„Ich habe den schönsten Job der Welt“

Welthungerhilfe-Mitarbeiter Georg Dörken und Linda Kumpesa im Kongo, © Grossmann
Welthungerhilfe-Mitarbeiter Georg Dörken und Linda Kumpesa im Kongo, © Grossmann

„Sie werden mich für verrückt erklären, aber trotz aller Gefahren liebe ich meinen Job,” antwortet mir Georg Dörken auf die Fragen für ein Portrait im Welthungerhilfe-Magazin für Spenderinnen und Spender. Lesen Sie hier, warum sein Job für ihn der schönste der Welt ist:

„Bis heute meide ich Silvester, weil ich die Raketen und Böller nicht ertrage. Bevor ich meinen ersten Job bei der damaligen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit antrat, wurde ich drei Tage lang psychologisch begutachtet. Demnach habe ich ein sehr robustes Naturell und eine hohe Frustrationstoleranz. Wir lebten von 1994 bis 2002 im Kongo. Nach unserer vierten Last-Minute-Evakuierung hatte meine Frau die Nase voll. Sie sagte ganz klar: Mein Schatz, das war’s, ich geh‘ nach Hause. Und ich hatte die freie Wahl, mitzukommen oder nicht. Also schnappten wir die Kinder und zogen zurück. Das war vor zehn Jahren. Seitdem pendele ich regelmäßig zwischen Bonn und dem Kongo hin und her.

Damit bin ich bei der Welthungerhilfe eine Ausnahme. Als Landeskoordinator würde ich normalerweise vor Ort leben, aber wegen der Familie bleibe ich in Deutschland. 50 Prozent meiner Zeit verbringe ich allerdings im Kongo, und wenn der Sohn in zwei Jahren Abitur macht, wollen meine Frau und ich gerne wieder raus.

Ursprünglich hatte ich etwas ganz anderes gelernt. Nach meinem Abitur war ich bei der Bundeswehr. Danach wollte ich studieren, aber aus finanziellen Gründen ging das nicht. Also machte ich eine Ausbildung zum Krankengymnasten und baute in Wuppertal drei Praxen für Physiotherapie auf. Die liefen zwar hervorragend, aber ich stellte mir die Kardinalsfrage:

Georg, willst du dein Leben lang so weitermachen?

Ganz klare Antwort: Nein, das will ich nicht! Also verkaufte ich alles und finanzierte damit mein Studium der Agrartechnik für Tropen und Subtropen in Witzenhausen und der Dominikanischen Republik. Während des Studiums lernte ich meine jetzige Frau kennen. Als wir fertig waren, bewarben wir uns beide beim Deutschen Entwicklungsdienst und hatten das große Glück, gemeinsam nach Burkina Faso zu kommen. Neben der Büroarbeit betreue ich Journalisten, gebe Fernsehinterviews, koordiniere unsere Maßnahmen und manchmal auch außerordentliche Projekte wie zum Beispiel den Ausbau des Flughafens der Stadt Goma.

2008 war übrigens das letzte Mal, dass ich um mein Leben gerannt bin – oder besser gesagt: Ich fuhr mit dem Auto um mein Leben, um mich vor Nkundas Truppen in Sicherheit zu bringen. Das habe ich auch geschafft und mit mir einige lokale Mitarbeiter. Die bleiben in solchen Fällen normalerweise zurück. Sie bekommen noch ein, zwei, drei Monatsgehälter ausgezahlt und das war’s dann. Für mich war das immer schwer akzeptabel. Deshalb setzte ich bei den heftigen Kämpfen in Bunia 2003 durch, dass jeder Mitarbeiter, der es bis ins Büro schaffte, mit seiner Kernfamilie evakuiert wurde. Das waren immerhin 56 Familien. Das gleiche Angebot galt 2008.

Mittlerweile bin ich schon zigmal notevakuiert worden und habe keine Angst mehr. Natürlich trete ich jede Dienstreise in sogenannte rote Länder wie den Kongo mit gemischten Gefühlen an. Und ich bin jedes Mal froh, wenn meine Mitarbeiter und ich es heil überstanden haben. Dennoch liebe ich den Kongo und vor allem seine Leute.

Die Menschen sind dort so unglaublich lebenslustig und lebensbejahend – trotz allem Desaster! Es sind ja nur ein paar Prozent an der Spitze, die das Land durch Korruption, Gier und Egoismus kaputt machen. Denen, die darunter leiden, möchte ich mit meinen Kollegen neue Lebenschancen geben.”

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