Aus aktuellem Anlass: Ehrlichkeit und Transparenz gehören zu den Pflichten einer Hilfsorganisation

Welthungerhilfe hat die Initiative zur Transparenz in der Zivilgesellschaft unterzeichnet!
Welthungerhilfe hat die Initiative zur Transparenz in der Zivilgesellschaft unterzeichnet!

In diesen Tagen, die für alle Spenden sammelnden Organisationen zu den wichtigsten im Jahr zählen, wird über Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von Spendengeldern berichtet. Da ist von hohen Provisionen an professionelle Spendensammler die Rede, vom großzügigen Ausbau eigener Liegenschaften oder von der üppigen Vergütung externer Berater. Das ist deswegen besonders schlimm, weil jede freiwillige Zuwendung an eine Hilfsorganisation einen großen Vertrauensvorschuss des Spenders voraussetzt.

Auf unserer Homepage haben wir dargestellt, wie die Welthungerhilfe mit den ihr anvertrauten Mitteln umgeht. Doch ich nutze diese öffentlichen Auseinandersetzungen dazu, auch in der Welthungerhilfe einige Fragen noch einmal – und vielleicht noch intensiver – zu stellen: Setzen wir uns wirklich offensiv genug mit den Fragen auseinander, die ja berechtigt sind? (Lesen Sie dazu: Wie sichert die Welthungerhilfe die korrekte Verwendung von Spendengeldern?) Glauben wirklich alle Spender, wie Stephan Hebel unter dem Titel „Hilfe, die Spendenjäger kommen“ in der Frankfurter Rundschau vom 30. November schreibt, dass „die Spendenindustrie aus lauter reinen Idealisten besteht“?

Okay: Seit Jahren liegen wir mit unseren Werbungs- und Verwaltungskosten im Vergleich mit anderen Organisationen ganz weit unten. Das Spendensiegel bescheinigt uns einen niedrigen Administrationsaufwand. Wir zahlen keine Provisionen an professionelle Spendenwerber. Wir schreiben die Aufträge aus. Wir bezahlen keine hohen Beratersätze; viele Gutachter und Berater arbeiten ehrenamtlich für uns. Für unsere Transparenz sind wir mehrfach mit Preisen und Zertifikaten ausgezeichnet worden.

Trotzdem bleibt: Um unsere Arbeit tun zu können, benötigen wir Geld. Da wir nicht als einzige Organisation auf dem „Spendenmarkt“ sind, gibt es einen Wettbewerb um den Spender. Da weder Plakatekleber noch Adresshändler ihre Dienste gratis feilbieten, wird dafür ein Teil der Einnahmen für Spendenwerbung verwendet. Wenn man als Organisation professionelle Dienstleistungen anbieten will – im Interesse der Spender, aber gerade auch im Interesse der Menschen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind – wird man Mitarbeiter, die einen guten Job abliefern, dafür angemessen bezahlen müssen. Und auch die Verwaltung kostet Geld.

Wir Hilfsorganisationen müssten gemeinsam eine Transparenzoffensive starten. Wir sollten ehrlich bezeugen, was wir unter „angemessenen Kosten“ verstehen und was nicht dazu gehört. Wir sollten zur Qualität unserer Arbeit stehen und deutlich machen, welchen Preis sie hat. Und wir sollten unsere Spender durchaus vor die Wahl stellen: Gut gemeinte, aber wenig nachhaltige Hilfe zum Billigtarif oder gute Arbeit zu einem anständigen Preis.

In diesem Sinne verbleibe ich mit den besten Grüßen,

Ihr Hans-Joachim Preuß

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3 Kommentare

  • S. Homann sagt:

    Ich finde es gut, dass Sie das Thema „Transparenz“ so offen ansprechen. Auch mir (als Spender) ist es wichtig, dass die Gelder dort ankommen, wofür sie gedacht waren.
    Ein (aus meiner Sicht) negatives Vorbild ist z.B. der „Berliner Tafel e.V.“, dem ich im Jahr 2004 eine Spende zukommen lies: Ich versuchte in den folgenden Jahren mehrmals vergeblich die Vorstandsvorsitzende dazu zu bewegen, den jeweiligen Jahresabschluss im Internet zu veröffentlichen, um die Verwendung der Spendengelder nachvollziehen zu können. Dies wurde jedoch bisher kategorisch abgelehnt; ergo habe ich keine weiteren Spenden mehr an diesen Verein gezahlt, obwohl ich den eigentlichen Zweck des Vereins für sehr unterstützenswert halte.

  • Jürgen Bettermann sagt:

    Spender Nr. 0070927086
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    1. beschäftigt die WHH auch sog. „fundraiser“?
    2. Die Werbung mit dem DZI-Siegel können Sie getrost vergessen. Echte Kontrollbefugnisse sind nicht gegeben. Bester Beweis: die unsägliche UNICEF-Geschichte hätte vor ihrem Bekanntwerden aus anderen Quellen viel früher den DZI-Leuten bekannt werden müssen!
    Mit freundlichen Grüßen
    Bettermann

  • Hans-Joachim Preuß sagt:

    Lieber Herr Bettermann,

    a) Die Welthungerhilfe beschäftigt in ihren beiden Fachgruppen “Unternehmenskooperationen, Großspender, Werbung” sowie “Fundraising” Fachkräfte, die für die “Mittelbeschaffung” verantwortlich sind: Ja, wir beschäftigen “Fundraiser”. Wir zahlen allerdings keine Provisionen, und wir schicken keine Drückerkolonnen durch die Wohngebiete.

    b) Das DZI ist bei der Vergabe des Spendensiegels auf die Informationen der Organisationen angewiesen. Wie die jüngsten Ereignisse aber gezeigt haben, entsprechen die Angaben nicht immer mehr der Wirklichkeit. Ob das DZI zukünftig selbst Kontrollen in den Organisationen durchführen soll, um die Angaben zu überprüfen – man wird nicht nur über eine Verschärfung der Kriterien nachdenken müssen, sondern vor allem auch darüber, wer das nachhalten soll. Trotzdem: Das Spendensiegel ist für viele Spendensammler offensichtlich schon jetzt eine hohe Hürde. Denn warum sind nur 230 von den vielen Tausend Organisationen überhaupt bereit, ihre Bücher zu öffnen?

    Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,

    Hans-Joachim Preuß

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