Europäische Union: Note Ungenügend für eine unglaubwürdige Agrar- und Entwicklungspolitik

Exporterstattungen für Milch und Milchprodukte ist ein unfaires Instrument. © Kopp
Exporterstattungen für Milch und Milchprodukte ist ein unfaires Instrument. © Kopp

Liebe Leserinnen und Leser,

pünktlich zum Auftakt diesjährigen Grünen Woche in Berlin, die unter dem zukunftsweisenden Motto „Sicherung der Welternährung“ die globale Verantwortung der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft unterstreichen soll, wird mit den Exporterstattungen für Milch und Milchprodukte ein Instrument aus der agrarpolitischen Mottenkiste geholt und reanimiert, das erst Mitte 2007 aufgrund seiner schädlichen Auswirkungen abgeschafft worden war.

Nun werden in den nächsten Monaten 30.000 Tonnen Butter und 109.000 Tonnen Magermilchpulver auf den Weltmarkt gekippt und die Märkte von Entwicklungsländern so überschwemmen, dass die dortigen Milcherzeuger ins Hintertreffen geraten: Es wird für viele Länder billiger, Milchprodukte einzuführen anstatt sie im eigenen Land zu produzieren. Armutsbekämpfung sieht anders aus. Die Krokodilstränen der Landwirtschaftskommissarin Fischer-Boel, die entschuldigend darauf hinweist, dass die EU zu den größten Entwicklungshilfegebern gehört, sind unglaubwürdig. Denn was soll es für einen Sinn machen, die Landwirtschaft in Entwicklungsländern mit Steuergeldern zu fördern, wenn man gleichzeitig mit Haushaltsmitteln die Absatzmärkte der dortigen Kleinbauern zerstört? Eine solche Politik ist kostspielig, kurzsichtig und kontraproduktiv und trägt nicht zur Sicherung der Welternährung bei, sondern höhlt diese weiter aus. Note: Ungenügend.

Wie ist Deine/Ihre Meinung zum Thema?

Ihr

Hans-Joachim Preuß

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4 Kommentare

  • Lothar Stöckinger sagt:

    Schade dass die Entwicklungsländer ihre zum großen Teil ökologischen landwirtschaftlichen Produkte nicht auf den europäischen Markt verkaufen können. Ich habe in Georgien versucht eine Kleinerzeugergemeinschaft für ökologischen Wein zu gründen und kenne die Schwierigkeiten gut. In Georgien sah ich auch dass z. B. Getreide aus Geldmangel ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel angebaut wird. In der europäischen ökologischen Landwirtschaft sind bestimmte Pflanzenschutzmittel weiterhin zugelassen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung als ehemaliger Ökowinzer!
    Man müßte also unter Anderem mehr Touristen in die Entwicklungsländer bringen, um zusätzliche Einnahmen zu ermöglichen.

  • Die Konsumenten haben dem internationalen ÖkoLandbau schon etliche Prozente vermitteln können. Noch reicht das offensichtlich nicht.
    Also mehr Information, leichteren Zugang zu internationalen Ökoprodukten – aber auch Druck auf Brüssel, die eine verheerende Agrarpolitik fortführen (auch das Thema Große Höfe, das wirtschaften kommt einzelnen zugute, die Masse verarmt und muss darauf hin durchgefüttert werden – welcher Widersinn; Small is Beautiful muss die Devise heißen denn die Landwirtschaft ist nun mal die Grundlage der Ernährung; bringt die Leute von der Straße und den Slums und schafft auch hier Arbeitsplätze, ganz zu schweigen vom ökologischen Nutzen).

    Außer diesen Kommentar schreiben – was kann man noch tun?

  • E.Mattern sagt:

    Ich sehe die sichere Zukunft meiner Kinder nur gewährleistet, wenn auf dem Weltmarkt fair und nachhaltig gehandelt wird und auch die Produktion der Waren keinen Schaden anrichtet an der Natur, Umwelt, den Menschen und ihren sozialen Strukturen.
    Politiker die gute Entscheidungen rückgängig machen handeln in höchstem Maße verantwortungslos, sie machen sich unglaubwürdig und arbeiten nicht an der Entstehung des Weltfriedens mit.
    Die Erde ist nur eine Welt, sie funktioniert nur wenn wir sie im Gleichgewicht halten, wenn das den Verantwortlichen in der Politik nicht bewußt ist und auch alle Warnzeichen der Erde wie zum Bespiel die globalen Klimaveränderungen, der rasante Rückgang der Artenvielfalt, zunehmende Katastrophen und Hungersnöte sie nicht erwecken konnten…..wir wären nicht die erste Hochkultur die auf mysteriöse Art und Weise, auf dem Zenit ihrer Entwicklungen ganz plötzlich die Bildfläche wieder verlassen muß………Die Politik sollte dringend globale Zeichen setzen wie z.B. ein Handelsstop für Tropenhölzer, Rückholpflicht der Landminen durch derern Produzenten, Versicherung der Atomkraftwerke und keine Mogelpackungen bei der Anwendung neuer Technologien wie es zum Beispiel der Bio-Sprit auf Kosten des Regenwaldes und seiner Bewohner tut. Politik muß heute globalen und langfristigen Zielen folgen und für alle Nationen fair agieren.
    Ich möchte alle Menschen dazu aufrufen bewußt und verantwortlich für den Erhalt unseres einen Planeten zu handeln, zu essen, zu wohnen, zu kaufen, zu reisen…zu leben. Gemeinsam schaffen wir damit Zukunft für meine und Eure Kinder. Alle Kinder dieser Erde.

  • diätplan sagt:

    Toll, das ist endlich mal ein gut geschriebener Beitrag, vielen Dank. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Generell finde ich die Seite leicht zugaenglich.

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