Dürregeplagt, unterernährt und Schwerstarbeit: Die starken Frauen aus Kajiado/Kenia geben nicht auf

Das Leben der Frauen in Kenia ist hart. Aber sie geben nicht auf. © Pilar
Das Leben der Frauen in Kenia ist hart. Aber sie geben nicht auf. © Pilar

Liebe Leserinnen und Leser,
das Land ist knochentrocken – leider im wahrsten Sinne des Wortes. Auf unseren Fahrten in die Dürregebiete Kenias, jetzt, Anfang Oktober, kommen wir immer wieder an Gerippen verendeter Tiere vorbei, Rinder, Esel, Zebras. In Deutschland hat man mittlerweile auch von den hunderttausenden Wildtieren in den Nationalparks gehört, die der Trockenheit zum Opfer gefallen sind. Aber wir sind hier, um einem Teil der zehn Millionen Kenianern zu helfen, die von der schlimmsten Dürre seit 20 Jahren betroffen sind.

Das Land hat die Farbe des Hungers – roter feiner Staub, der von dem sonst so satten Mutterboden übrig geblieben ist. Schwarze, vertrocknete Akazienbäume, die sonst jede Dürre überstehen. Ockerbraune Erde, auf der nichts mehr wächst. Und die sonst so farbenfrohen Massai sind mit den wenigen Rindern weggezogen, in die Vorstädte von Nairobi, wo sie ein bisschen Gras für ihre Tiere zu finden hoffen.

Die Frauen sind noch hier. Und sie verzweifeln nicht, sie kümmern sich um ihre Kinder ermöglichen ihnen den Schulbesuch, auch wenn sie selbst zum Teil seit Tagen nichts mehr gegessen haben. Und es ist unglaublich: Trotz der Schwächung finden wir Dutzende Frauen an einem Sanddamm vor, den sie seit Wochen aufbauen, verschalen, mit Zement verstärken, damit bei den irgendwann einsetzenden Regenfällen nicht alles gleich versickert oder verdunstet, sondern im Sandreservoir gespeichert werden kann.

Die Welthungerhilfe hat solche Projekte in einer Vielzahl angeschoben – Schuldächer, auf denen Regenwasser gesammelt wird. Erddämme, wo das Wasser sogar für Vieh und Bewässerung reichen würde. Und spektakuläre Auffangbecken unter Felsformationen, über die das Wasser herunterschießt und sonst nutzlos im Boden versickern würde. Aber der Regen ist noch nicht hier.

Unsere Kollegen arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung all dieser Speicher. Und mit ihnen die Frauen von Kajiado, deren Kraft und Widerstandsfähigkeit unsere Vorstellung übersteigt. Ohne Essen im Bauch schwingen Sie Hacken und Spaten und schleppen 20 Kilogramm Säcke mit Erde oder Zement. Und das in glühender Hitze und lediglich gegen einen geringen Obulus von umgerechnet 50 Cent pro Tag, der ihnen und ihren Kindern ein Abendessen beschert.

Mit den derzeit eingehenden Spenden hilft die Welthungerhilfe aus der größten Not: Wassertanker füllen provisorische Tanks auf, damit die langen Wege zum nächsten Tiefbrunnen für die Frauen verkürzt werden. Nahrungsmittel dienen als Bezahlung für die Erdarbeiten und werden für einen kleinen Teil der am schlimmsten Betroffenen auch umsonst ausgegeben – leider reicht das Geld des Welternährungsprogramms derzeit nur für 40 Prozent des Bedarfs. Und bis zur nächsten Ernte ist es auch unter den günstigsten Bedingungen noch lange – frühestens im Januar oder Februar können Erträge erwartet werden – wenn wir in den nächsten Wochen Saatgut auftreiben und wenn der Regen kommt!

Aber das Wichtigste ist die Vorsorge für zukünftige Dürren, die durch den Klimawandel bedingt wieder kommen werden: Und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Mit den Reservoirs haben die Frauen von Kajiado eine Perspektive für sich und ihre Kinder geschaffen – und uns gezeigt, wie sehr sich die Menschen hier selbst helfen können – auch in Zeiten der Dürre und Not.

Wir dürfen sie dabei nicht alleine lassen!

Ihr Dr. Wolfgang Jamann

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2 Kommentare

  • luzia sagt:

    Wenn die klimatischen Bedingungen so extrem sind, ist es wirklich ein „struggle for life“ für die Menschen in Kenia. Man muss sich wirklich fragen, um vielleicht eine Umsiedelung in klimatisch günstigere Zonen sinnvoller wäre. Ich denke, wir Deutschen würden auch nicht gerne in Sibirien leben und dort unter härtesten Bedingungen versuchen, unser Leben aufrecht zu erhalten. Warum nicht ein Programm oder Anregung zur Umsiedelung der Menschen in klimatisch günstigere Gegenden Kenias ?

  • Iris sagt:

    Wenn es so einfach waere, dass die Menschen, die in vom Klimawandel immer staerker betroffenen Gebieten wohnen, packen und wegziehen koennten und anderswo ein besseres Leben beginnen koennten, taeten die meisten das sicher. Leider ist in allen etwas weniger armen und betroffenen Gebieten schon jemand, der seinen Anspruch, wenn es sein muss, auch mit der Waffe verteidigt. Und wenn dort nicht Menschen leben, dann sind es oft Tiere. Nur wenigen ist bekannt, dass fuer die Ausweitung der wunderschoenen Nationalparks in Kenia und anderswo Hunderttausende Menschen ihr Zuhause verloren und wegziehen mussten, weil ihr Land fuer den Tourismus „gebraucht“ wurde. Gerade diese Menschen sind dann oft in den nun vom Klimawandel stark betroffenen Gebieten gelandet und haben dort nicht genug zum Leben, wollen aber wie wir alle auch nicht sterben. Und sie haben ganz sprichwoertlich „Nowhere to go“. Die Aufgabe der Welthungerhilfe und anderer EZ-Organisationen ist es damit, ihnen dabei zu helfen, dort wo sie sind, besser zu ueberleben.

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