Fluchtursachen bekämpfen: „Die Investition in unsere Erde ist die einzige Lösung“

Massiga Diawara in seinem Dorf: „Man muss den jungen Menschen Beispiele zeigen, die funktionieren, um sie zum Bleiben anzuhalten.“  © Schwenk
Massiga Diawara in seinem Dorf: „Man muss den jungen Menschen Beispiele zeigen, die funktionieren, um sie zum Bleiben anzuhalten.“ © Schwenk

Massiga Diawara ist 56 und lebt mit seiner Familie in Latakaf, einem Dorf im Süden Malis. Die Menschen hier kennen den fleißigen Mann, der auf seinen Feldern Tomaten, Melonen, Salate, Okra, Karotten und Kartoffeln erntet. Das ist sehr viel mehr Vielfalt, als die meisten Kleinbauern pflegen. Sie konzentrieren sich noch immer vor allem auf Mais, der längst keine sicheren Erträge mehr bringt – und dazu das Land weiter auslaugt.

„Man muss den jungen Menschen Beispiele zeigen, die funktionieren, um sie zum Bleiben anzuhalten.“

Massiga hat einen zweiten Grund für seine harte Arbeit auf dem Feld: Er möchte den jungen Menschen in seiner Region zeigen, dass sie hier, in ihrer Heimat Mali, eine Perspektive haben, dass sie selbst Einkommen erwirtschaften und ihre Familien versorgen können. Denn die Jugend Malis verlässt ihre Heimat, die nichts als Ödnis zu versprechen scheint. Kriege, wenig nachhaltige landwirtschaftliche Methoden und der Klimawandel haben zu diesem Bild beigetragen.

„Hier gibt die Erde nicht mehr so viel her wie zuvor. Es ist leicht anzunehmen, dass es anderswo besser ist.“

Massiga weiß, wovon er da spricht. Als Kind konnte er nur die Grundschule besuchen. Sein Lehrer, nahe Verwandte – viele erkannten seine Begabung und setzten sich dafür ein, ihn auf eine höhere Schule zu schicken. Doch am Ende musste er auf den Feldern seines Onkels arbeiten. „Ich hatte das Gefühl, als würde mir mein Leben verweigert werden“, erinnert sich der 13-fache Vater heute. Ohne Ausbildung und ohne Hoffnung auf ein gutes Leben in Mali suchte Massiga als Jugendlicher sein Glück in Europa. Jahrelang arbeitete er als Lieferant in Frankreich. Bis seine Aufnahmegenehmigung nicht mehr verlängert wurde. Er kennt die Wohnunterkünfte für Asylsuchende, die schlechten Arbeitsbedingungen und fehlenden Qualifizierungsmöglichkeiten, die Kontrolle und die Vorurteile. „Das ist kein einfaches Leben“, sagt er.

Nach 17 Jahren ging Massiga zurück in seine Heimat. Hier lernte er in Projekten, unter anderem von der Welthungerhilfe und ihren Partnerorganisationen, neue Anbaumethoden, erhielt Saatgut und Werkzeug, und wusste bald, wie er den Ertrag auf seinen zwei Hektar Land steigern und seine Ernte sichern konnte.

„Wenn ich sehe, welche Arbeit ich heute mache, und mir vorstelle, das hätte ich seit meiner Jugend gemacht … Ich wäre heute so viel unabhängiger. Was ich heute mache, ernährt mich. Und darüber hinaus bin ich mein eigener Herr.“

Massiga Diawara ist ein einzelner Mann mit einer persönlichen Geschichte. Und doch gibt er lehrreiche Antworten auf viele Fragen: Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Ernährungssicherheit der Menschen aus? Welche Folgen haben Monokulturen und eine nicht nachhaltige Landwirtschaft? Warum ist eine gute Schulbildung so wichtig für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung? Wieso verlassen junge Afrikaner ihre Heimat? >Und was würde einige von ihnen zum Bleiben bewegen?

Massiga weiß heute, wofür er kämpft: „Ich will zeigen, dass die Investition in unsere Erde die einzige Lösung ist.“

Die Welthungerhilfe stetzt mit ihrer Arbeit auf Hilfe zur Selbsthilfe. Unterstützen Sie uns dabei!

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