Bericht aus Kenia: Besuch beim Matinga-Damm in Kitui

Hunger und Wassermangel den Menschen in Kitui gut bekannt. Selbst in guten Jahren werfen die Felder keinen Überschuss ab.
Hunger und Wassermangel den Menschen in Kitui gut bekannt. Selbst in guten Jahren werfen die Felder keinen Überschuss ab.

Liebe Leserinnen und Leser,

zum letzten Mal berichte ich euch über meine Projektreise in die Dürregebiete von Kenia, denn Freitag war mein Abschiedstag im Distrikt Kitui und Montag ging es zurück nach Deutschland. Zwei Stunden fuhren mein Kollege Elijah Muli und ich über holprige Pisten, die man kaum Straßen nennen kann. Ganz durchgeschüttelt erreichten wir unser Ziel, das Dorf Kituti. Oder besser gesagt: das Shopping Center von Kituti, mit seinem kleinen Kaufladen, einem Hotel und dem Verwaltungsbüro. Hier wollten wir den Dorfrepräsentanten, den Chief, treffen und von ihm erfahren, wie die Wasserversorgung im Ort ist.

Der Chief war jedoch nicht im Büro, nur ein Verwaltungsbeamter saß an dem kleinen, abgenutzten Schreibtisch. Bevor wir das Anliegen unseres Besuchs erklären konnten, mussten wir uns erst einmal in das dicke Gästebuch eintragen. Das Gästebuch ist nämlich eines der wichtigsten Utensilien in den Verwaltungsbüros der Dörfer. Wir stellten uns kurz vor und fragten dann, wie die Situation im Dorf sei. Der Beamte gab uns eine Liste mit Erddämmen aus der Umgebung und dann hieß es schon wieder Abschied nehmen.

Wir begutachteten die Erdlöcher und fanden auch schnell, was wir gesucht hatten: Einen guten und robusten Damm, der eine hohe Menge Wasser stauen kann. Der Matinga-Damm bedarf nur weniger Reparaturen, um die ganze Umgebung mit ausreichend Wasser zu versorgen. In den fünfziger Jahren bauten ihn die Engländer und immer noch ist er sehr funktionstüchtig. Die Menschen aus den umliegenden Dörfern erzählen, dass er bis vor kurzem stets genug Wasser für 1.000 AnwohnerInnen gestaut hatte. Doch jetzt ist er verschlammt und läuft früher über. Wir machen ein Häkchen auf unserer Liste und beschließen, wie der Damm möglichst schnell und effektiv wieder in Schuss gebracht werden kann. Die Reparaturen werden die Frauen und Männer aus der Umgebung selbst durchführen – gegen Nahrungsmittel. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Den Wassermangel und den Hunger zu bekämpfen

Am Montag flog ich zurück nach Deutschland. Das Wetter in Kenia hat sich nicht geändert. Die kurzen Regenfälle waren weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein. Immer noch ist alles verdörrt und vertrocknet. Für uns Deutsche ist es schwer vorstellbar, dass Menschen unter solchen Bedingungen weiterleben, ohne die Hoffnung zu verlieren. Aber für die KenianerInnen hier auf dem Land gehören solche Dürren zum Leben.

Es ist traurig, aber Hunger und Wassermangel sind ihnen eher bekannt, als Zeiten des Überflusses. Selbst in guten Jahren werfen die Felder keinen Überschuss ab. Weg können sie auch nicht. Wovon sollen sie sich denn fern ihrer Heimat ernähren, ohne Land und Bildung?

Schreibt mir gerne, wenn Euch zum Thema etwas auf dem Herzen liegt,

Eure Birgit

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1 Kommentar

  • S. Meyer sagt:

    Ich erachte es als guten Ansatz, wie die Reparaturdurchführung ablaufen soll. Natürlich bleibt bei einer westlichen Erziehung die Frage offen, warum nicht jemand vor Ort selber auf die Idee gekommen ist, den Damm vom Schlamm zu befreien.

    Die westliche Sichtweise hat oftmals den Hintergedanken, dass viele Betroffene nicht nach Lösungen suchen, weil irgendwann mit Sicherheit jemand kommt und Lösungen / Hilfe mitbringt. Eine natürlich sehr einfache Sicht auf die Probleme vor Ort, vielleicht aber auch mit einem Körnchen Wahrheit in sich – nicht nur in Afrika sondern auch in vielen Bereichen der westlichen Welt.

    Letztendlich zeigt es aber auch, dass in so einem großen Land wie Afrika nicht nur Geld ein wichtiger Faktor für Entwicklungshilfe ist, sondern in erster Linie die fehlende Anzahl von ehrenamtlichen Helfern die vor Ort auf Probleme und deren oftmals einfache Lösungsmöglichkeiten hinweisen und notfalls auch so lange unterstützen bis eine (Dorf-) Gemeinschaft gelernt hat wieder durch eigene Kraft etwas aufzubauen.

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