Femidom: Mehr Selbstbestimmung durch das “Frauenkondom”

Familienplanung und HIV/Aidsberatung in Mosmabik. © Kropke
Familienplanung und HIV/Aidsberatung in Mosmabik. © Kropke

Liebe Userinnen und User,

in Mosambik bleibt kaum eine Familie von AIDS verschont: Fast jeder Sechste zwischen 15 und 49 Jahren ist infiziert – das sind 1,5 Millionen Menschen. Diese Zahlen erschüttern mich sehr… Ich bin Anna Bergman und leite die Aufklärungskampagne der Welthungerhilfe „Virus Free Generation“. So reiste ich vor kurzem in das südostafrikanische Land, um mir ein Bild von den Projektaktivitäten der Welthungerhilfe im Kampf gegen AIDS vor Ort zu machen.

Aufklärung ist hier das A und O – unabhängig von jeglichen Tabus oder spezifischen Geschlechterrollen. Die Dorfbevölkerung hört den lokalen MitarbeiterInnen der Welthungerhilfe aufmerksam zu, wenn sie über die tödliche Pandemie sprechen. Sie bekommen erläutert, wie man sich vor HIV&AIDS schützt, wo Kondome kostenlos besorgt werden können (nämlich bei lokalen Gesundheitsstationen oder im Krankenhaus), wo man sich testen lassen kann. Eine richtige Ernährung ist ebenfalls überlebenswichtig. Denn die Krankheit bricht schneller bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem aus.

Auch die Regierung hat den Ernst der Lage schon seit längerem erkannt und eine nationale AIDS-Strategie entwickelt. Im ganzen Land soll eine medizinische Versorgung für die Betroffenen angeboten werden. Doch die Umsetzung dieses ehrgeizigen Vorhabens wird lange dauern… vielleicht zu lange…

Bei den bereits vorhandenen Beratungsstellen erhalten die HIV-Infizierten antiretrovirale Medikamente, die die Vermehrung der Viren im Körper einschränken. Doch die Infektionsrate hat sich in den letzten Jahren in Mosambik fast verdoppelt. Dabei infizieren sich Frauen und Mädchen häufiger als Männer: Dreiviertel der Neuinfektionen treten in der Altersgruppe der 15 bis 24-jährigen Frauen und Mädchen auf.

Seit mehreren Jahren gibt es auf dem Markt das „Frauenkondom“, das sogenannte Femidom. Es ist das einzige Verhütungsmittel für die Frau, das zugleich einen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie der Ansteckung mit HIV bietet. Das Femidom verleiht den Frauen Unabhängigkeit gegenüber der Verhütungs-Bereitschaft ihrer Männer und zugleich eine Selbstbestimmung über ihren Körper – eine wichtige Form von Emanzipation. Sie können nun die Verhütung sowie den Schutz vor AIDS selbst kontrollieren und somit ihr Leben retten.

Das Femidom ist ca. 18 cm lang und besteht aus einem dünnen, reißfesten Kunststoff. Es ist mit zwei Ringen ausgestattet, von denen der äußere außerhalb der Scheide vor den großen Schamlippen liegt und der innere wie ein Pessar in die Scheide eingeführt wird. Mit etwas Übung ist das Präservativ für Frauen leicht zu handhaben.

Doch einen großen Nachteil gibt es: Es ist leider teurer als das herkömmliche Kondom für Männer. Daher wäre es mein entwicklungspolitischer Wunsch, dass in den Projekten die Bekämpfung von HIV&AIDS sowie die Förderung und Nutzung von Frauenkondomen stärkere Berücksichtigung findet.

Bis bald wieder,
Eure Anna

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