Filmdreh in Angola – Aufregung im Millenniumsdorf Mangue

Gastfreundschaft pur im Millenniumsdorf Mangue, Angola. © Wieneke
Gastfreundschaft pur im Millenniumsdorf Mangue, Angola. © Wieneke

Hallo liebe Userinnen und User,

ich bin Angela Tamke und arbeite bei der Welthungerhilfe als Referentin für Globales Lernen. Heute möchte ich von meiner Dienstreise nach Angola berichten, wo wir einen Film über unser Millenniumsdorf Mangue gedreht haben.

Wochenlange Vorbereitungen, Besprechungen, Planungen. Dann geht es endlich los. Nach Afrika. Nach Angola. Dort wollen wir – der Filmemacher Ralph Weihermann und ich – einen Film für Kinder und Jugendliche drehen. Im Mittelpunkt wird dabei das Millenniumsdorf Mangue der Welthungerhilfe stehen. Wir sind wahnsinnig gespannt!

Endlich geht’s zum Flughafen. In Luanda, der Hauptstadt Angolas, werden wir schon von unseren Kollegen Ursula Langkamp und Manfred Bischofsberger freudig erwartet. Schnell geht’s mit Sack und Pack ins Auto und durch die Straßen der fünf Millionen Metropole. Ursula schwärmt: „Es ist wirklich eine schöne Stadt, – trotz der abschreckenden Geschichten, die aus der Hauptstadt erzählt werden.“ Und sie hat recht: Die Stadt ist wirklich beeindruckend. Von einem erhöhten Punkt aus blicken wir hinunter auf die Stadt mit ihrer imposanten Skyline und auf den Atlantischen Ozean. In der Ferne sehen wir riesige Öltanker.

Wir fahren weiter. Vorbei an ausrangierten Panzern, Zeugnisse des 27 Jahre andauernden zermürbenden Bürgerkrieges. Erst im Jahr 2002 wurde ein Friedensvertrag ausgehandelt. Auch nicht zu übersehen: die Chinesen. Sie sind überall. Zu mehreren Tausenden leben und arbeiten sie in Luanda, um den riesigen Energie-Hunger ihres explosionsartig wachsenden Landes zu stillen.

Der nächste Morgen. Ausgeruht fahren wir in Richtung Mangue. Auf neuen, gut ausgebauten Straßen – von Chinesen gebaut. Nach sechs Stunden machen wir Station in Wakukungo. In der Stadt kaufen wir Lebensmittel, die es in Mangue nicht gibt: CocaCola, Bier, Plätzchen, Teebeutel, Nescafé. Mineralwasser sei nicht nötig, sauberes Wasser soll es dort geben. Ich bin mal gespannt…

Wir fahren immer höher ins Gebirge. Die Gegend leuchtet in grünen Farben. Wir passieren Wälder und Flüsse. Unser Orientierungspunkt ist der große schwarze Granitblock mit dem kleinen Felsen auf der Spitze. „Den haben die Dorfbewohner extra für uns da drauf gesetzt. Dann wissen wir, dort geht es nach Mangue,“ erklärt uns Ursula mit einem Augenzwinkern.

Wir machen halt am Queve-Fluss. Auf der anderen Seite liegt Mangue. Wie kommen wir da rüber mit unserem Auto und ohne Fähre, die im Krieg zerstört wurde?. Es wird spannend. Die Lösung ist das blaue Holzboot, mit dem uns ein Junge für umgerechnet 50 Cent an einer Leine über den Fluss zieht.

Auf der anderen Seite wartet schon mit einem Pick Up unser angolanischer Kollege Manuel Henrique, Projektleiter in Mangue. Er wurde per Funk informiert, dass wir am Fluss warten. Unser Auto bleibt bis zu unserer Rückkehr bei einem Freund des Fahrers in sicherer Verwahrung.

Von unserem 4-köpfigen angolanischen Team werden wir herzlich empfangen und beginnen gleich mit der Planung der nächsten Tage. Die Gruppe lebt weit entfernt von den Familien. Über Funk halten sie Kontakt mit der Zentrale in Luanda. Alle vier Wochen fahren sie zu ihren Angehörigen. Eine Handyverbindung haben sie nur in Wakukungo. Für jeden Anruf bei der Familie müssen sie jedes mal mit dem Boot übersetzen.

Als wir in Mangue ankommen, ist es bereits sechs Uhr abends. Abendstimmung empfängt uns. Der erste Eindruck ist friedlich. Kleine reetgedeckte Häuser aus Lehmziegeln, die in der Abendsonne rötlich schimmern. Die Kinder der Dorfes schauen neugierig zu, wie Ralph seine Kamera in Anschlag bringt. Genita ist ganz besonders aufgeregt. Die 13-Jährige soll die Hauptdarstellerin in dem Film werden, der für unsere Reihe „Millenniumsdörfer für Kinder und Jugendliche“ produziert wird.

Am Abend gibt es ein reichhaltiges Abendessen, bestehend aus Funge, dem traditionellen Maisbrei. Oder wahlweise Nudeln, dazu Trockenfisch und Blattspinat mit Tomaten und Zwiebeln. Und tatsächlich sauberes Trinkwasser, in Flaschen abgefüllt. Eine Wasserleitung aus dem Gebirge macht es möglich. Der Strom für Licht und Kühlschrank kommt aus einem Generator, gekocht wird draußen auf einem Grill.

In der ersten Nacht regnet es. Wir schlafen unruhig, weil wir alle Sorgen haben, ob der Regen rechtzeitig aufhört. Wir haben Glück: Morgens ist der Himmel wieder klar. Wir können mit dem Dreh des Films beginnen. Eine Station von vielen: die Schule von Genita. Wir filmen 11 bis 13-Jährige, die erst die 4. Klasse besuchen. Sie konnten während des Kriegs nicht in die Schule gehen. Ich habe Fragen von Schülern aus Magdeburg mitgebracht, der Partnerstadt der Welthungerhilfe im Jahr 2007. Und umgekehrt geben mir die Schüler aus Mangue Fragen an die Magdeburger Schüler mit, die den Bau einer neuen Schule in Mangue unterstützen.

Die Kinder werden uns immer vertrauter. Der Dreh ist im Kasten. Der Abschied naht… und fällt nicht leicht. Nach einer Woche müssen wir leider „Auf Wiedersehen, Mangue“ sagen. Und ein herzliches Dankeschön an die wunderbare Gastfreundschaft der Dorfbewohner. Bis spätestens 2010. Denn dann soll hier geprüft werden, ob die Millenniumsziele auch tatsächlich erreicht wurden, so wie die Staatschefs vieler Länder das versprochen haben: halb so viel Armut und Hunger, Bildung für Jungen und Mädchen gleichermaßen, Gesundheit für alle. Mal sehen, was bis dahin mit Unterstützung der Welthungerhilfe erreicht werden kann.

Übrigens – Genita hat ihre Sache gut gemacht. Der Film ist im Kasten. Und kann bei uns kostenlos ausgeliehen werden!

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