Der Weizen wächst – Pakistan im Wiederaufbau

Zeichen der Hoffnung in Pakistan: Grüne Weizenfelder versprechen den Flutopfern eine gute Ernte. © Kopp
Zeichen der Hoffnung in Pakistan: Grüne Weizenfelder versprechen den Flutopfern eine gute Ernte. © Kopp

Eine Reise nach Pakistan stand schon seit vielen Monaten auf meinem Plan. Als Vorstandsmitglied der Welthungerhilfe bin ich für unsere Hilfsprojekte und Programme im Ausland verantwortlich. Und dieses Mal hat mich unsere Internetredaktion dazu angehalten, über meine Reise und meine Arbeit zu bloggen.

Pakistan ist für uns von großer Bedeutung, weil es geographisch und politisch eine besondere Rolle einnimmt. Als unmittelbarer Nachbar zu Afghanistan und Indien ist die Entwicklungszusammenarbeit hier immer eine besondere Herausforderung. Zudem leisten wir dort seit der Flutkatastrophe im letzten Sommer wichtige Überlebenshilfe.

Dabei ist es mir als Vorstandsmitglied ganz wichtig, unser Team vor Ort gut begleitet zu wissen, den Kontakt zu unseren einheimischen und europäischen Partnern zu pflegen und auch im direkten Austausch mit internationalen Geldgebern sowie Behörden zu stehen. Es gehört zu meinen Aufgaben, strategische Absprachen auf übergeordneter Ebene mit Partnern zu treffen, damit Nothilfe und Entwicklungszusammenarbeit auch wirklich effektiv und nachhaltig greifen.

Immer wieder musste mein Reise-Termin verschoben werden. In diesem Frühjahr war es dann endlich soweit. Ich war nicht zum ersten Mal in Pakistan. Und doch war es wieder sehr beeindruckend. Attentate gab es auch während dieser Reise wieder. Umso größer ist mein Respekt vor dem unermüdlichen Willen und dem Engagement der Menschen, nach der verheerenden Flutkatastrophe im letzten Jahr die Zukunft wieder zu gestalten.

Riesige Landstriche waren von Wassermassen zerstört worden. Längst ist nicht alles wieder wie es einmal war, weder für das Land noch für die Menschen. In Deutschland liest und hört man aber kaum etwas mehr über die Flutkatastrophe. Fast scheint es, dieses Kapitel ist geschlossen. Nicht jedoch bei der Welthungerhilfe und vor allem nicht bei den betroffenen Menschen! Jetzt habe ich mir selbst ein Bild davon machen können, was wir gemeinsam mit all unseren Partnern geleistet haben. Ich habe vielfältige Gespräche mit den verschiedenen Geldgebern und Vertretern der pakistanischen Behörden führen können. In den Dörfern wurde mir sehr ehrliche Dankbarkeit entgegengebracht. Und ich bin wirklich stolz auf die hervorragende Arbeit, die unsere Mitarbeiter mit allen Partnern unter extrem schwierigen Bedingungen geleistet haben.

Es hat etwas gedauert, bis nach der ersten Nothilfe der Wiederaufbau beginnen konnte. Wir haben über 6.000 Tonnen Nahrungsmittel, 50.000 Planen und 350 Tonnen Weizensaatgut verteilt und damit die größte Not lindern können. Jetzt aber entsteht endlich Neues.

Ich bin in die Provinz Punjab gereist. Der Name Punjab bedeutet‚ dort wo die fünf großen Flüsse Pakistans zusammenkommen. Hier wurden über zwei Drittel aller Häuser zerstört. Unser Büro befindet sich in Multan, einer Stadt, von der ich vormals noch nie etwas gehört hatte. Immerhin hat Multan knapp zwei Millionen Einwohner. Nach einem Gespräch mit Karina, unserer Projektleiterin für den Wiederaufbau, sind wir von Multan aus in den Distrikt Muzaffargarh gefahren. Hier war unser Team in den letzten Wochen damit beschäftigt, Angebote für Baumaterial einzuholen und eine detaillierte Schadensaufnahme zu machen. Es soll schließlich besser und stabiler wiederaufgebaut werden und bei der nächsten Regenzeit nicht erneut zu solch verheerenden Schäden kommen.

Das Bild, das sich mir in den Dörfern nach wie vor zeigt, ist schon bedrückend. Viele Familien haben zwar inzwischen ein Dach über dem Kopf, das wird aber den Regenfällen im Juli bestimmt nicht standhalten. Also werden jetzt sogenannte Einraum-Häuser geplant, die dann auf einem erhöhten Fundament gebaut werden, damit die Fluten sie nicht so leicht wegspülen können. Alle Hilfsorganisationen haben sich auf eine im Wesentlichen einheitliche Bauweise geeinigt. Das ist gut so. Denn es soll unter allen Umständen verhindert werden, dass sich diese Katastrophe, die ja 20 Millionen Menschen getroffen hatte, wiederholt.

Gemeinsam mit einer pakistanischen Partnerorganisation haben wir es im letzten Jahr geschafft, das am dringendsten benötigte Weizensaatgut  noch rechtzeitig zur Aussaat zu verteilen. Das Ergebnis ist wirklich beeindruckend. Soweit das Auge reicht grüne Weizenfelder. Im Jahr 2011 wird sogar noch eine Steigerung der Weizenernte gegenüber der Ernte im letzten Jahr erwartet. Das macht Hoffnung und ist ein echtes positives Signal für diese geschundene Region und ihre Einwohner.

Ich bin sehr froh, dass ich diese Eindrücke mit nach Deutschland nehmen konnte. So weiß ich, dass wir einen guten Grundstein für einen noch langwierigen Wiederaufbau gelegt haben. Dafür bin ich unserem Team vor Ort und allen Spenderinnen und Spendern sowie Geldgebern sehr dankbar!

Herzliche Grüße
Mathias Mogge

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