Ebola-Quarantäne: Wie lebt es sich hinter dem gelben Band?

Ebola-Überlebende in Sierra Leone
Frau Koroma hat es geschafft - sie war mit Ebola infiziert, doch wurde mittlerweile geheilt entlassen.

Seit vier Wochen bin ich nun in Freetown, Sierra Leone, und betreue unsere Ebola-Nothilfe-Projekte administrativ. Mein Alltag ist sehr vielfältig, und so wurde mir letzte Woche die Aufgabe zuteil, eine Delegation eines unserer Geldgeber, das britische Department for International Development (DFID), bei einem Projektbesuch zu begleiten.

Niemand kann das Haus verlassen, um die Strom-Rechnung zu bezahlen

Der Tag beginnt in Oogo Farm, wo wir eine Familie besuchen, die sich seit über drei Wochen in Quarantäne befindet. Der Vater der Familie war an Ebola erkrankt. Zwei Wochen nachdem er ins Krankenhaus gebracht worden war, zeigten sich auch bei einem seiner Söhne Krankheitssymptome und die Quarantäne musste entsprechend verlängert werden. Der Vater ist mittlerweile verstorben und die übrigen Familienmitglieder haben es nicht leicht. Sie sind mit einem gelben Band abgeriegelt, und zwei Polizistinnen wachen darüber, dass niemand diese Line übertritt. Nachts sitzt die Familie jetzt im Dunkeln – niemand kann das Haus verlassen, um die Strom-Rechnung zu bezahlen.

Wie das Leben nach der Quarantäne weiter gehen soll, wissen sie nicht, denn wer soll jetzt die Familie versorgen?

Quarantäne so erträglich wie möglich gestalten

Die Welthungerhilfe unterstützt Quarantänehaushalte mit dem Nötigsten:

  • Reis,
  • Öl,
  • Trinkwasser,
  • getrockneter Fisch,
  • Tee,
  • Holzkohle zum Kochen,
  • Zahnpasta,
  • Seife,
  • Telefonkarten…

Dies geschieht auch, um die Gesunden zu schützen, denn aus Angst vor den strengen Quarantänemaßnahmen sind schon mehrere Infizierte aus ihren Häusern geflohen, nachdem sie positiv getestet worden waren. Dies stellt eine erhebliche Gefahr für die noch gesunde Bevölkerung dar. Deshalb ist es wichtig, die Quarantäne so erträglich wie möglich zu gestalten.

Ebola überlebt! Im Gespräch mit einer Familie

Wir fahren weiter zu einer Familie, die die Quarantäne vor zwei Tagen erfolgreich beendet hat. Hier war es die Ehefrau, die sich infiziert hatte. Sie wurde mittlerweile als geheilt entlassen. Eine Ebola-Überlebende! Wir bitten sie um ein kurzes Gespräch. Sie ist noch sehr schwach und ihr Mann bringt ihr sofort einen Stuhl raus, damit sie sich nicht überanstrengt. Das Ehepaar sieht positiv in die Zukunft: Freunde und Nachbarn sind schon wieder zu Besuch gekommen, und jetzt kann auch der tägliche Broterwerb wieder starten. Die Menschen freuen sich, nicht mehr auf Hilfe angewiesen zu sein.

Am Ende des Tages treffen wir uns mit unserer lokalen Partner-NGO „Women Advocacy and Agricultural Development“ (WAADO). WAADO verteilt die Haushaltspakete im Gebiet in und um Waterloo, eine Stadt etwa eine Autostunde von Freetown entfernt. Die Ebola-Krise ist auch für lokale NGOs eine große Herausforderung und stellt sie vor neue Aufgaben.

Hunderte von Haushaltspakete zu verteilen ist eine logistische Leistung, in die sich WAADO erst einarbeiten musste. Aber sie haben es geschafft und sie werden weitermachen.

Wie lange? Solange bis Ebola besiegt ist.

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