Eine Schule für Ramechhap – eine besondere Hilfsaktion in Nepal

Wie werden die Schüler nach dem Beben unterrichtet? Im Schichtsystem? Sonja Eberle wird sie bald danach fragen.
Wie werden die Schüler nach dem Beben unterrichtet? Im Schichtsystem? Sonja Eberle wird sie bald danach fragen.

Ich liebe Trekking, deshalb wollte ich schon immer nach Nepal. Jetzt bin ich tatsächlich hier – sogar schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten. Allerdings nicht, um zu wandern. Ich bin hier, weil das schwere Erdbeben vom 25. April und die unzähligen großen und kleinen Beben danach über 8000 Menschen getötet haben.

Momentan sind mehr als 7000 Schulen im Land so zerstört, dass für tausende Mädchen und Jungen der Unterricht entweder unter Planen und Wellblech stattfindet oder ganz ausfällt. Die Welthungerhilfe will das schnellstens ändern. Ich bin hier in Nepal, um euch zu berichten, wie wir das machen. Ganz konkret wollen wir in Ramechhap die Sarada-Schule aufbauen, gemeinsam mit der Dorfbevölkerung – und mit eurer Hilfe.

Warum ausgerechnet Ramechhap?

Aber der Reihe nach: Warum ausgerechnet da? Ramechhap –  ja, das schreibt sich wirklich mit zwei ‚h‘  –  ist ein Distrikt östlich von Kathmandu, das Epizentrum des schweren Bebens vom 12. Mai lag in diesem Distrikt. Die Zerstörungen an öffentlichen und privaten Gebäuden waren hier besonders stark. Momentan verschlechtert sich die Lage täglich durch Schlammlawinen – auch eine Folge der Beben. Die Auswirkungen dieser Erdrutsche habe ich bei meinem letzten Besuch selbst miterlebt.

Der Bedarf an Hilfe ist also groß und nicht viele andere Organisationen sind hier tätig. Ein Grund dafür ist, dass die verstreuten Bergdörfer in Ramechhap nicht einfach zu erreichen sind. Die Hilfsgütertransporte müssen viele Höhenmeter auf den ausgewaschenen Bergpfaden überwinden – vom Auto aus ein traumhafter Ausblick, aber schon in normalen Zeiten, wenn es keine Erdbeben und Erdrutsche gibt, nur sehr mühsam zu befahren. Jeder Trip muss sorgfältig geplant werden und man braucht vor allem eines: Viel Zeit und Geduld. Die Welthungerhilfe hat hier schon direkt nach dem Erdbeben unter schwierigen Bedingungen Zeltplanen und Nahrungsmittel verteilt und hilft jetzt mit verschiedenen Projekten, die zerstörte Infrastruktur wieder aufzubauen.

Wir bauen eine wichtige Schule wieder auf. Helft mit!

Das Schulprojekt, über das ich euch hier berichte, ist etwas Besonderes für uns. Es geht um Bildung – ein Bereich, den wir mit vielen Projekten fördern, weil wir glauben, dass eine gut ausgebildete Bevölkerung sehr wichtig für die Entwicklung des gesamten Landes ist (Hier erfahrt ihr mehr über das Thema Bildung und Entwicklung). Die Sarada-Schule (sprich: „scharda“) die wir wieder aufbauen wollen, ist in der Region sehr wichtig: Hier wird nach der 10. Klasse die Aufnahmeprüfung zum Studium angeboten. Auch die Schulklassen 11 und 12 – Pflichtjahre für das Studium – können in der Schule auf dem Berg absolviert werden. Das klingt nach nichts Besonderem – wenn man in Paderborn, Neu-Delhi oder New Jersey lebt. Aber glaubt mir: In den entlegenen Bergregionen Nepals findet man nicht viele dieser Schulen.

Nach dem Beben sind 17 Schulgebäude gesperrt

Natürlich habe ich mich vorher schlau gemacht. Sarah Hannou, Architektin bei unserer Partnerorganisation „Emergency Architects“ hat die Schule besucht und für die Projektplanung eine Studie über die Gebäude erstellt. Eine gute Vorbereitung für mich. Das Schulgelände liegt auf einem Bergkamm, ist relativ weitläufig aber auch abschüssig: Darauf stehen 18 freistehende Gebäude, mit Klassenzimmern, Lehrerzimmer, Administration und Latrinen.

Betreten streng verboten

Eigentlich gehen hier 387 Schüler zur Schule. Nach den Beben mussten jedoch Polizei und Baubehörden an 17 Gebäuden über dem Türrahmen einen roten Aufkleber anbringen: „Betreten streng verboten“ – die Gebäude sind statisch nicht mehr sicher und damit einsturzgefährdet.

Ich habe mir vorher versucht vorzustellen, wie es hier aussieht und welche Auswirkungen das auf den Unterricht hat: Nur ein Gebäude darf offiziell noch genutzt werden. Haben die Schüler dann Stunden im Schichtsystem? Morgens die Kleinen, nachmittags die Großen?  Ich frage mich, wie viele Schülerinnen und Schüler wohl in den einzigen Raum reinpassen. Ich freue mich auf die Möglichkeit, mit den Schülern zu reden. Mich lassen Fragen danach, wie sie das Erdbeben erlebt haben und wie sich ihr Leben seitdem verändert hat, nicht los.

Ich bin gespannt auf die nächsten Tage und werde euch berichten, was ich in Ramechhap erlebe.

Unsere Crowdfunding Aktion „Wir bauen eine Schule für Nepal“ ist erfolgreich beendet. Mehr hier.

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