Flucht ins Nachbarland – Wie starten Flüchtlinge aus dem Südsudan in Uganda ein neues Leben?

Zu Besuch in einer Flüchtlingssiedlung in Adjumani, Norduganda: Die Familie von Rebecca erzählt uns ihre Geschichte.
Zu Besuch in einer Flüchtlingssiedlung in Adjumani, Norduganda: Die Familie von Rebecca erzählt uns ihre Geschichte.

Alina, meine weltwärts-Kollegin hier in Uganda und ich waren vor einigen Wochen zu Besuch in einer Siedlung für Flüchtlinge im Norden Ugandas. Hier berichten wir beide von unseren Begegnungen:

Gemeinsam mit Rebecca Ding Mobior sitzen wir unter einem Baum im Schatten auf ihrem kleinen Grundstück. Sie ist Südsudanesin; lebt aber nun mit ihrer Familie in einer Flüchtlingssiedlung im Norden Ugandas. Als sie beginnt uns zu erzählen, wie sie aus ihrer Heimat in das Nachbarland geflohen ist, werden wir Zuhörer ganz still.

„18 Tage sind wir gelaufen. Mein Mann, meine drei Kinder und ich. Thon ist jetzt neun Jahre alt, Lual sieben Jahre zund Kwai 18 Monate. Insgesamt waren wir um die 100 Personen, die unser Dorf verlassen haben. Auf die Flucht konnten wir nur das mitnehmenn, was wir tragen konnten. – Ich weiß nicht, wo der Rest meiner Familie jetzt ist; wir wurden getrennt. Bleiben konnten wir in Jonglei nicht. Die Unsicherheit wurde zu groß, wie wären alle in Gefahr gewesen.“

Wir fragen, warum sie mit ihrer Familie auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg im Südsudan ausgerechnet nach Uganda gekommen ist. Der südsudanesische Bundesstaat Jonglei grenzt an Äthiopien und Kenia ist auch nicht weit weg.

In Uganda fühlen wir uns sicher!

„Uganda ist die nächst gelegene Grenze. Wir haben gehört, dass es hier sehr sicher ist und es stimmt. Wir sind den Ugandern sehr dankbar – sie haben uns Land gegeben, auf dem wir wohnen und Nahrung anpflanzen können. Seit etwa einem Jahr bin ich mit meiner Familie jetzt hier. Es ist gut, nun in Sicherheit leben zu können. Trotzdem vermissen wir alle unser Zuhause sehr – besonders die Ziegen und Kühe, die wir zurücklassen mussten. Jetzt haben wir keine Milch mehr für unsere Kinder.“

Besitz – Land – Tiere: Wir mussten alles zurücklassen

Als wir Rebecca über die kulturelle Bedeutung von Milch fragen, wird herzlich gelacht. Wir lernen, dass Vieh und Milch einen sehr hohen Stellenwert in der Kultur der südsudanesischen Stämme hat. Davon wird ein Großteil des Lebensunterhalts finanziert und der Brautpreis bezahlt. Ein Übersetzer erklärt uns, dass Familien einen höheren Brautpreis = besonders viele Kühe erhält, je größer die Tochter ist. Ergo, wird auch viel Milch getrunken! Na, jetzt wird uns klar, warum uns die meisten Jugendlichen hier in der Siedlung bereits um mehr als einen Kopf überragen…

Wie leben die Flüchtlinge?

Wir dürfen uns auf dem Grundstück von Rebecca umsehen und viele Fragen stellen. Es gibt zwei kleine Häuschen – gebaut aus lokalen Materialien. Auf dem Feld wächst Mais und Hirse. Im hinteren Teil des Grundstücks befinden sich eine Latrine mit einer Handwaschgelegenheit und ein mit Stöckern abgegrenzter Waschraum. Alles ist sehr sauber und ordentlich.

Uns interessiert auch noch, was genau sich für Rebecca und ihre Familie verändert hat. Ist das Leben hier besser oder wesentlich schlechter als vorher?

„Nicht nur die Ziegen, Kühe und Milch fehlen uns. Es gibt auch kaum Fleisch. Unser Haus im Südsudan war ein richtiges kleines Haus aus Steinen. Hier stehen uns nur Stöcker, Lehm und Gras zur Verfügung. Wir schlafen auf Matten oder einer Plane direkt auf dem Boden. Aber dafür müssen wir hier keine Angst mehr haben!“

Was tut die Welthungerhilfe und ihre Partner, um Flüchtlinge aus dem Südsudan zu helfen?

Wir fragen Rebecca wer und womit ihr nach ihrer Ankunft in Uganda geholfen hat. „Als wir bei der Registrierungsstelle warten mussten, erhielten wir Wasser, Kracker und Kekse. Dann haben wir von der UN Refugee Agency (UNHCR) ein „family kit“ bekommen. Darin waren Teller und Löffel, Seife, Töpfe, eine große Matte und noch andere Sachen. Dann wurde uns dieses kleine Stück Land gegeben. Von Mitarbeitern der Welthungerhilfe haben wir und andere Familie Saatgut und Werkzeug erhalten, um unserer Land zu beackern. Wir konnten sogar auswählen, was wir zuerst anpflanzen. Außerdem wurde uns gezeigt, wie wir auf unserem kleinen Feld mehr produzieren können.“

Wichtig: Auch als Flüchtling unabhängig und selbständig leben!

„Ich bin auch Mitglied einer Frauengruppe, die Ziegen von der Welthungerhilfe bekommen haben. Darüber freue ich mich besonders.“, erzählt uns Rebecca. Später zeigt sie uns noch ihre Kochstelle: „Vor etwa einem Jahr habe ich in einer Schulung einen energieeffizienten Herd gebaut. Der spart nun Feuerholz und das Kochen geht viel schneller.“

Für mich ist Bildung sehr wichtig!

Uns stellt sich die Frage, was für Probleme Rebecca und ihre Familie zurzeit gegenüber stehen. Gibt es eine ordentliche Wasserversorgung? Wie sieht es mit der Schulbildung der Kinder aus? Und gibt es überhaupt genug zu essen?

„Leider haben wir hier keinen Bohrbrunnen, die Bohrung war nicht erfolgreich. Alle paar Tage kommt aber ein Laster und füllt den großen Tank auf der anderen Straßenseite mit Trinkwasser. Somit muss ich nicht weit zum Wasserholen laufen. Die Kinder im Schulalter gehen alle zur Schule, leider sind die Klassen sehr groß und ja wir brauchen hier viel mehr Lehrer für all die Kinder. Für mich ist Bildung sehr wichtig! Auch die sechs weiteren Kinder, um die ich mich kümmere, weil sie Waisen sind, gehen alle zur Schule. Manchmal ist es gar nicht so einfach, sich um so viele Kinder zu kümmern und alle satt zu bekommen.

Zum Abschluss unseres Gesprächs mit Rebecca wollen wir natürlich wissen, welche Hoffnungen und Wünsche sie für sich und ihre Familie hat. Will sie überhaupt zurück in den Südsudan?

„Ich möchte auf jeden Fall zurück sobald der Krieg vorbei ist. Das ist schließlich meine Heimat. In Uganda haben meine Kinder die Möglichkeit, eine gute Schulbildung zu bekommen. Im Südsudan ist das durch den Bürgerkrieg gerade einfach nicht möglich. Die Frauengruppe der Welthungerhilfe gibt mir die Hoffnung, dass ich bald dazu in der Lage sein werde, meine Familie wieder eigenständig ernähren zu können. Ich hoffe mehr zu produzieren als wir benötigen, um ein bisschen was verkaufen zu können. Dann gibt es auch endlich wieder Geld für mehr Milch!“

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Mit 50 Euro ermöglichen Sie beispielsweise einer südsudanesischen Flüchtlingsfamilie, sich mit Saatgut für Hirse und Mais zu versorgen.

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