8 Mythen über Mangelernährung

Eine indische Köchin wäscht Reis zur Vorbereitung für das Mittagessen.
Wie entsteht Unterernährung und wie kann man ihr vorbeugen?

Dünn und ausgemergelt, so sieht ein mangelernährter Mensch aus. Aber betreffen Hunger und Mangelernährung nicht sowieso nur Afrika? Viele Meinungen und vermeintliche Fakten rund um das Thema sind falsch. Dieser Faktencheck räumt mit acht solcher „Mythen“ auf.

1 – Mangelernährung = Hunger

Ein Mädchen spült einen Teller im Nil in der Naehe von Wau Shiluk, Südsudan.

Wenn der Magen mal richtig knurrt, hat das noch nichts mit Mangelernährung zu tun. Mangelernährt ist ein Mensch dann, wenn er über seine tägliche Nahrung nicht genügend oder nicht die richtigen Nährstoffe aufnehmen kann. Quantitative Mangelernährung wird auch als Unterernährung bezeichnet. Natürlich geht Hunger oft mit Mangelernährung einher.

2 – Bei Mangelernährung hilft viel essen

Kinder bei einer Schulspeisung in Kirundo, Burundi.

So einfach ist es nicht. Die Qualität der Nahrungsmittel ist mindestens genauso wichtig wie deren Quantität. Hunger kann durch Energie- und Proteinmangel entstehen. Rund 795 Millionen Menschen weltweit sind davon betroffen. Darüber hinaus wird Hunger aber auch durch Vitamin- und Mineralstoffmangel ausgelöst. Man spricht dabei von „Verborgenem Hunger“, über zwei Milliarden Menschen weltweit leiden darunter. Eine bloße Erhöhung des Konsums reiner Energielieferanten würde ihnen nicht helfen.

3 – Mangelernährte Menschen sind zu dünn

Dürre in Äthiopien

Wer mangelernährt ist, muss deshalb nicht abgemagert bis auf die Knochen sein. Der durch Nährstoffmangel ausgelöste „Verborgene Hunger“ lässt sich nicht unmittelbar am Körperfettanteil einer betroffenen Person erkennen und ist deshalb besonders schwer zu identifizieren. Bei zu einseitiger Ernährung können auch übergewichtige Personen mangelernährt sein.

4 – Hauptsache überhaupt etwas zu essen!

Ein Frau in Sengaratoppu, Indien kocht Reis.

Das ist ein Irrglaube. Der bei zu einseitiger Ernährung entstehende Nährstoffmangel kann schwere gesundheitliche Auswirkungen haben:

  • Das Immunsystem wird geschwächt.
  • Körperliche Behinderungen und Einschränkungen der kognitiven Entwicklung entstehen.
  • Bei Kindern kommt es zu Wachstumsverzögerungen, Lernschwierigkeiten und einem erhöhten lebenslangen Risiko für chronische Krankheiten.
  • Die Sterblichkeit von Müttern und Kindern wird erhöht.

Langfristig entsteht so ein Teufelskreis der Unterernährung:

Teufelskreis der Unterernährung: Das sind die Folgen von langfristigem Nährstoffmangel.

5 – Aber Nährstoffe aufnehmen geht doch ganz leicht

Mutter und Kind essen Obst in Haiti.

Leider nein. Ein Beispiel: Wer beim Blutspenden schon mal wegen Eisenmangel abgewiesen wurde, wird wissen, dass die Eisenaufnahme für den Körper gar nicht so einfach ist. Gerade wenn die verfügbaren Lebensmittel nicht genügend Nährstoffe enthalten oder gar kein Nährstofflieferant zur Verfügung steht, wird es eng. Eine technische Lösung gegen den Nährstoffmangel ist das Anreichern oder die Fortifizierung von Lebensmitteln.

6 – Angereicherte Lebensmittel sind bestimmt böse

Angereichert bedeutet nicht gentechnisch manipuliert. Die Nahrungsmittel werden erst nach ihrer Produktion angereichert, etwa mit Jod oder Vitamin A. Diese Praktik hat Vor- und Nachteile: Für besonders gefährdete Menschen, zum Beispiel HIV-Infizierte, kann die Verteilung solcher Lebensmittel eine rettende Maßnahme sein, um dem gefährlichen Mangel vorzubeugen. Auf der anderen Seite verändert Fortifizierung die natürlichen Ernährungspraktiken der Menschen, zum Beispiel in Form von Milchpulver, das als Ersatz für das Stillen von Säuglingen genutzt wird. Auch lokale hochwertige Nahrungsmittel können verdrängt werden. Gemeinsam mit terre des hommes hat die Welthungerhilfe eine Studie initiiert, die sich mit Vor- und Nachteilen von Fortifizierung auseinandersetzt.

7 – Hunger betrifft nur Afrika

Mädchen in Afar, Äthiopien backt Brot.

Weltweit leiden 795 Millionen Menschen Hunger. Davon leben allerdings ca. 511 Millionen in Asien und der Pazifikregion und ca. 232 Millionen in Afrika. Trotzdem ist mit 20 Prozent der Anteil an Hungernden innerhalb der Bevölkerung in Afrika am höchsten, so das World Food Programme. Man kann also sagen Afrika ist der am stärksten von Hunger betroffene Kontinent. Zum Vergleich: Sechs von sieben Ländern weltweit, die bis heute am stärksten von Hunger betroffen sind, liegen in Afrika. Auf Platz vier aber steht Haiti. Hunger ist auch in der Karibik, Asien, Lateinamerika, und generell den Entwicklungs- und Schwellenländern akut. Die aktuelle Hungersituation der Welt dokumentiert der Welthunger-Index 2016.

Infografik: Wo hungern die meisten?

8 – Gegen Hunger und Mangelernährung gibt es keine Lösung

Kinder bei einer Nahrungsmittelverteilung in der Region Kayes in Mali.

Jetzt mal Klartext: Hunger ist ein globales Problem, das uns alle angehen sollte!

Es gibt Hoffnung. Seit dem Jahr 2000 ist der weltweite Hunger um 29 Prozent gesunken. Das große Ziel der Agenda 2030, „Zero Hunger“ in weniger als 15 Jahren zu erreichen, könnte Wirklichkeit werden. Doch dazu muss die Bekämpfung des Hungers beschleunigt werden. Wir fordern deshalb die Bundesregierung sowie internationale Parteien dazu auf, Verantwortung zu zeigen und den Kampf gegen den Hunger voran zu treiben.

Auch du kannst helfen. Vielleicht werden Hunger und Mangelernährung so irgendwann selbst zu „Mythen“. Unterschreibe unsere Petition oder unterstütze unsere Arbeit mit einer Spende:

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