Schulbank drücken und Brunnen bauen in Kenia

Schulbesuch in Bohoni, Kenia.
Schulbesuch in Bohoni, Kenia.

„Sawa Sawa“, seufze ich, als mich unser Fahrer Modashi mitleidig beim Aussteigen aus dem Jeep fragt, ob es mir gut geht. „Alles in Ordnung“ – diese Notlüge muss erlaubt sein. Und Modashi kann ja nun wirklich nichts dafür, dass wir nun seit drei Stunden auf einer Piste durch den Busch brettern, die die Bezeichnung „Straße“ nicht verdient hat.

Auf dem Weg zum Wassertank

Mehrmals ist mein Kopf gegen das Autoinnendach geknallt, denn Martha, Mitarbeiterin und Schulbeauftragte aus dem Welthungerhilfe Büro im Bezirk Tana, hat neben mir auf der Rückbank dem Fahrer des vollbesetzten Jeeps ordentlich Dampf gemacht. Sie weiß genau, was sie will: Schnellstmöglich zu dieser Grundschule, an der heute die Bauarbeiten zu einem nagelneuen Wassertank beginnen. Tana möchte wissen, wie viele Eltern mithelfen werden.

Denn so lautet die Absprache: die Welthungerhilfe stellt Baumaterial, vermisst das Gelände und wartet die Anlage nach Fertigstellung – bauen allerdings müssen die Eltern der Schulkinder. Wir biegen um die Ecke des langen Schulgebäudes und unsere Welthungerhilfe Crew bleibt zunächst einfach verblüfft in einiger Entfernung stehen. Uns bietet sich ein erstaunliches Bild: Es ist 14 Uhr am Nachmittag bei rund 30 Grad Mittagshitze und rund 30 Erwachsene stehen in und um die Baufläche des Wassertanks – die Väter sind bereits hüfttief in ihrem großen Grabungsloch verschwunden. Die Mütter sitzen und stehen gespannt am Rand des Tankloches und geben immer wieder Tipps – zeigen auf große Steine oder feuern ihre Männer an.

Sie scheinen sich kaum für uns zu interessieren. Der Schulleiter begrüßt uns nun herzlich, die Eltern aber unterbrechen Ihre Bauarbeiten keine Sekunde. Wirklich erstaunlich, wie weit sie an nur einem Vormittag mit ihren Vorbereitungen bereits gekommen sind. Unsere Mitarbeiterin Martha grinst nun sichtlich erleichtert und endlich gehen auch wir näher ans Geschehen. Sie und die Programmmanagerin Melanie aus dem Regionalbüro in Nairobi sind sich einig: die Eltern dieser Schüler sind top motiviert. In der nächsten Woche werden die Steine und der Beton geliefert, bis dahin haben die Eltern, wenn sie dieses Tempo halten, ganz locker ihre Grabungen beendet – die Bauarbeiten sind genau im Zeitplan. Bis in einem Monat wird an dieser Stelle ein Wassertank gebaut sein – überpünktlich zur Regenzeit, die Anfang März beginnt.

Schließlich: Noch ein Schulbesuch in Bohoni

An diesem Tag – einer der letzten meines Aufenthaltes hier in Kenia lerne ich noch einen Schüler kennen: Salim Ego Hassan ist 16 und besucht die 7. Klasse der Grund- und Hauptschule Bohoi. Sein Lieblingsfach ist Science – also Naturwissenschaftzen, zurzeit lernt er begeistert mehr über lokale Tierarten und alles über mögliche Gefahren, unter anderem die Tse Tse Fliege. Salim möchte Arzt werden und ab nächstem Jahr die 30 Kilometer entfernte Highschool in Hola besuchen – obwohl er dann bei Verwandten wohnen muss.

Die Schule in Bohoni besuchen 450 Schülerinnen und Schüler, davon 50 Kinder von Familien, die aufgrund der Unruhen im Süden des Bezirks erst in den letzten sechs Monaten zugezogen sind. Stolz führt mich der Schulleiter noch zum Wassertank, der hier im letzten Jahr pünktlich zur Regenzeit errichtet wurde. Die Kinder dürfen morgens vor dem Unterricht und zur Mittagszeit selbst Wasser zapfen. Auch der Schulkoch benutzt den neuen Tank, um für die Mittagszeit Mais, Bohnen oder Reis zuzubereiten.

Nach so einem Tag steige ich zwar nicht gerne wieder in den Jeep – aber ich muss sagen – die Besuche haben sich gelohnt!

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