Dürre im Niger: Temperaturen von 50 Grad im Schatten forderten viele Leben

Niger - Wie schlimm ist die Situation wirklich?
Niger - Wie schlimm ist die Situation wirklich?

Die Dürre im Niger, der Grund, warum ich schon seit fast zwei Wochen als Länderreferentin der Welthungerhilfe in dem afrikanischen Land bin und die Notsituation vor Ort untersuche. Unser Büro steht in Niamey, der Hauptstadt des Nigers. Die Stadt wirkt wie ein großes Dorf. Wenig Autos im Vergleich zu den Nachbarhauptstädten Bamako (Mali) und Ouagadougou (Burkina Faso). Alles ist sehr ruhig. Tiere spazieren auf dem Asphalt, Rinder, Dromedare. Die Präsenz des Militärs ist nicht zu übersehen, besonders an wichtigen Straßenkreuzungen.

Der Niger… Wo das Land genau liegt, wer weiß das in Europa schon genau? Und nur wenige wissen, dass es hier im Februar einen „friedlichen“ Militärputsch gegeben hat. Und dass die Menschen hier verhungern, insbesondere die Kleinkinder, die Schwangeren und ältere Menschen. Vor zwei Monaten hat es hier im Land Temperaturen von über 50 Grad im Schatten gegeben. Viele alte Menschen sind gestorben. Und die jungen Leute haben solch eine Hitze in ihrem Leben noch nicht erlebt! Für mich sind die jetzigen 38 bis 40 Grad schon schlimm genug. Das Ende der Trockenzeit ist erreicht und eigentlich beginnt nun die Regenzeit… Immer noch ist alles sehr karg und staubig.

In den Dörfern ist die Situation sehr schlimm. Ich war in Téra, nordwestlich von Niamey auf der anderen Seite des Nigerflusses und an der Grenze zum Nachbarland Burkina Faso. Jetzt ist Saatzeit und die Leute haben kein Saatgut, da die Ernte im letzten Jahr so schlecht war und sie nichts lagern konnten. Viele Bewohner haben ihre Dörfer verlassen, um der Not zu entfliehen. Je nördlicher wir fahren, desto karger wird die Landschaft und die Anzahl der toten Tiere am Wegesrand steigt deutlich.

Im Dorf Kokorou finden wir eine Art Tierfriedhof am Dorfeingang. Der 86-Jährige Dorfälteste und Chef einer Gemeinde, die 82 Dörfer umfasst, erzählt uns, dass er letztes Jahr 760 Rinder verloren hat und dass die Situation in diesem Jahr noch schlimmer ist. Wütend ist Amirou Kokorou, so sein Name. Besonders auf die Regierung, die die Nahrungsmittel verteilt. Warum nur an eine Handvoll Leute?, schnauft er. Nur Alte, Kranke, Schwangere und extrem unterernährte Kinder unter fünf Jahren bekommen diese Hilfe. Aber alle leiden, alle haben Probleme. Er ist nicht damit einverstanden und sagt es laut. In seinem Alter, sagt Amirou, könne ihm keiner mehr etwas anhaben.

Plötzlich fragt mich der Vater von 48 Kindern, wie alt ich sei und wie viele Kinder ich habe. Nachdem ich ihm erzähle, dass ich 46 Jahre alt bin und zwei Kinder habe, hat er Mitleid mit mir. Du bist auch schon zu alt um noch weitere zu bekommen, wirft er ein und schaut mich mitfühlend an. So hatte ich meine Situation noch gar nicht betrachtet….

Bis bald wieder aus dem Niger,

Caroline Peyre-Koch

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1 Kommentar

  • Martin Dietz sagt:

    Mit Interesse lese ich immer die „Welternährung“. Als Westafrika-Kenner hat mich diesmal Ihr Interview zu den drei Sahel-Ländern angesprochen:
    Es ist gut, daß Sie dort präsent sind und relativ frühzeitig reagieren können.
    Allerdings möchte ich aus eigener Erfahrung in Dahomey/Benin von vor der großen Sahel-Dürre 1973 bemerken, daß Vorratserhebungen im Februar reichlich spät sind. Die kommende Kalamität ist bei anhaltender Trockenheit mit überhängender Unterversorgung ja oft schon zur vorhergehenden Vegetations-zeit.erkennbar.
    In einem Vermarktungsprojekt haben wir 1972 über 2000 t Überschüsse der Genossenschaft Tori-Cada in Süddahomey zur Preisstützung nach Nigeria exportiert.
    Schon während wir uns noch bemühten, unsere Lieferverpflichtungen einzuhalten, mußten wir – bevor irgendjemand von den lokalen Fachleuten dessen gewahr wurde – als erzeugernahes Management erkennen, daß die zweite Ernte im Süden als Vorankündigung der kommenden Trockenheit im Sahel ausfallen würde.
    Wir konnten im Interesse der Nachhaltigkeit unserer Vermarktungstätigkeit im November schon das AA überzeugen, daß – ganz gegen die Absicht von Herrn Matzke vom WFP, das mit seiner verspäteten Hilfe erst im Mai zur neuen Ernte kontraproduktiv tätig wurde – eine Nahrungshilfe sinnvoll wäre, die dann Ende Januar eintraf und mit nur 500 t hervorragend preisdämpfend wirken konnte. (Dies nur als Zeichen der hohen Elastizität westafrikanischer Getreidemärkte.)
    Auf alle Fälle wünsche ich dem Kollegen Erler auch jetzt noch eine erfolgreiche Intervention. !
    Zur Ehrenrettung des einst viel kritisierten Exports feiner Bohnen vom Bamsee nach Rungis möchte ich darauf hinweisen, daß dieser den Grund gelegt hat für den heute so segensreichen Gemüsebau in Kongoussi und Umgebung.

    Mittelfristig empfehle ich zur Verbesserung der Ernährungssicherung eine Verstärkung des Anbaus von Igname, der als betriebsinterne Intensivierung gegenüber Getreide mit hohem Beschäftigungseffekt eine mehrfache Anzahl von Verbrauchern zu ernähren erlaubt. In den Volta-Tälern gedeiht er hervorragend und übersteht auch leichte Trockenperioden. Die relativ lange Wachstumszeit von 18 Monaten ließe sich im Anlauf mit „Cash for work“ – Unterstützung überbrücken.

    Nichts für ungut,
    mit kollegialen Grüßen
    Martin Dietz, Diplomlandwirt Jahrgang 1937

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