Rio+20: Das ist nicht die Zukunft, die wir wollen!

Bauern in Mali leiden unter der Dürre.
Bauern in Mali leiden unter der Dürre.
Das Abschlussdokument lag bereits vor dem Ende der Rio Konferenz auf dem Tisch. Gut gemacht, sagen unsere Umwelt- und Entwicklungshilfeminister, gut verhandelt und ein Bravo der brasilianischen Verhandlungsleitung. Doch was als Ergebnis vorliegt, ist ein Trauerspiel und kann eigentlich nur der Tatsache geschuldet sein, dass die Dynamiken zwischen absteigenden Großmächten wie den USA und der EU und aufsteigender Schwellenländer wie China und Indien kein konstruktives Verhandeln mehr ermöglichen.

Das Dokument will eine Vision von nachhaltiger ‚grüner‘ Entwicklung oder zumindest von nachhaltigem Wirtschaften formulieren. Aber es werden keine Prioritäten gesetzt. Es wird nicht unterschieden zwischen Investitionen in Ernährungssicherung, dem Schutz natürlicher Ressourcen oder der Stärkung der Wirtschaftskraft einerseits oder in Industrieanlagen, Hochhäuser oder riesige Plantagen andererseits. Neue Herausforderungen wie die zunehmende Konkurrenz zwischen Nahrungsmittel- und Energiepflanzenanbau werden erst gar nicht thematisiert.

Es ist schlichtes, grüngewaschenes Wirtschaftswachstum, das uns kurzfristig aus den diversen Krisen holen soll. Eine zukunftsweisende Vision, die erkennen lässt, wie die Menschheit den Erhalt von Wohlstand und die Überwindung von Hunger und Armut mit Ressourcenknappheit, Klimawandel, Bevölkerungswachstum in Einklang bringen will, ist nicht zu erkennen. Die Politik versagt und wir überlassen die Rettung der Welt den Banken, Agrarmultis und Energieriesen.

Der Abschlusstext ist nicht mehr als eine Zusammenstellung bereits bestehender Vereinbarungen und Zielsetzungen, von denen die griffigsten gar nicht mehr erfüllt werden können, wie z.B. die Quoten für die Zusagen der ODA, der öffentlichen Entwicklungshilfe, oder die Einhaltung der Millenniumentwicklungsziele bis 2015. Wenn das die Ergebnisse von einem Jahr Verhandlungsvorbereitung sind, sind wir auf einem schlechten Weg. Mehr copy und paste aus bestehenden Vereinbarungen der UNO hätte ein Wiederkauen verhindern können. Präsidenten und Minister hätten dann in Rio Zeit gehabt, über zukunftsfähige Visionen zu verhandeln und über Meilensteine und konkrete Zielvereinbarungen zu entscheiden. Verantwortungslos langsam ist der globale Verhandlungsprozess zur Nachhaltigkeit – damit können Politikerinnen und Politiker nicht zufrieden sein,  denen nachhaltige Entwicklung wirklich wichtig ist. Wir sind es jedenfalls nicht.

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3 Kommentare

  • Angela Kolbe sagt:

    Man will einfach die Wende zu einer grünen Weltwirtschaft; man will den Verbrauch von Öl, Kohle und Gas eindämmen.

    Es gilt nach wie vor: Nachhaltigkeit in den drei Prioritäten ökologisch, ökonomisch und sozial ist nur zu haben, wenn sie global umgesetzt wird. Die Enttäuschung über die Ergebnisse von Rio+20 auf politischer Ebene waren daher vorprogrammiert – dabei ist dieses Mal zumindest eine Abschlusserklärung zu Stande gekommen.

    Die enttäuschten Hoffnungen auf verbindliche Vereinbarungen bei Rio+20 sind jedoch kein Grund zu Fatalismus und Schwarzmalerei, da Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft in vielen Bereichen bereits viel weiter als die internationale Politik sind. Die treiben das Projekt Nachhaltigkeit an. Die Zukunft, die wir wollen, bestimmt nur selten eine internationale Konferenz. Aus rein politischen Kreisen sollten keine Impulse erwartet werden. Es sind auch andere engagierte Kräfte am Werk, die die Zukunft mit Köpfchen gestalten. Das war auch schon vor 1992 der Fall.

  • Cranny sagt:

    Ich bin der Meinung, das es eine Rechnung geben muss die eine globale Veränderung mit einbezieht. Unser Profit ist der Nachteil auf der Südhalbkugel.. Das ist nicht nur im wirtschaftlichen zu sehen. Danke für den aufschlussreichen Artikel.

  • Wolfgang Best sagt:

    Grundsätzlich gehe ich davon aus dass bei allen Betrachtungen über das globale Klima die Tatsache nicht vergessen werden darf dass wir über die „Kippschalter“ wenig bis garnichts wissen. Es ist daher im Bereich des Denkmöglichen dass die „Kippschalter für eine Klimawende in die andere Richtung bereits umgelegt wurden oder werden. Wenn es zu einer Renaissance der Kernenergie kommen sollte würde mich das nicht wundern. Ich bin im Übrigen durchaus für die Abschaltung aber nur weil heutige Anlagen nicht als sicher gelten können. Kernkraftwerke können, wenn man bereit ist Geld in die Hand zu nehmen, so sicher gebaut werden dass „nach menschlichem Ermessen“ wenig bis garnichts passiert. Man muss es nur wollen. Die Aussage „nach menschlichem Ermessen“ gilt im Übrigen für alle von Menschen gefertigte Technik oder Konstruktionen. Nur, bei allem Verständnis für die berechtigten Befürchtungen der Menschen. Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima, der Fehler war die Bauweise und Sicherheitskonzeption nicht die Nutzung der Kernenergie an sich.
    Wolfgang Best

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