Das Wichtigste zuerst: Nahrung und ein Dach über dem Kopf für Flutopfer in Pakistan

Wolfgang Jamann in Pakistan
Wolfgang Jamann in Pakistan

Hundert Tage sind seit dem Einsetzen der massiven Monsun-Regenfälle in Pakistan vergangen. Ich bin für ein paar Tage in das Katastrophengebiet gereist, um mir selbst ein Bild von der aktuellen Lebenssituation der Menschen und unserer Arbeit vor Ort zu machen. In der schlimm verwüsteten Region Mussafarghar im Punjab sind nicht nur viele Häuser und Straßen zerstört sondern auch die Ernten wurden weggespült. Hier versorgt die Welthungerhilfe derzeit an zwei Verteilstationen etwa 140.000 Menschen, die durch die Flut alles verloren haben, mit Lebensmitteln. Das läuft so gut, dass Projektleiter Mike Bratzke und Nothelfer Jürgen Mika mit ihren Hilfspaketen zukünftig drei Verteilstationen ansteuern können. So können wir täglich etwa 2.000 Menschen helfen.

Wir Gäste aus Deutschland wurden liebevoll mit selbstgemalten Plakaten begrüßt und mit Rosenblättern bekränzt. Alle sind dankbar, dass zumindest ihre Mägen nicht mehr knurren.  Besonders freut es mich, dass viele Frauen die Rationen Öl und Getreide selbst abholen. Überleben der Familie ist längst nicht mehr Männersache, alle müssen anpacken. Denn nur gemeinsam können die Menschen die vielen Dinge bewältigen, die zu tun sind.

Allein die Reparaturarbeiten an den Häusern kosten viel Zeit und Mühe. Wir haben den Bauer Ashraf Masoud kennengelernt, der  uns sein zerstörtes Haus gezeigt hat. Mit tatkräftiger Hilfe der Nachbarn konnte er immerhin schon die Wasserpumpe wieder instand setzen. Auch ein Stück Dach hat er schon repariert – dafür reichten die 20.000 Rupien Entschädigung der Regierung gerade aus.  Aber nun schlafen sechs Personen in dem kleinen Raum auf dem bloßen Boden.

Es hat schon wieder geregnet und die Temperaturen fallen. Deshalb hat die Instandsetzung der Häuserdächer nun erste Priorität. Für die  Zwischenzeit wird die Welthungerhilfe in den nächsten Wochen große Plastikplanen verteilen, mit denen die gröbsten Löcher gestopft werden können. Im Punjab muss nun schnellstmöglich der Wiederaufbau voran getrieben werden.

Im Süden, in der Provinz Sindh, sieht das noch anders aus. Hier sieht es noch immer so als, als hätte die Flut erst gestern begonnen. Kilometerweit steht das Wasser, so berichten Kollegen. Und immer noch werden mit Hubschraubern und Schlauchbooten eingeschlossene Dörfer mit dem Überlebensnotwendigen versorgt. Eine Million Menschen lebt dort in Flüchtlingslagern. An Wiederaufbau ist noch nicht zu denken. Es ist ein Disaster – das Wasser steht in der Tiefebene und kann nicht abfließen. Man muss warten, bis es langsam versickert oder verdunstet. Eine unerträgliche Vorstellung: In dem brackigen Wasser brüten Mücken, die Malaria und das Dengue-Fieber verbreiten. Immer mehr Menschen erkranken an  Durchfall und es gibt bereits einige Cholerafälle. Die Angst vor Seuchen wächst.

Als ob das nicht genügend schlechte Nachrichten aus Pakistan sind,  steht im zerstörten Norden der Winter vor der Tür. Hier ist das Wasser zwar schon weg, aber die Straßen, Häuser und Brücken sind zerstört. Die Hilfe erreichte die Menschen hier im Swat Tal und in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa nicht. Tausende sind zu Fuß unterwegs um Nahrung zu suchen. Und auch hier sind ein Dach über dem Kopf, warme Decken und Matratzen dringend notwendig, denn bereits jetzt sinken die Temperaturen unter zehn Grad –  und es wird noch kälter werden.

Die Welthungerhilfe und unsere europäischen Partner der Alliance 2015 sind in all den genannten Regionen aktiv. Die Pakistanis helfen mit, und werden durch lokale Partner mit unterstützt. Es geht sichtbar voran, aber die Herausforderungen sind immens. Denken Sie mit uns an die Menschen in Pakistan, jetzt, wo es auch bei uns kälter wird. Die Flutkatastrophe in Pakistan dauert an. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

Es grüßt Sie herzlich aus Pakistan
Ihr
Wolfgang Jamann

Bewerten Sie diesen Artikel: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Bewertungen)
Loading...

1 Kommentar

  • Konrad H. TP.org sagt:

    Wirklich eine schlimme Situation, in der sich die Menschen dort befinden. Schade das die Berichterstattung in den Medien bzgl. dieser Thematik so schnell wieder „eingeschlafen“ ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Ihren Kommentar erst prüfen, bevor dieser auf der Webseite erscheint. Weitere Informationen finden Sie in unserer Blog-Netiquette.