ihnen ihr Land entzogen wurde. Reuters/Soe Zeya Tun, 2013.

1. Hunger ist messbar

Jeder 9. Mensch hungert – und das wollen wir ändern. Neben nachhaltigen Projekten und Nothilfe gehört auch zu unserer Arbeit, auf das Thema Hunger aufmerksam zu machen und die Politik zu mehr Engagement zu bewegen. Verlässliche Daten sind bei der Hungerbekämpfung besonders wichtig. Daher veröffentlichen die Welthungerhilfe, Concern Worldwide und IFPRI einmal im Jahr den Welthunger-Index (WHI). Die Ausgabe 2017 ist gerade erschienen. Der WHI 2017 erfasst die Hungersituation von 119 Ländern. Die WHI-Werte beruhen auf Daten zu Unterernährung, Auszehrung bei Kindern, Wachstumsverzögerung bei Kindern und Kindersterblichkeit. Wie genau wir den WHI berechnen, lässt sich hier nachlesen

Karte: Welthunger-Index 2017

2. Es gibt Fortschritte bei der Hungerbekämpfung

Angesichts akut drohender Hungersnöte vergisst man schnell die Fortschritte, die im Kampf gegen Hunger und Unterernährung bereits erzielt wurden. Natürlich freuen wir uns über die Fortschritte – doch diese sind mit Vorsicht zu genießen. Die Vereinten Nationen haben in den Zielen für Nachhaltige Entwicklung festgeschrieben: Im Jahr 2030 soll der Hunger aus der Welt geschafft sein – Zero Hunger by 2030. Wenn es jedoch so weitergeht wie bisher, wird die Weltgemeinschaft dieses Ziel leider nicht erreichen.

Grafik: Seit 2000 sind die globalen WHI-Werte um 27% gesunken.

3. Hier ist der Hunger am größten 

In Tschad, Liberia, Madagaskar, Sierra Leone, Sudan, Sambia und Jemen werden die aktuellen Hungerwerte als „sehr ernst“ eingestuft – in der Zentralafrikanischen Republik sogar als „gravierend“. Mit Ausnahme von Jemen liegen alle diese Länder in Afrika südlich der Sahara. Die Zentralafrikanischen Republik ist seit einigen Jahren das Schlusslicht im Welthunger-Index. Für 13 Länder konnten keine WHI-Werte errechnet werden, weil Daten fehlen. Dazu zählen unter anderem Syrien, Südsudan und Somalia.

ZAR, Tschad und Sierra Leone haben 2017 die höchsten WHI-Werte

4. Diese Länder haben die größten Fortschritte gemacht

Angola, Äthiopien und Ruanda hatten im Jahr 2000 Hungerwerte der Kategorie „gravierend“. Die Werte für 2017 sind nun um 42 bis 44 Prozent niedriger und entsprechen der Kategorie „ernst“. Doch auch diese Länder haben noch große Herausforderungen zu bewältigen. So hat Angola zum Beispiel die höchste Kindersterblichkeitsrate (15,7 Prozent) des diesjährigen Berichts. Verglichen mit früheren Jahren wurden die Werte für Hunger und Unterernährung jedoch bereits reduziert und geben Anlass zur Hoffnung.

Schüler in Sodo, Äthiopien

Schüler in Sodo, Äthiopien. © Wiards

5. Vier Ländern droht eine Hungersnot

Südsudan, Somalia, Nigeria und Jemen sind aktuell von Hungersnöten bedroht. Für Südsudan und Somalia standen nicht ausreichende Daten zur Verfügung, um den Welthunger-Index errechnen zu können. Doch die Lage ist besorgniserregend: Eine schwere Dürre, eine hohe Zahl von Binnenflüchtlingen und Schwierigkeiten bei der Bereitstellung humanitärer Hilfe für die Bevölkerung Somalias brachten das Land im Jahr 2017 an den Rand einer Hungerkatastrophe. Die akute Nahrungskrise im Südsudan, bedingt durch Konflikt und Unsicherheit, hatte massive Auswirkungen. Sie zwang Teile der Bevölkerung zur Flucht, zerstörte Märkte, brachte die Gefahr von Ernteausfällen mit sich.

Wasserholen im Südsudan

Wasserholen im Südsudan © Justfilms

6. Ungleichheit ist eine der Hauptursachen von Hunger

Mit den weltweit produzierten Nahrungsmitteln könnte problemlos die Weltbevölkerung ernährt werden. Dass es trotzdem Hunger gibt, ist auch eine Folge gravierender Ungleichheit. Herkunft, Geschlecht, Alter oder sozioökonomischer Status können sich massiv auf die Ernährungssituation eines Menschen oder einzelner Gruppen auswirken. Die ungleiche Verteilung von Hunger spiegelt die ungleiche Verteilung von Macht im globalen Ernährungssystem wider. Allen, die sich näher mit dem Thema beschäftigen möchten, sei Naomi Hossains Essay ans Herz gelegt: Ungleichheit, Hunger und Fehlernährung: Die Bedeutung von Macht

Frauen versammeln sich in ihrem Dorf in West Bengal, Indien, um Ernährungsthemen zu besprechen.

Frauen versammeln sich in ihrem Dorf in West Bengal, Indien. © Felschen

7. Die Politik muss mehr tun

Es muss noch viel getan werden, um Ungleichheiten zu verringern und Zero Hunger – für jeden und überall – zu erreichen. Einen Überblick über die wichtigsten Punkte zeigt diese Grafik. Wer mehr erfahren möchte, kann sich in den Handlungsempfehlungen des Welthunger-Index schlau machen.

8. Auch du kannst aktiv werden

Jeder kann einen Beitrag leisten, um die Welt etwas gerechter zu gestalten und Menschen zu einem Leben ohne Hunger zu verhelfen.

Alles zum Welthunger-Index und den aktuellen Hungerwerten findest du auf www.welthunger-index.de

Bewerten Sie diesen Artikel: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 4 Bewertungen, durchschnittlich: 4,50 von 5
Loading...

1 Kommentar

  • Petra Schmidt sagt:

    Jeder neunte Mensch auf der Welt hungert, 124 Millionen Kinder sind übergewichtig. Zwei Meldungen vom selben Tag. Krasser kann der Widerspruch zwischen Elend und Übersättigung, arm und reich Verzweiflung und Gleichgültigkeit nicht sein. Deshalb finde ich besonders wichtig, dass die Welthungerhilfe nicht nur weltweit arbeitet, sondern auch die Augen öffnet für Möglichkeiten, das eigene Verhalten im alltäglichen Leben zu ändern. Danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihren Kommentar erst prüfen, bevor dieser auf der Webseite erscheint. Weitere Informationen finden Sie in unserer Blog-Netiquette.