Landwirtschaft in Kuba: Alles Bio oder was?

Der Bio-Bauer Humberto Herandez in Matanzas, Kuba. © Welthungerhilfe/Eberle
Bio-Bauer Humberto Hernandez zeigt Katharina Philipps seine Beete. © Welthungerhilfe/Eberle

Heute stoßen wir in das Herz des sozialistischen Kuba vor: Wir besuchen eine Bauernkooperative in Matanzas, östlich von Havanna. Einen kleinen Fitzel der Region kennt jeder Sonnenliebhaber der Welt: Hier liegt der Urlaubsort Varadero, Ziel von Millionen Pauschaltouristen, die Tui und Co. an Kubas schönsten Strand karren. Der Teil von Matanzas, den wir besuchen, hat damit wenig zu tun. Hier dominieren kleine Dörfer mit hübschen kleinen Bungalows, landesüblich in fröhlichen Blau-, Rosa- und Grüntönen gestrichen und Landwirtschaft. Touristen verirren sich hier nie hin.

Es gibt hier drei verschiedene Kooperativformen, so erklärt uns Timo, unser Projektleiter in Kuba. Der Hauptunterschied besteht darin, wem das Land gehört: Den Bauern, der Kooperative oder dem Staat. Spannend, denn bisher war mir nicht klar, dass es Privateigentum an Land auf Kuba gibt. Heute besuchen wir eine der großen CPAs (Cooperación de Producción Agrícola) – 200 Bauern sind darin organisiert und bearbeiten eine Fläche von rund 250 Hektar. Das Land ist Eigentum der Kooperative.

 Bauern stellen Bio-Dünger her

Von Kartoffeln über Bananen zu Gewürzen wird hier alles angebaut, was man essen kann. Wir lassen uns von Humberto Hernandez die Versuchsbeete für Gartengemüse und Gewürze zeigen. Sogar Salat wächst hier – und das bei der krassen kubanischen Sonneneinstrahlung. Möglich machen es die engmaschigen Netze, die über die Beete gespannt sind. Sie halten nicht nur die Sonne sondern auch den heftigen Regen ab.

Alles was hier wächst ist bio. Die Beete werden mit organischem Dünger angereichert, den die Bauern selbst aus Viehmist herstellen. Auch die Insektenabwehr erfolgt rein biologisch: Die Stangen, die die Netze halten, sind mit weißem, braunem und gelbem Maschinenöl bestrichen, an dem die Tiere festkleben.

Mit Nachhaltigkeit und Leidenschaft zum Erfolg

Humberto ist Gärtner mit Leib und Seele. Ihm wurden schon Beförderungen angeboten, dann hätte er sogar ein Auto – ein heißbegehrtes Gut auf Kuba, wo ein Gebrauchtwagen 15.000 Dollar kostet. Aber Humberto will die Erde bearbeiten, auf der er steht. Und so begeistert, wie er mir seine Beete vorführt, nehme ich ihm das sofort ab.

Humbertos größte Liebe gehört den Ökogewürzen. Es gibt Oregano, Basilikum, verschiedene Minzesorten und Koriander. Alles Gewürze, die wir aus Europa kennen. Aber hier hätte ich sie weder am Aussehen noch am Geruch erkannt. Großer Kassenschlager ist der Oregano, eine Sorte mit fleischigen, fast kaktusartigen Blättern.

Nebenan, in den Verwaltungsgebäuden der Kooperative, werden die Gewürze nach der Trocknung in Handarbeit in kleine Plastiktütchen abgepackt. Verkauft werden sie am Eingang der Kooperative in einem kleinen Straßenladen. Die Bio-Gewürze sind heiß begehrt: Von nah und fern kommen die Käufer, denn Bio-Gewürze gibt es sehr selten.

Auch etwas, dass ich hier gelernt habe: Bis vor wenigen Jahren wurden noch alle Erträge der Kooperativen – außer einem Anteil für den Eigenverbrauch – direkt an den Staat verkauft. Das hat sich mit dem wirtschaftlichen Wandel geändert. Bauern werden nun aufgefordert, sich innovative Konzepte auszudenken, um die Produktion anzukurbeln und neue Einkommensquellen zu entwickeln. Den Überschuss, den eine Kooperative produziert, darf sie selbst verkaufen. Der Ansatz von Humberto und Co. scheint jedenfalls erfolgreich zu sein, wie man an dem reißenden Absatz der Bio-Gewürze sieht.

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