Einzelschicksale geben der Katastrophe von Haiti ein Gesicht

Wegen dem schweren Erdbeben in Haiti haben viele Menschen keine Bleibe mehr und müssen in den Parks schlafen © Kuehn
Wegen dem schweren Erdbeben in Haiti haben viele Menschen keine Bleibe mehr und müssen in den Parks schlafen © Kuehn

Es wird langsam hell über der Dominikanischen Republik, die Hügel liegen im Morgendunst. Vor wenigen Stunden sind wir mit einem gemieteten Kleinbus losgefahren, um uns auf den Weg nach Port-au-Prince zu machen. Gestern hatten wir versucht einen Flug in die Hauptstadt Haitis zu bekommen. Wir standen schon fast am Flugzeug. Doch dann wurde bekannt, dass es auf dem Luftweg für uns kein Durchkommen gibt. Die Enttäuschung war natürlich groß. So ging es nicht nur uns, sondern auch vielen anderen Helfern und Journalisten.

Also mussten wir umplanen. Wir haben die Zeit dann anderweitig effektiv genutzt: Nach unserer Rückkehr nach Santo Domingo haben wir mit unserer dominikanischen Partnerorganisation ENDA den Einkauf der ersten Hilfslieferung geplant. Wir werden Reis, Bohnen, Öl und Salz an 1000 Haushalte verteilen. 5000 Menschen haben so rund drei Wochen lang wenigstens das Nötigste zu Essen.

Als ich spät am Abend ins Hotel kam, traf ich einen zutiefst verzweifelten Franzosen. Gemeinsam mit der Tochter hatte die Familie Urlaub in Haiti gemacht. Er und seine Frau waren auf einer Stippvisite in der Dominikanischen Republik, als das Erdbeben die Insel erschütterte. Seine 26-jährige Tochter befand sich in einem Hotel, das völlig verwüstet wurde. Ob sie auch unter den vielen Opfern ist, kann niemand sagen. Nur, dass er keine Möglichkeit hat, sie zu erreichen. Er war außer sich. Doch ich konnte ihm leider auch nicht helfen. In den kommenden Tagen werde ich noch viele schreckliche Geschichten wie diese hören. Von Menschen, die ihre Angehörige oder all ihr Hab und Gut verloren haben. Es sind Einzelschicksale wie die des französischen Vaters, die der Katastrophe ein Gesicht geben und lange in Erinnerung bleiben werden.

Wir werden hoffentlich heute am frühen Nachmittag in unserem Büro in Port-au-Prince eintreffen. Nach der Ankunft ist erst einmal eine Lagebesprechung angesetzt. Darin werden wir klären, wie und wo wir unseren Kollegen vor Ort am besten unter die Arme greifen können. Für den morgigen Samstag haben wir einen Besuch im Süden geplant, um zu sehen wie die Lage dort ist. Bislang haben wir noch keine Information, wie es den Menschen in unseren Projekten im Süden geht. Gemeinsam mit den Partnern vor Ort werden wir sehen, was wir tun können und ob die Zerstörungen ähnlich groß sind wie in und um Port-au-Prince. Hoffen wir das Beste für die Menschen.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit in Haiti mit einer Spende!

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