„Business as usual“ ist keine Option – Entwicklungspolitik unter der Lupe

Grafik: Leave no one behind

Leave no-one behind – niemanden zurücklassen! Das ist das Jahresthema, dass die UN zum Auftakt der Agenda 2030 definiert haben. Bis 2030, also in weniger als 15 Jahren, soll unsere Welt eine andere sein: nachhaltig und die planetaren Grenzen, die einst der Club of Rome aufzeigte, respektierend. 17 Ziele wurden dazu definiert. Um diese, mit all ihren Unterzielen auch zu erreichen, bedarf es nicht weniger als einer Transformation unseres bisherigen Handelns. „Business as usual“ ist keine Option, so die UN selbst.

Die Regierungschefs aller Staaten haben die Agenda 2030 unterschrieben und damit auch ihren Bürgern ein Versprechen auf eine nachhaltige Zukunft gegeben.

Der neue Kompass 2030 schaut der Bundesregierung auf die Finger und in die Karten: Wie hält sie es mit der Umsetzung dieses Versprechens? Und insbesondere: Wie unterstützt sie die Länder des Globalen Südens dabei,  und – das ist neu – wie kohärent sind ihre sonstigen Politiken dazu? Kleinbauern fördern auf der einen Seite und mit unseren Agrarüberschüssen lokale Märkte kaputtmachen – dies soll dann nicht mehr vorkommen.

Leave no one behind. Wer sind die Zurückgelassenen?

Fünf Handlungsfelder haben wir uns mit Terre des Hommes gemeinsam ausgesucht, weil sie für das zentrale Thema „Leave no one behind“ besonders wichtig sind. Aber wer sind denn die Zurückgelassenen?

Da sind zum einen die Länder, die als fragil, mit geringem Einkommen und am wenigsten entwickelt bezeichnet werden. Sie sollten eigentlich im Zentrum der Entwicklungszusammenarbeit stehen. Aber komischerweise ist genau das Gegenteil passiert: Seit 2010 ist der Anteil der offiziellen Gelder, der an sie geht, gesunken. Das muss sich ändern, fordern wir nachdrücklich! Damit erinnern wir die Bundesregierung eigentlich nur an ihr eigenes Versprechen des Gipfeltreffens in Accra.

Grafik: Chronischer Hunger - Entwicklung und Prognose 1990-2030

Zum anderen, und für mich viel wichtiger, sind es die Menschen. Da ist die große Gruppe der kleinbäuerlichen Familien, die das Gros des ärmsten Fünftels eines Landes ausmachen. Sie hungern, ihre Kinder leiden viel häufiger an Mangelernährung und oft nennen sie nicht mal das Stückchen Land ihr Eigen, das sie eigentlich ernähren soll. Wenn sie dann noch fern der Straßen, in marginalen Gebieten leben und so nur schwer Zugang zu Gesundheit, Bildung und Markt haben, dann wird klar: Es müssen besondere Anstrengungen unternommen werden, diesen Menschen, vor allem Frauen und Kindern, Perspektiven zu eröffnen.

Deutschlands finanzieller Beitrag zur Hungerbekämpfung = mittelmäßig

Die Unterstützung beim Aufbau sozialer Sicherungssysteme ist ein guter Weg – wir wollen viel mehr davon sehen. Die Sonderinitiative Eine Welt ohne Hunger des BMZ ist wichtig – aber sie muss genau diese Menschen in den Mittelpunkt stellen. Denn wenn alle so weitermachen wie bisher, verfehlen wir das Ziel „Zero Hunger in 2030“ um glatte 653 Millionen Menschen (nach Berechnungen von FAO, IFAD und WFP).Kompass2030-Top-10-Entwicklungshilfe-Welthungerhilfe-blog-1050x660

Die Geschwindigkeit der Hungerreduktion muss sich verdreifachen, wenn wir das wirklich schaffen wollen. Das geht nur mit mehr politischem Willen und deutlich mehr Mitteln. Aber auch da müssen wir wohl die Regierung erneut an ihr Versprechen (aus den 70er-Jahren!) erinnern, das 0,7%-Ziel verbindlich zu machen, statt erneut, diesmal auf 2030, zu verschieben.

Und diese Mittel, immerhin Steuergelder, müssen natürlich gut eingesetzt werden. Doch da ist Deutschland längst nicht so gut, wie vielleicht angenommen. Im internationalen Vergleich der Geberländer ist Deutschland nur im Mittelfeld. Warum nicht von andern Ländern, die es besser machen (wie Schweden, Dänemark oder Irland) lernen?

>> Themenseite zum Kompass 2030

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12 Kommentare

  • T.G. sagt:

    Was Sie schreiben mag schon alles richtig sein.
    Aber wenn WIR warten, bis Regierungen etwas für die Umwelt und den Hunger tun, dann werden es wohl wirklich noch die über 600 Jahre dauern.
    Was mich an den ganzen Aktionen stört ist, dass immer noch zu wenig bekannt gemacht wird, dass für die Zerstörung der Umwelt und für das Leid in der Welt jeder einzelne sofort enorm etwas beitragen kann: weniger Fleisch und Milch/produckte essen. Scheinbar ist die Angst vor der Lobby so dermaßen groß, dass man davon in den Medien immer noch zögerlich davon hört. Jeder einzelne ist dafür verantwortlich mit jedem Bissen Fleisch, dass der Regenwald abgeholzt wird, gigantisch große Flächen mit gentechnisch verändertem Soja angebaut wird, das mit Roundup gespritzt wird, welches die dortigen Bauern vergiftet und welches dann auch nach Deutschland exportiert wird um an Tiere verfüttert zu werden.
    Die landwirschaftiche Fläche weltweit würde bei weitem reichen um alle Menschen der Erde satt zu machen. Aber wir verfüttern das Essen lieber an die Tiere, die weit mehr brauchen als wir Menschen.
    Für mich gibt es keine Ausreden mehr und es steht fest, dass die Macht bei den „Kleinen“ liegt. Zusammen können wir viel bewegen.
    Ich würde mich feuen, wenn Sie das auf Ihrer Seite auch weiter puplizieren und kommunizieren würden.

    • Richard Haep sagt:

      Lieber Herr Gluschke,
      vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben vollkommen recht, dass wir umsteuern müssen, um die Agenda 2030 umzusetzen. Und natürlich auch um den Hunger auf der Welt zu beseitigen.
      Ich finde auch, dass jeder als Privatperson etwas tun kann, um daraufhin zu wirken. Und Sie geben gute Beispiele, was das sein kann. Und wenn viele das tun, dann bewegt sich auch was. Über ein anderes, sehr schönes Beispiel aus Peru berichte ich übrigens hier: https://www.youtube.com/watch?v=PaLm712F-q0

      Für mich ist das aber nur eine Seite der Medaille, denn wir leben ja in einer globalisierten Welt, in der die Dinge miteinander verknüpft sind. Also z.B. verursacht der CO2-Ausstoß der Industrieländer ja überall Klimawandel, wenn schmutziges Geld aus Korruption und Steuerflucht sichere Häfen in anderen Ländern findet und dann eben kein Geld für das Gesundheitssystem im Land X da ist. Da sind Regierungen gefragt, internationale Vereinbarungen und Lösungen zu finden. Und auch Unternehmen müssen natürlich ihren Teil beitragen und den – oft noch unzureichenden – internationalen Regelungen folgen. Kohärenz nenne ich das- und einiges dazu steht im Kompass 2030 auf den diese Seite verweist.

      Was wir da als einzelne Personen tun können, ist uns zu organisieren und unsere Forderungen gegenüber der Politik zu artikulieren. Auch hier können wir „zusammen viel bewegen“, wie Sie schreiben. Und auch „Think globally-act locally“ hat nichts von seiner Aktualität verloren. Gerade komme ich aus dem Bundestag, wo der Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit, über Agenda 2030 und deutsche Nachhaltigkeitsstrategie mit Vertretern von der kommunalen Ebene, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sehr kontrovers diskutiert hat (http://www.bundestag.de/presse/hib/201611/-/482958) . Auch das ist Teil unser (oft mühsamen) Arbeit, die notwendigen politischen Veränderungen einzufordern. Und das tun wir nicht nur in Deutschland, sondern auch mit vielen Partnern auf europäischer Ebene und in unseren Partnerländern. Danke also nochmal für Ihre Unterstützung!

      Richard Haep

  • Maria Tepperwien sagt:

    Die Not und der Hunger in der Welt werden erst aufhören, wenn nicht einige Wenige, ärmere Länder mit großen Vorkommen an Ressourcen, in ihrer Gier völlig zerstören und destabilisieren. Wir brauchen keine neuen Versprechungen und keine neuen Verträge. Es reicht aus, wenn alle Länder, die UNO Charta befolgen würden. So lange, wie einige Länder gleicher sind als andere, und sich das Recht herausnehmen mit Aggression und Ausbeutung andere Länder zu dominieren, wird der Hunger und die Not der Menschen weitergehen.
    1953 Putsch im Iran, Verursacher Großbritannien und USA, wie sollte Europa ohne iranisches Öl auskommen ? Wollte doch der Iran frecherweise eine fairere Verteilung der Gewinne.
    19 54 Putsch in Guatemala, Verhinderung der Landreform, die landlosen Bauern eine Existenzgrundlage gebracht hätte. Chiquita und Co. hatten andere Vorstellungen. Die Unterstützung der UNO wurde durch das Veto Recht der USA im Weltsicherheitsrat verhindert. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.
    Es ist auch richtig dass jeder dazu beitragen kann aber es reicht nicht, kein Fleisch zu essen. Das ist nur ein kleiner Teil. Solange wir mit billigen Agrarexporten, die Landwirtschaft Afrikas zerstören, solange auch unsere Regierung an Waffenexporten Milliarden verdient, werden Krieg und Zerstörung nicht aufhören und der Hunger nicht aus der Welt geschafft werden.

  • Richard Haep sagt:

    Liebe Frau Tepperwien:

    Ich danke für Ihren Kommentar. Und ich wollte, ich könnte Ihnen aus vollem Herzen widersprechen, dass die Welt heute, mehr als 50 Jahre nach dem Putsch in Guatemala (einem von vielen) eine andere ist. Dass es nicht nur einen von allen Staaten akzeptierten Rechtsrahmen gibt (und damit internationale Gerichtshöfe aus Mangel an Arbeit aufgelöst wurden), sondern auch eine am Gemeinwohl aller Menschen und des Planten orientierter Welt-Innenpolitik, die Richtlinienkompetenz für das Handeln der Regierungen hätte. Allein, es ist nicht so. Was anders ist, ist das die Welt heute nicht mehr ganz schwarz-weiß (gut-böse/ Ost-West bzw. Nord-Süd) eingeteilt werden kann wie früher, es ist unübersichtlicher und komplexer geworden. Das macht es nicht einfacher, Lösungen zu finden, und einfach sind die meisten schon gar nicht. Aber die Agenda 2030 (hier finden Sie die deutsche Fassung: http://www.un.org/depts/german/gv-70/a70-l1.pdf) hat das Zeug dazu, zu den großen Leitlinien für eine neue Welt-Innenpolitik zu werden und auch, unsere Prioritäten in Deutschland und der EU neu zu ordnen.

    Dafür müssen wir die Agenda 2030 kennen, ernst nehmen und dafür sorgen, dass sie auch umgesetzt wird: lokal, national und international. Denn die Staats- und Regierungschefs alle Länder haben sie ja unterschrieben.
    Jetzt müssen sie den Worten auch Taten folgen lassen. Und wir müssen Ihnen auf die Finger schauen, ob sie das auch tun!
    Danke, dass Sie uns darin bekräftigen!
    Herzlichst

    Richard Haep

  • Rainer Gruszczynski sagt:

    „Wenn Entwicklungshilfe ihre Ziele erreicht hätte, würden wir heute darüber diskutieren, wie man sie auslaufen ließe. Aber das Gegenteil ist der Fall: Sie soll erhöht werden.“ (Bonner Aufruf Kölner Memorandum 2016).

    Ich war früher ein engagierter Verfechter der 0,7%-Forderung. Inzwischen bin ich auch aufgrund vieler eigener negativer Erfahrungen der Meinung, dass zuwendungsbasierte Entwicklungshilfe die Unterentwicklung nährt, statt sie zu beseitigen. Immer wenn in Afrika Geld fließt, sind Korruption und Betrug nicht weit. Auch deswegen fordern spätestens seit Axelle Kabou (1993) viele afrikanische Experten die Einstellung der Entwicklungshilfe. Ich schließe mich dem Statement von James Shikwati (2012) an:

    „Wer Afrika helfen will, darf kein Geld schicken.“

    Ein kleiner Ausschnitt von Begründungen für die Forderung, zuwendungsbasierte Entwicklungshilfe einzustellen:
    – Zuwendungsbasierte Entwicklungshilfe führt dazu, dass die Betroffenen auf Hilfe warten statt eigene Initiative zu entwickeln. Darüber schläft auch ihre Kreativität zur Lösung eigener Probleme ein.
    – Die Zahlung von Entwicklungshilfegeldern erschwert einen Mentalitätswandel bei den Afrikanern: Nicht wir müssen uns aufgerufen fühlen, Lösungen für die Probleme der Afrikaner zu finden, sondern die Afrikaner selbst. Vor allem die afrikanischen Eliten, die es sich allerdings unter den Bedingungen der Entwicklungshilfe heute noch erlauben können, dem Volk nur mangelhaft oder gar nicht zu dienen.
    – Afrikanische Regierungen müssen ihre Hausaufgaben machen. Statt ihre Haushalte durch Entwicklungshilfegelder zu finanzieren und nebenbei die privaten Taschen der staatlichen Akteure zu füllen – es gibt keine wirksame Kontrolle staatlicher Ausgaben, weil funktionierende unabhängige Rechnungshöfe fehlen! – sollte z.B. ein effizientes Steuersystem in afrikanischen Ländern aufgebaut werden. Bürger, die Steuern zahlen, würden mehr Transparenz bei staatlichen Einnahmen und Ausgaben verlangen, als es heute der Fall ist. Darüber hinaus sollten die afrikanischen Regierungen die Rahmenbedingungen für die Zivilgesellschaften ihrer Länder auch so weit verbessern (vor allem Rechtssicherheit!), dass Investitionen ins Land kommen, durch die in Afrika Arbeitsplätze entstehen.
    – Allgemein: Afrika ist ein an begehrten Rohstoffen reicher Kontinent, auf dem der politische Wille fehlt, die Bevölkerung am Reichtum teilhaben zu lassen. Stattdessen verlassen jedes Jahr mehr Euro den Kontinent, als ihm durch Entwicklungsgelder zufließen. Erst wenn die afrikanischen Regierungen trotz ernsthafter, durch einen politischen Willen unterlegter Versuche (good governance!) nicht in der Lage sind, die Probleme dort aus eigener Kraft zu lösen, sollte Hilfe von außen angeboten werden – falls sie denn gefordert wird. Aber auch dann sind nur solche Lösungen zu unterstützen, die von Kultur und Traditionen der afrikanischen Länder ausgehen und die Bevölkerungen mitnehmen. – Wenn Gelder fließen, müssten sich afrikanische Projektträger – staatliche oder privat initiierte, wie z.B. NGOs – in jedem Falle einer externen Kontrolle stellen (Evaluationen, Audits), wobei die Kontrolleure von den Geldgebern ernannt werden. Eine solchen Erfolgskontrolle sollten sich aber auch die deutschen Partner / Geldgeber stellen müssen. Denn auch dort fehlen valide Beurteilungen von Projekterfolgen.
    Rainer Gruszczynski (05.02.2017)

  • Volker Seitz sagt:

    Das Samariterverhalten des Nordens schwächt oder zerstört nach meinen langjährigen Erfahrungen in 7 Ländern Afrikas die Anreize der Empfänger zu eigenen Anstrengungen. Mit dem Dauermitleid verstärken wir nur eine Sozialhilfementalität. Das bestätigen mir immer wieder afrikanische Freunde. Die Entwicklung in Asien und Südamerika hat gezeigt, dass „mangelnde Mittel“ nicht das Hauptproblem bei der Entwicklung Afrikas sind. So auch die Halbschwester des ehemaligen US Präsidenten Obama, Auma Obama, in einem Interview mit Focus-Online: „Ich habe nichts gegen Philanthropie. Aber sie kann manchmal eine Hürde für eine wirklich nachhaltige positive sozio-ökonomische Entwicklung sein. Um benachteiligte Menschen langfristig und nachhaltig zu unterstützen, darf man sie nicht in finanzielle Abhängigkeit bringen“

  • Horst Zimmermann sagt:

    Horst Zimmermann

    Ich bin kein Afrika Kenner und kein Entwicklungshilfe Experte. Die Entwicklungshilfe direkt an Staaten, z.B. BRD an Uganda sollte ganz eingestellt, stattdessen die staatliche Entwicklungshilfe direkt an Projekte in dem Staat gehen oder an z. B. die Welthungehilfe, Misereor usw. gehen. Dann könnten auch weniger Waffen gekauft und Korruption eingschränkt werden.

  • Felix Emrich sagt:

    Vielen Dank für den informativen Artikel zu einem sehr wichtigen Thema (crucial!) sowie die hilfreichen Kommentare, deren Bedenken ich teils auch teile.
    Angesichts der Wichtigkeit dieses Thema habe ich die Agenda 2030 gelesen und möchte nur eine weitere Anfrage stellen: Die nach der Größe dieser gemeinsamen, von einer umfassenden Vision getragenen, weltweiten Kraftanstrengung.

    Dazu zwei kurze Zitate aus der Agenda. In der Präambel heißt es:
    „Wenn wir unsere Ambitionen in allen Bereichen der Agenda verwirklichen können, wird sich das Leben aller Menschen grundlegend verbessern und eine Transformation der Welt zum Besseren stattfinden.“
    und später (Nr. 7)
    „Unsere Vision:
    Diese Ziele und Zielvorgaben sind Ausdruck einer äußerst ambitionierten und transformativen Vision. Wir sehen eine Welt vor uns, die frei von Armut, Hunger, Krankheit und Not ist und in der alles Leben gedeihen kann. Eine Welt, die frei von Furcht und Gewalt ist….“

    Als Pazifist bin ich getragen von einer Vision – als Christ aber kann ich mich dabei nicht dem Eindruck erwehren, dass entweder das Ziel bzw. die Ziele bewusst in extreme Höhen geschraubt wurden, um wenigstens annähernde Ergebnisse zu erzielen – oder aber, und das wäre schlimmer, letztlich eine Selbstüberschätzung des Menschenmöglichen zu befürchten ist.

    „Eine Welt, die frei von Furcht und Gewalt ist“… – ja, in diese Richtung sollten wir gemeinsam arbeiten. Erreichen werden wir diese dennoch nicht. Denn eine solche Welt ist Ausdruck der höchsten Sehnsucht des Menschen nach Frieden und Ganzheit, die eigentlich nur Gott stillen kann.

    So gründet sich diese visionäre Formulierung der Agenda 2030 (neben anderen) auch auf den großen Visionen der Bibel, die eben die neue Welt als Wirken Gottes erhoffen.
    Ich nenne nur
    – Jes 21,4: …und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. („das Erste“ steht für den ersten Himmel und die erste Erde, vgl. Vers 1)
    und aus dem Ersten Testament bzw. dem jüdischen TaNaCH:
    – Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land ist voll Erkenntnis des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt. (Jes 11,9).

    Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte für eine recht verstanden Demut plädieren, um vor der titanischen Aufgabe die sich Menschen hier gestellt haben, nicht verzagen zu müssen.
    Ich bin mir bewusst, dass der Beitrag der Religionen, aller Religionen zum Prozess von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung größer ausfallen soll – und hoffentlich wird.
    Und sehe durchaus den eigenen Anteil, den jeder und jede von uns verantwortet – eben in dem Lebens- und Arbeitsfeld, in dem er sich bewegt und wirkt.
    Aber auch der Sabbat, die schöpferische Ruhe und das Kraft tanken sind wichtig, nicht nur das Tun und Wirken, dessen Wirkungen eben nicht völlig in unserer Hand sind. Im Erntedanklied von Matthias Claudius heißt es:
    „Er sendet Tau und Regen und Sonn und Mondenschein
    und wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein
    und bringt ihn dann behende in unser Feld und Brot
    es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“
    (ob es keinen „Er“ mehr gibt in dieser UNO-Agenda, weil mensch sich nicht einigen kann, wie dieses Gegenüber genannt und gedacht werden kann? Gott als Opfer falsch verstandener Pluralität…).

    F. Emrich

  • Dieter Schmid sagt:

    Die Zusammenhänge, wie unsere sog. Weltwirtschaft und vor allem die Finanzindustrie die Plünderung unseren Planeten vorantreiben gehören blosgestellt. Und zwar zur besten Sendezeit und nicht nur in gelegentlichen Dokus um Mitternacht.
    Es muss jedem klar sein, dass es die Fehler und Mechanismen in diesem System sind, die diese Auswirkungen bedingen. Aber auch, dass dies keine gottgegebenen Naturkonstanten sind, sondern dass wir sehr wohl in der Lage wären, die Parameter dieses Systems zu verändern. Hin zu einer Gemeinwohlwirtschaft von der alle profitieren, nicht nur eine unanständig reiche Minderheit.

  • Peter Focke sagt:

    Afrika steht plötzlich im Interesse von Investoren – mit Unterstützung mit Entwicklungshilfe-
    geldern und Krediten bzw Hermes Bürgschaften der KfW können diese Projekte in öffenlich -privater Partnerschaft von den Investoren bei geringem Risisiko und hohen, kurzfristigen Gewinnerwartungen durchgezogen werden. Kollateralschäden entstehen dabei , dass Kleinbauern von ihren seit Jahren bebauten Feldern vertrieben werden , damit Konzerne diese in großem Stil extensiv bewirtschaften können. Bestenfalls können die Bauern dann
    als Landarbeiter zu Löhnen von 2 $ pro Tag arbeiten.
    Der G 20 Gipfel ist geplant als der Start für einen Aufbruch der Investoren unter dem Deckmantel der Entwcklungshilfe. Es gibt kritische Stimmen dagegen und auch einen
    hervorragenden Dokumentarfilm zu dem Thema . Es wäre schön , wenn auch die
    Welthungerhilfe auf diese künftgen Problemfelder hinweisen würde – in Afrika gibt es
    z.B hervorragende Baumwolle von Kleinbauern – leider ist sie am Weltmarkt nicht
    als Qualitätslabel erhältlich – so werden auf Großplantagen Projekte mit Billigbaumwolle
    mit Unterstützung der Regierungen initiiert.

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