Eigenverantwortung und Vertrauen aufbauen innerhalb der afghanischen Bevölkerung – damit Afghanistan eine Zukunft hat

Die Lage in Afghanistan ist angespannt. Ein Problem ist die Vermischung von Militär und ziviler Hilfe.
Die Lage in Afghanistan ist angespannt. Ein Problem ist die Vermischung von Militär und ziviler Hilfe.

Liebe Leserinnen und Leser,

Afghanistan wählt – und die Sicherheitslage ist schlechter denn je. Bereits seit etlichen Wochen schon brodelt es im Norden und Osten des Landes wieder gewaltig. Im Juli kamen bei 23 Vorfällen fünf zivile Helfer ums Leben. Einer davon war lokaler Mitarbeiter der Welthungerhilfe. Ein weiteres Menschenleben, das sinnlos dem Terror zum Opfer fiel. Nun sind unsere Projekte heruntergefahren, die Mitarbeiter sind im Nachbarland oder zu Hause in vorläufiger Sicherheit und wir machen uns Gedanken, in welcher Form wir unsere Arbeit im Land am Hindukusch überhaupt weiterführen können.

Ein großes Problem ist aus Sicht der Welthungerhilfe, dass der militärische Einsatz mit dem zivilen Aufbau vermischt wird – so haben wir es am vergangenen Wochenende auch in den Medien kommuniziert. Viel zu lange hatten wir in Deutschland das Bild von Soldaten, die friedlich Schulen oder Brücken reparieren. Die sogenannten Wiederaufbauteams verfolgen aber militärische Zielsetzungen, unter Einbeziehung und Nutzung von Entwicklungshilfe für diese Zwecke. So wecken die militärischen „Helfer“ auch Erwartungen wie die Beseitigung von Armut und Unterversorgung bei der hoffnungsvollen Bevölkerung, die dann auch eingelöst werden müssen. Und wenn das dann nicht wirklich geschieht, richtet sich der Zorn der Bevölkerung auch gegen uns. Denn die feindlichen Kämpfer und auch die Bevölkerung unterscheiden nicht mehr zwischen guten und bösen Militärs bzw. Helfern – die Grenzen sind verwischt – und die Helfer geraten in Gefahr

Sicherlich hat der Einsatz der Bundeswehr eine Berechtigung – sie ist eine von vielen Komponenten zur Wiederherstellung der Sicherheit – neben Demokratisierung, Armutsbekämpfung, Unterstützung der afghanischen Polizei, Bekämpfung der Drogenkriminalität. Die Militärs sollten sich jedoch darauf konzentrieren, die Sicherheit der Afghanen zu verbessern und damit zur Sicherung der Lebensgrundlagen beizutragen. Hilfsorganisationen haben humanitäre Aufgaben, die nur funktionieren können, wenn wir als neutral und unparteiisch wahrgenommen werden.

Deshalb fordern wir, dass Aufgabenbereiche nicht vermengt werden und sich falsche Wahrnehmungen einstellen – die das Leben unserer Mitarbeiter gefährden. Wenn das erfolgreich gelänge, dann könnte auch das Vertrauen der afghanischen Bevölkerung zurückgewonnen werden. Denn ohne die Akzeptanz des internationalen Engagements der Menschen ist ein Wiederaufbau Afghanistans nicht zu denken. So sehen wir als zwingend notwendig an, die afghanische Eigenverantwortung für die Entwicklung des Landes noch stärker zu fördern und zu unterstützen. Lesen Sie dazu auch unseren neuen „Brennpunkt“.

Schreiben Sie mir, wenn das Thema Sie berührt.

Viele Grüße,
Dr. Wolfgang Jamann

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1 Kommentar

  • Peter Hesse sagt:

    Dear Beitrag der DWHH über Afghanistan illustriert auch erneut einen Systemfehler unserer deutschen EZ: die KURZfristigkeit der staatlich (mit)finanzierten Projekte:
    Ohne dabei parteipolitisch werden zu müssen, ist die Heilung dieses Systemfehlers eine politische Aufgabe, der sich auch die DWHH guten Gewissens verstärkt widmen könnte. Als entwicklungspolitisch engagierter Bürger würde ich dies gerne mit unterstützen. Es ist nicht zutreffend, dass sich Systemfehler nicht reparieren lassen. Ich habe es selbst getestet – letzlich auch erfolgreich. Darum: Lets do it !
    Peter Hesse – ein langjähriger Freund der DWHH.

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