Auf ein Wort: Kommentar zu unserer Verwendung von Spendengeldern

Wie die Welthungerhilfe mit ihren Spenden umgeht.
Wie die Welthungerhilfe mit ihren Spenden umgeht.

Liebe Freunde und Förderer der Welthungerhilfe,

vermutlich haben auch Sie in den letzten Wochen die intensive öffentliche Debatte über Geldverschwendung bei Hilfsorganisationen verfolgt. Viele Spenderinnen und Spender sind verunsichert und selbst die Medien kennen – so scheint es – die Arbeit der Organisationen und insbesondere ihre Werbeaktivitäten nur unzureichend. Wir gehen davon aus, dass auch Sie sich fragen, wie denn die Welthungerhilfe mit Ihren Spenden umgeht. Genau darüber möchten wir mit Ihnen sprechen.

Faltblätter, Plakate, Spendenbescheinigungen – all das kostet Spendengeld. Auch Grafiker, Druckereien, Agenturen, Versandhäuser etc. – jene Dienstleistungen, die wir selber (sprich: mit eigenem Personal) nicht kostengünstig erstellen können – verursachen Kosten. Die Aufwendungen für Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit machen 4,3 Prozent unserer gesamten Ausgaben aus. Wenn Rechtsanwälte unsere Verträge prüfen, wird das aus dem Verwaltungskostenbudget bezahlt. Wenn Wirtschaftsprüfer die Bücher und Konten auf Ordnungsmäßigkeit kontrollieren, machen sie das nicht umsonst. Und zu einer vernünftig ausgestatteten, modernen Administration gehören selbstverständlich funktionierende Informationstechnologie, Telekommunikationsnetz und angemessene Verwaltungseinrichtungen.

Die Kosten für die allgemeine Verwaltungstätigkeit betragen 1,4 Prozent. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Welthungerhilfe im In- und Ausland – allesamt Experten auf ihrem Fachgebiet – werden für ihre Arbeit bezahlt. Unser Gehaltsgefüge orientiert sich an den Tarifen im Öffentlichen Dienst. Die Kosten für Fachkräfte, die direkt mit der Projektarbeit betraut sind, zählen zu den Projekt- und nicht zu den Verwaltungskosten. Das hat damit zu tun, dass wir – anders als so manche andere Hilfsorganisation – unsere Projekte mit unseren Partnern in den Entwicklungsländern selbst planen und betreuen. Dies entspricht exakt den Vorgaben, die das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) und die Deutsche Gesellschaft für Controlling in der Sozialwirtschaft gemeinsam entwickelt haben.

Anderes geschieht komplett ehrenamtlich: Unser Vorstand engagiert sich ohne jede Vergütung und Aufwandsentschädigung. Die Mitglieder des Kuratoriums, welche uns in Fragen des öffentlichen Auftritts beraten, erhalten für ihre Tätigkeit keinen einzigen Cent. Achtzehn Wissenschaftler und Entwicklungsexperten, die in Sitzungen der Gutachterausschüsse jedes einzelne Projekt auf seine Qualität und Wirksamkeit abklopfen, stellen ihre Expertise unentgeltlich zur Verfügung. Die vielen engagierten Helfer in unseren Aktionsgruppen und Freundeskreisen, die Unterstützer bei den Sport- und Kulturveranstaltungen, die für die Welthungerhilfe werben: Sie alle arbeiten ehrenamtlich.

Viele Menschen sind der Meinung, 30 Prozent und mehr würden für Verwaltung und Werbung „draufgehen“. Bei der Welthungerhilfe fließen über 90 Prozent der Gelder in die Auslandsprogramme. Unsere alljährliche Rechnungslegung ist offen und wird seit Jahren für ihre Transparenz ausgezeichnet. Anfang Juni erscheint unser Jahresbericht für das Jahr 2007.

Aber es geht nicht nur um die Höhe der Kosten. Es geht auch um eine effektive Kontrolle: Schon Anfang Dezember haben wir dazu Stellung genommen. Wir möchten gerne intensiver als bisher mit Ihnen in einen Dialog treten: Stellen Sie uns Ihre kritischen Fragen, schreiben Sie uns Ihre Anregungen.

Es ist uns wichtig, Ihnen Rechenschaft abzulegen. Aber: Wir wollen und können dafür nur einen Bruchteil unserer verfügbaren Ressourcen bereitstellen. Denn noch wichtiger ist es, so viele Spenden und öffentliche Mittel wie möglich für eine Welt ohne Hunger und Armut einzusetzen: in Afghanistan, im Sudan und in Nicaragua – weltweit!

Mit den besten Grüßen und der Bitte, auch in Zukunft unsere Arbeit mit Herz und Verstand zu begleiten,

Ihre Ingeborg Schäuble,
Ihr Hans-Joachim Preuß

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20 Kommentare

  • Heinz.Cramer sagt:

    Ich bin überrascht über die plötzliche Zugänglichkeit nach draußen. Im vergangenen Jahr war Frau Schäuble Gast ist einer Fernsehshow. Sie wurde gefragt, ob die Welthungerhilfe auch Spenden-Galas im Fernsehen veranstaltet.
    Frau Schäuble hat dies verneint und als typ. Maßnahme von anderen Spenden-
    Oragnisationen bezeichnet. Eine Woche später wurde dann die Spenden-Gala der
    Welthungerhilfe ausgestrahlt. Meine schriftliche Anfrage zum Thema Ehrlichkeit
    der Welthungerhilfe blieb unbeantwortet. Warum auch immer.

  • Hans-Joachim Preuß sagt:

    Lieber Herr Cramer,

    vielen Dank für Ihre Rückmeldung!

    Auch wenn wir der Meinung sind, ziemlich zugänglich und offen zu sein (und dafür in den letzten drei Jahren beim Transparenzpreis immer mehr Punkte bekommen haben) – die aktuelle Diskussion hat diese offensive Kommunikation mit unseren Unterstützern sicherlich befördert. Und das möchten wir beibehalten!

    Was die Fernsehgala angeht: die veranstalten wir seit zwölf Jahren mit dem ZDF und Dieter Thomas Heck, und ich kann mir kaum vorstellen, dass Frau Schäuble dies in Abrede gestellt haben soll. Und alle Briefe an Frau Schäuble – außer den anonymen – werden von ihr beantwortet. Stellen Sie uns und Frau Schäuble Ihre Fragen!

  • Broszat, Gudrun sagt:

    Auf ein Wort
    Ihr Schreiben vom 14.2.08
    Gerade habe ich o.g. Schreiben erhalten und möchte Ihnen sofort eine Rückmeldung geben:
    Meiner Meinung nach ist das Thema Kontrolle das Eine. Für mich ist wichtiger, dass ich als „kleine Frau“, wenn ich von meinem persönlichen Einkommen etwas spende, VERTRAUEN kann. Heute wird alles kontrolliert und ist scheinbar durchsichtig. Wei kann es dann passieren, dass ein Verantwortlicher der Post z. B. oder ein Verantwortlicher einer Hilfsorganisation Vertrauen von vielen Menschen mißbraucht? Das passiert sicherlich nur, weil Menschen im Umfeld der o.g. nicht den Mut haben, ihre „kleine“ Verantwortung wahrzunehmen und hinschauen und ansprechen, was schräg läuft. Ich bitte Sie, Herr Preuß und sie Frau Schäuble, Ihre MitarbeiterInnen zu ermutigen, auch Sie ipersönlich immer wieder kritisch zu begleiten und ich wünsche Ihnen und mir und anderen Spendern, dass Sie sich unser Vertrauen verdienen- Vertrauen bekommen Sie nämlich geschenkt – sonst fundktioniert das alles nicht!
    Ich vertraue darauf, dass Sie in diesem Sinne tätig sind und sein werden.
    Vielleicht ist das altmodisch- aber: An dieser Stelle bin ich gern altmodisch!
    Gudrun Broszat

  • Hans-Joachim Preuß sagt:

    Liebe Frau Broszat,

    vielen Dank für Ihre Ermutigung! Und auch wir ermutigen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder, uns eine ehrliche Rückmeldung zu geben. Ganz ehrlich: das funktioniert nicht immer – es ist halt doch eine gewisse Zivilcourage erforderlich, um der Präsidentin oder dem Generalsekretär den Spiegel vorzuhalten.

    Wir haben das eine oder andere Forum eingerichtet, um solche Rückmeldungen zu erhalten. Der Chef unserer Innenrevision zum Beispiel ist autorisiert, Meldungen zu persönlichem Fehlverhalten auch von obersten Führungskräften nachzugehen und wenn notwenig entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Ein anderes Beispiel: eine unserer ehemaligen Mitarbeiterinnen hat sich bereit erklärt, als „Ombudsfrau“ Beschwerden anzunehmen, wenn Führungskräfte ihrer wichtigen Aufgabe offenbar nicht nachkommen. Entweder geht unsere Ombudsfrau dann direkt auf die jeweiligen Vorgesetzten zu oder – sollte ein grober Regelverstoß vorliegen – informiert den Generalsekretär.

    All das ist noch keine Gewähr für eine offene Organisationskultur, wie sie Ihnen vorschwebt und wie wir sie uns wünschen. Aber wir arbeiten daran.

  • Marcel Chase sagt:

    Das ist alles reichlich selbstgefällig, was die Welthungerhilfe da von sich gibt. Es nützt auch nichts, auf die Kontrollmechanismen zu verweisen, wen der Geschäftsführer ohne schriftliche Verträge Aufträge vergibt und damit die Kontrolle umgeht. Das hat man einfach hingenommen und es dem Geschäftsführer überlassen, „unter öffentlichem Druck“ zurückzutreten. Bei dem Spendenaufkommen von über 1 Milliarde Euro ist ein Verwaltungsaufwand
    von 10% ein hübscher Betrag, den der Geschäftsführer nach „Gutsherrnart“
    verwaltet hat. Konsequenzen will die Welthungerhilfe AG daraus nicht ziehen, da man sich ja nichts vorzuwerfen. So geht es nun einmal in der Wirtschaft zu und nur weltfremde Spender können von der Welthungerhilfe etwas anderes erwarten als kommerzielle Spendenrequirierung und Marketing.

  • Hans-Joachim Preuß sagt:

    Lieber Herr Marcel Chase,

    Sie scheinen uns zu verwechseln! Gerne nehme ich den Vorwurf der Selbstgefälligkeit entgegen. Denn auch wenn wir meinen, dass unsere internen Kontrollen greifen, dass eben nicht nach „Gutsherrenart“ entschieden wird, dass unsere Verwaltungs- und Werbungskosten im Branchenvergleich niedrig sind: Hochmut kommt vor dem Fall!

    Ja, wir sind eine große Organisation: aber uns steht keine Milliarde zur Verfügung, sondern im Jahre 2007 etwas mehr als 125 Millionen Euro. Ja, wir haben professionelle Arbeitsstrukturen: der Geschäftsführer hat sich an einen detaillierten Wirtschaftsplan zu halten, dessen Einhaltung von unserem Vorstand kontrolliert wird, und jede zusätzliche Ausgabe, die 50.000 Euro übersteigt, muss von diesem ehrenamtlichen Gremium genehmigt werden. Ja, wir leisten uns ein den heutigen Ansprüchen genügendes Fundraising: denn auch darauf haben Spenderinnen und Spender einen Anspruch: dass die für die Spendenwerbung eingesetzten Gelder so wirkam wie möglich verwendet werden und einen möglichst hohen Rücklauf haben.

  • Heidi Kemnitz sagt:

    Hallo,
    es ist nicht gut, dass Sie sich nun genötigt fühlen, Erklärungen zu Ihrer Glaubwürdigkeit abgeben zu müssen. Unicef war mir schon seit langem suspekt, da dies ja nicht der erste Skandal ist. Auch hat mir vor Jahren ein Bild von unicef missfallen, auf dem zu sehen war, wie ein Entwicklungshelfer Menschen in einem Zug hinterherlief und Ihnen Nahrungsmittel hinterher trug. Das ist für mich keine Entwicklungshilfe, sondern es sollte der Grundsatz gewahrt bleiben, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
    Wenn sich eine Hilfsorganisation negativ in den Medien präsentiert, so sollte nicht das ganze System als negativ angesehen werden. Ihre Organisation hat einen guten Ruf und ich werde auch weiterhin für Ihre unschätzbare Arbeit spenden.
    Vielen Dank an die vielen selbstlosen Helfen Ihrer Organisation, die auf die Bequemlichkeiten eines zivilisierten Lebens verzichten und in Entwicklungsländern versuchen, den Hunger auf kluge Weise zu bekämpfen.

    Herzlichst Heidi Kemnitz

  • G.Schindler sagt:

    Am 18.02.08 erhielt ich Post von der Welthungerhilfe mit o.a. Beitrag. Anbei erhielt ich einen Überweisungsträger mit dem Hinweis, dass auch dieses Schreiben Geld (die Rede war von 34 Cent) kostet. Um Kosten zu sparen, würde ich es meinerseits begrüßen, keine Post mehr zu bekommen, da ich mir die Informationen aus dem Internet holen kann. Dies habe ich der Welthungerhilfe auch schon am 22.12.07 geschrieben; mein Schreiben wurde wohl ignoriert. Vielleicht habe ich auf diesem Weg die Möglichkeit,dass mein Wunsch auf Kosteneinsparung beachtet wird.

  • Wald sagt:

    PSN0010142927 WB08SOAK5001

    Man könnte das Geld für Informationsbriefe auch gut sparen und auch für Hunger in der Welt benutzen, ich kenne die Bankverbindung, dann kann ich Spenden wenn ich will. Was ich damit sagen möchte, die Bettelbriefe gehn mir auf den geist, deswegen kann ich auch nicht mehr Spenden wie sonst auch. Also keine Briefe mehr !

  • P. Sießegger sagt:

    Ich möchte mich meinen Vorrednern (-bloggern) anschließen. Auch mich nerven die Bettelbriefe.
    Auf der anderen Seite gebe ich aber auch zu, dass sie auf mich (und wahrscheinlich auch andere) Wirkung zeigen, weil man eben einfach noch mal dran erinnert wird, dass es anderen nicht so gut geht wie uns.
    Andererseits könnte ich aber auch durchaus per mail erinnert werden! Das würde nicht nur Porto sondern auch Papier und Druck sparen. Und wenn ich ein Bild von einem hungernden Kind in nicht ganz so professionell wirkendem Layout sehe, wird das mein Mitgefühl auch nicht schmälern.
    Deswegen Bitte stellt bei mir (und bei möglcihst vielen anderen) um auf email!!!

  • Bei der Flut an Printmedien zu entwicklungspolitischen Themen, die von BMZ über GTZ bis hin zu den zahlreichen NGOs auf meinen Schreibtisch gelangen, muss man sich natürlich fragen, ob sich die Deutsche Welthungerhilfe e.V. daran auch so umfangreich beteiligen soll. War es z. B. notwendig, mit Dieter Thomas Heck über Jahre hinweg eine so aufwendige TV-Gala zu veranstalten? Und wer hat diesen Moderator und die Sendung bezahlt? Ich bezweifle, dass hiervon die Mittel aus dem 4,3 % PR-Anteil an den gesamten Ausgaben gekommen sind. Wer finanziert Ihre externen Journalistenreisen? Und ist es überhaupt notwendig, Journalisten die Reisen in Entwicklungsprojekte zu bezahlen? Da wäre auch zu überlegen, ob man wirklich mit so teueren Agenturen kooperiert. Und warum hat man vor langer Zeit einem ehemaligen Pressereferenten, der dann eine eigene Agentur (Media Company) gegründet hat, PR-Aufträge gegeben? Wer im entwicklungspolitischen Bereich tätig ist, das gilt für BMZ und GTZ ebenso, wie für die Deutsche Welthungerhilfe e.V., sollte sich bei seinen PR-Ausgaben nicht mit den üblichen Wirtschaftsunternehmen vergleichen.
    Thomas Neumaier

  • Hans-Joachim Preuß sagt:

    Lieber Herr Neumaier,

    gerne beantworte ich Ihre Fragen und Anmerkungen:

    Erstens: Ja, es ist NOTwendig, Spenderbriefe zu schreiben. Viele Menschen in Deutschland können sich überhaupt nicht vorstellen, mit welchem Ausmaß von Not wir in unserer Arbeit konfrontiert sind. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, um auf diese Not hinzuweisen. Aber auch um zu zeigen, wie Menschen unter schwierigen Bedingungen die Initiative ergreifen, sich und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu schaffen.

    Zweitens: Es ist nicht nur notwendig, sondern auch sinnvoll, für unser Ziel – eine Welt ohne Hunger und Armut – zu werben. Denn: Nach wie vor sind Spenderbriefe das wirksamste und kostengünstigste Mittel, um Spenden einzuwerben. Hier stehen Aufwand und Ertrag in einem außerordentlich akzeptablen Verhältnis!

    Drittens: Die Fernsehgala im ZDF, zwölf Jahre lang moderiert von Dieter Thomas Heck, hat für die Projekte der Welthungerhilfe etwa 32 Millionen Euro eingespielt. Natürlich wir hatten wir auch Aufwendungen: Hallenmiete, Fahrtkosten, Unterbringung. Und natürlich die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Deutschen Telekom, die die vielen Tausend Telefonanrufe mit den Spendenzusagen entgegen nahmen, Namen und Bankverbindungen der Anrufer dokumentierten, sodass unmittelbar nach der Sendung die Bankeinzüge vorgenommen werden konnten. Aber dieser Aufwand, der übrigens in unseren 4,3 Prozent für Spendenwerbung enthalten ist, hat sich mehr als gelohnt!

    Viertens: Journalistenreisen: Ja, wir ermöglichen Journalisten, unsere Partner und Projekte zu besuchen. Denn immer weniger deutsche Journalisten haben überhaupt noch Ahnung von den wahren Lebensumständen der Menschen in den Entwicklungsländern. Es ist von überragender Bedeutung, dass wenigstens die Welthungerhilfe Möglichkeiten für Journalisten bietet, sich ein unverfälschtes Bild von der dortigen Armut zu machen. Sie umfassend zu informieren. Natürlich auch über unsere Projektarbeit.

    In den meisten Fällen bezahlen die Redaktionen die Reisen aus eigener Tasche. Wie Sie wissen, erhalten wir für unsere Budgetposition „Visibility“ Mittel von öffentlichen Finanzierern wie der Europäischen Kommission, der Weltbank, deutschen Ministerien. Da wir diese Zuwendungen nicht für unsere Projektarbeit ausgeben dürfen, verwenden wir die Gelder für unsere Öffentlichkeitsarbeit. Wer würde sich dafür besser eignen als unabhängige, erfahrene Journalisten von namhaften Zeitungen?

    Fünftens: Ab einer bestimmten Auftragssumme sind wir verpflichtet, Aufträge an externe Dienstleister auszuschreiben. Daran halten wir uns. Das das günstigste Angebot gewinnt den „Pitch“.

    Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meinen Antworten weiterhelfen konnte.

  • Martin Dietz sagt:

    Nach Darstellung der Verwaltungs- und Werbeausgaben von SOS, Plan International, und World Vision, die ärgerlich aufwändig mit bunten Farbprospekten für Kinderpatenschaften werben sowie UNICEF(mit 10 bis 20 % des Spendenvolumens zu viel !), die auch an der Front – wie ich aus eigener Anschuung weiß – weniger effizient als die DWHH sind, hatte ich schon auf die entsprechende Einstufung der DWHH gewartet, die dann auch prompt mit 5,7 % zufriedenstellend kam. Allerdings könnte man – wie Herr Wald oben schreibt – auf viele bunte Briefe verzichten. Ein kurzer Blick ins Internet genügt.

  • E. Petz sagt:

    Die Nonchalance im Geldumgang bei UNICEF führt nun also zu besonders kritischer Betrachtung aller Hifsorganisationen, auch wenn sie so vorbildliche Zahlen vorweisen können wie die Welthungerhilfe. Deutsche Übergründlichkeit oder schon chronisches Nörglertum? Sicher ist es schwierig, den richtigen Mittelweg zu finden bei den Ausgaben für Verwaltung und Werbung: Einerseits soll den eigentlichen Aufgaben möglichst wenig Geld entzogen werden, andererseits muss aber auch die nötige Effektivität erreicht werden, was nur mit Professionalität und eben nicht ohne finanziellen Aufwand geht. Gut finde ich, dass darüber hier offen diskutiert wird.
    Die Möglichkeit, als Empfänger Werbebriefe abzubestellen, finde ich gut und richtig; aber der Welthungerhilfe deren Abschaffung vorschreiben zu wollen, fände ich nicht besonders klug und wohl auch anmaßend. 2 andere Fragen möchte ich gern einbringen:
    1. Gelegentlich ist zu lesen, dass nicht nur Politiker, sondern auch Funktionäre von gemeinnützigen Organisationen z.B. zu Kongressen First-Class- bzw. Business-Class-Flüge nehmen. Wie befördert die Welthungerhilfe Mitarbeiter und leitende Funktionsträger ?
    2. Gibt es nicht gute Gründe, die prinzipielle Ablehnung von Hilfsgütern aus Spenderländern zu überdenken? Ich bezweifle, dass es absolut immer besser ist, alles vor Ort zu kaufen,
    weil z.B. bei manchen Produkten die Herstellung auf hohem Standard in einem führenden Erzeugerland sinnvoller ist,
    weil z.B. Lebensmittelkäufe großen Umfangs das regionale Angebot-Nachfrage-Gleichgewicht erheblich verschieben und Preissteigerungen noch stärker anheizen könnten oder
    weil auch ökologische Probleme vor Ort entstehen könnten, wenn z.B. die Nachfrage nach Brennmaterial durch regionale Käufe zusätzlich gesteigert würde.
    Wäre es nicht sinnvoll, auch zu diesem Themenkomplex gelegentlich kompetente Gutachter zu befragen, zumal, wenn man auf kostenlose Beratung hoffen kann?

  • Hans-Joachim Preuß sagt:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Fragen.

    1. Alle Mitarbeiter der Welthungerhilfe, unabhängig von ihrem Status (das gilt auch für unsere Vorstandsvorsitzende Ingeborg Schäuble sowie alle Vorstandsmitglieder), benutzen bei ihren Flügen grundsätzlich die Economy-Class; bei Fahrten mit der Deutschen Bundesbahn wird grundsätzlich die zweite Wagenklasse gebucht.

    2. Ihr Einwand, dass der lokale Einkauf in manchen Situationen wenig Sinn macht, stimmt völlig! Wir analysieren vor einer entsprechenden Entscheidung immer die lokalen Märkte. So können wir feststellen, ob beispielsweise der lokale Aufkauf von Getreide die Preise für alle Käufer massiv in die Höhe treiben würde. Oder ob der lokale Kauf von Brennmaterial ökologische Schäden an den vorhanden Ressourcen nach sich ziehen könnte.

    Generell aber bleibt festzuhalten, dass die lokale Beschaffung der internationalen vorzuziehen ist. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die Situation nach dem Tsunami: Es wurden so viele Medikamente nach Sri Lanka geliefert, dass die einheimische Pharmaindustrie große Probleme bekam. Es macht auch keinen Sinn, containerweise Altkleider für Katatstrophenopfer anzuliefern. Und so die einheimischen Schneidern und Schneiderinnen um ihre Arbeit und damit auch um ihre Einkommen zu bringen.

    Aber wie gesagt: All diese potenziellen Probleme müssen vorher analysiert werden. Und das tun wir auch!

    Mit freundlichen Grüßen
    Hans-Joachim Preuß

  • Karl-Josef Klein sagt:

    In diesem Jahre, ja es gibt sich,
    da werde ich glatt zweiundsiebzig,
    bin noch in Schwung, bin noch aktiv,
    obwohl der Körper schon was schief.

    Solange noch die Rente läuft,
    wird meine Hoffnung nicht ersäuft,
    dass Friede wird auf dieser Welt,
    sie vorher nicht zusammenfällt.

    Die Hungerhilfe leistet viel,
    es ist ja auch kein Kinderspiel,
    dass jeder Helfer motiviert
    zum Spendensammeln nicht geniert.

    Von Dr.Preuß kam heut` ein Brief,
    er schrieb, sie liegen gar nicht schief,
    wenn weiterhin die Spenden fließen,
    das wird die Armen nicht verdrießen.

    Und ebenso die Ingeborg
    mit Namen Schäuble ist in Sorg`,
    denn läuft was bei den Sammlern schief,
    so ist die Branche schnell im Tief.

    Nun sag` ich DANKE für den Brief
    und dass Sie weiter sind aktiv,
    denn ohne „Herz“ kann man nicht leben,
    und das bekommt man nur vom „Geben“.

    KJK 25.2.08

  • Martin Dietz sagt:

    Ich melde mich zum Beitrag von E.Petz noch einmal als kompetenter Gutachter (nach Selbsteinschätzung) zu Wort: Die DWHH prüft nicht nur vor Entscheidungen über lokalen Einkauf oder Import. Sie hat gelegentlich auch erfahrene freie Mitarbeiter, die ein Berufsleben lang für höhere Erzeugerpreise für afrikanische Bauern gekämpft haben. In Afrika sollte nur lokal oder regional eingekauft werden. Außer bei Naturkatastrophen geht auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen das Erwerbsleben weiter. In allgemeiner Not ist eine lokale Nachfrage nach lokal erzeugten Produkten segensreich und wird von allen örtlich Beteiligten stets sehr anerkannt. Im Fall von Brennholz haben parallel mit dem Einkauf initiierte Pflanzprogramme schon zu beachtlichen überproportionalen Pflanzerfolgen geführt. Bei entsprechender Kreativität gibt es immer lokal angepaßte Möglichkeiten…

  • S. Neumann sagt:

    Sicherlich ist der Umgang mit Spendengeldern bei einer Reihe von Organisationen (anscheinend leider der in der Öffentlichkeitsarbeit geschickteren wie UNICEF oder Plan International) sehr unerfreulich. Davon abgesehen möchte ich die grundsätzliche Frage aufwerfen, wie viel Entwicklungszusammenarbeit überhaupt ausrichten kann.

    Ich vermute, dass vielen Menschen, die bei einer Organisation wie der Welthungerhilfe arbeiten, ihre Arbeit wie eine Sysyphus-Arbeit vorkommen muss: Gemeinsam mit Partnern vor Ort wird ein vielversprechendes Projekt auf die Beine gestellt. Aber nach Ablauf der Förderung verläuft sicherlich einiges – trotz aller Bemühungen um Nachhaltigkeit – im Sande. Oder es kommt zu Katastrophen (seien es Naturkatastrophen oder vom Mensch gemachte) und das gerade Aufgebaute wird wieder zerstört. In dem Sinne kommt mir mein eigenes Spenden wie eine reine Gewissensberuhigung vor. Von der Wirksamkeit der geleisteten Hilfe bin ich alles andere als überzeugt. Sonst müssten doch irgendwie die vierzig, fünfzig Jahre, die all die vielen großen und kleinen Organisationen an Engagement investiert haben, eine sichtbarere Wirkung zeigen.

    Inzwischen scheint mir, dass das Sinnvollste ist, das ich hier in unserem reichen Land tun kann, gezielt fair gehandelte Produkte (nicht nur aus Entwicklungsländern sondern auch aus einheimischen Regionen) zu kaufen und auf Billigprodukte zu verzichten. Leider gibt es bislang viel zu wenige fair gehandelten Produkte (bzw. man muss geschmacklich einiges in Kauf nehmen). Wenn alle Menschen anstatt zu spenden beim täglichen Einkauf ein bißchen drauflegen würden, wäre vermutlich unseren Mitmenschen in anderen Teilen der Welt viel mehr geholfen. Dafür gibt’s aber dann keine Spendenquittung…

    Inwiefern kann die Welthungerhilfe hier einen (noch größeren) Beitrag leisten?

    Abschließend möchte ich noch auf andere Beiträge in diesem Blog eingehen:

    Ich fühle mich nicht unbedingt durch Spendenbriefe gestört, weil sie mich tatsächlich eher daran erinnern, dass ich nochmal einen Beitrag leisten sollte. Und in diesem Sinne würde es wohl nicht reichen, dass ich mich im Internet informiere. Bezeichnenderweise habe ich von diesem Blog aus einem Spenderbrief erfahren (und ich vermute, alle, die sich hier geäußert haben, auch). Allerdings würde ich mich in der Tat sehr freuen, in Zukunft auf elektronischem Weg anstatt per Post informiert zu werden. Das wäre doch wirklich mal eine sinnvolle Anregung für die Welthungerhilfe.

    Zur Frage, ob Hilfsgüter aus entwickelten Ländern eingeführt werden sollten: Gerade im Sinne eines fairen Umgangs miteinander (siehe fairer Handel) finde ich es verheerend, die lokalen Märkte in Katastrophensituationen auch noch zusätzlich durch die Einfuhr von Hilfsgütern zu zerstören. Das heißt ja umgekehrt, dass die Hersteller in den „Geber“-Ländern auch noch an der Katastrophe verdienen! Natürlich gibt es Situationen, in denen vor Ort nicht verfügbare, dringend benötigte Güter importiert werden müssen. Ich hoffe und gehe davon aus, dass sorgfältig arbeitende Organisationen hier sinnvolle Entscheidungen treffen. Dabei hilft vermutlich, wenn die jeweilige Organisation möglichst unabhängig von wirtschaftlichen Überlegungen ihrer jeweiligen Regierung (oder denen der „Geber“-Ländern im Falle der UN) ist.

  • Andreas Stasierowski sagt:

    Sehr geehrter Herr Preuß
    Auch wir Musiker/Innen haben ein großes Herz für notleide Kinder/Menschen. Jedoch sind unsere Einkünfte eher Bescheiden zu benennen. Von daher können Wir als Band nicht wirklich Geld spenden; jedenfalls nicht in einer Höhe, die dem Elend angemessen wäre.
    Jedoch haben wir zusammen überlegt, wie Wir (Musiker) helfen können, und uns an unseren „prominenten“ Kollegen/innen orientiert.
    Wir möchten Ihnen und ihrer Gesellschaft anbieten auf Veranstaltungen, Galaabenden o.ä. zu spielen, und auf unsere Gage verzichten.
    Das ist der Bereich, in dem WIR leben und uns wohl fühlen und WIR als Band etwas bewegen können.
    Da wir eine sehr etablierte Party- und Hochzeitsband sind brauchen Sie (als Veranstalter) auch keine Angst haben, das da eine „HilliBilli Kapelle“ erscheint
    Falls Sie Interesse haben, freuen wir uns auf eine spendenreiche Zusammenarbeit

  • Sonja Eberle sagt:

    Lieber Andreas,

    vielen Dank für Dein Angebot! Bitte schreib uns doch eine eMail an mitmachen@welthungerhilfe.de mit Deinen Kontaktdaten. Wir freuen uns schon auf die „spendenreiche Zusammenarbeit“ und auf Euren Auftritt!
    Lieben Gruß, Sonja Eberle

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