Hunderte, vielleicht tausende Leben gerettet

Jochen Moninger mit einem Teil seines Teams in Sierra Leone: "Jeden Tag freue ich mich, wenn Mitarbeiter und Freunde wieder erfolgreich Quarantänemaßnahmen durchführen."
"Jeden Tag freue ich mich, wenn Mitarbeiter und Freunde wieder erfolgreich Quarantänemaßnahmen durchführen."

Wir kämpfen nun seit knapp fünf Monaten gegen die weitere Verbreitung des Ebola-Virus. Wie misst man da eigentlich seinen Erfolg?

Genau das fragte ich heute Morgen unsere Freiwilligen der Partnerorganisation RECTCOUR, sechs „Beach Boys“, die ich seit vier Jahren kenne und mit denen ich bereits Wanderwege und Ministaudämme gebaut sowie Musikfestivals organisiert habe. Sie schwiegen. Ich sagte: Ich glaube, wir haben bereits mehrere hundert, vielleicht sogar tausend Leben gerettet!

Die Rechnung ist einfach: Jeder Ebola-Infizierte hat im Durchschnitt Kontakt mit zehn Menschen. Zwei davon stecken sich durchschnittlich an und müssen sofort aus der betroffenen Gemeinschaft, also etwa der Familie oder dem Büro, entfernt werden. Schwierig nur, dass die Krankheit erst nach sechs bis einundzwanzig Tagen nachgewiesen werden kann. Daher setzen wir die Betroffenen – manchmal sind es zwei, manchmal 48 – in Familienquarantäne, unterteilt zu Gruppen von je sechs Personen. Wir versorgen sie mit Lebensmitteln, Hygieneprodukten und Haushaltswaren. Nach symptomfreien 21 Tagen dürfen sie ihren „Hausarrest“ verlassen.

Bisher hat die Welthungerhilfe mehr als 18.000 Personen in 3.000 Haushalten isoliert – und damit auch das Virus. In sehr vielen Gruppen befanden sich Infizierte. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Denn Nachbarn, Freunde und Bekannte – alle, mit denen die Ebola-Patienten in Kontakt gekommen wären, wurden so geschützt. Es kam vor, dass wir den Ausbruch in der Nachbarschaft des Infizierten ganz verhindern konnten. So schnell waren wir. An Orten, wo eine solche Isolation nicht gelang, waren oft 20 bis 40 Neuinfizierte die Folge, die dann wiederum andere anstecken könnten.

Ebola breitet sich in einer Kettenreaktion aus, die Zahl potenziert sich schnell.

Jeden Tag freue ich mich, wenn Mitarbeiter und Freunde wieder erfolgreich Quarantänemaßnahmen durchführen. Ich bin überzeugt davon, dass die Verhinderung neuer Übertragungen der Schlüssel ist, die Ebola-Epidemie zu stoppen.

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