Flucht in die Türkei: „Alles ist teuer, wenn man kein Geld hat“

Eine syrische Flüchtlingsfamilie in der Türkei: Afafe und Khaled mit ihren beiden Söhnen.
Afafe und Khaled sind mit ihren Kindern aus Syrien in die Türkei geflohen. Auf dem Bild wollte Afafe unerkannt bleiben.

Afafe Mohammed war im achten Monat schwanger, als sie mit ihrem Ehemann Khaled und ihrem Sohn Juan 2013 von Syrien in die Türkei floh. Juans kleiner Bruder Suvar wurde in Izmir geboren. Der Dreijährige hat von Geburt an einen Nierendefekt und benötigt regelmäßige medizinische Versorgung. Das Krankenhaus, in dem er behandelt werden kann, ist in der Stadt Diyarbakır, mehr als 100 Kilometer von Kızıltepe entfernt, wo die Familie lebt.

Afafe, die ihr Gesicht nicht auf einem Foto sehen will, ist eine starke Frau. Doch ihr eigenes Kind leiden zu sehen, bricht ihr das Herz. Sie lebt mit der ständigen Angst, dass sie eines Tages nicht mehr in der Lage ist, ihrem Sohn die nötige medizinische Versorgung zukommen zu lassen. In einem Land, in dem sie die Sprache nicht versteht und ihr Ehemann Khaled nur selten als Tagelöhner Geld verdienen kann, hat sie ihre Belastungsgrenze erreicht.

Erspartes muss für Krankenhausrechnungen reichen

„Nach Izmir haben wir sieben Monate in Istanbul gelebt. Doch Khaled hat dort keine Arbeit gefunden, also sind wir nach Kızıltepe gekommen. Wir haben gehofft hier würde sich unsere Situation verbessern“, sagt die 33-Jährige. „Wir hatten etwas Erspartes als wir aus Syrien geflohen sind, doch wir haben das Geld hauptsächlich dafür benutzt, Suvars Krankenhausrechnungen zu bezahlen“, fährt sie fort und schaut ihren kleinen Sohn an, der zufrieden neben seinem Vater sitzt. Als er seine Mutter mit einem breiten Lächeln anschaut, lösen sich die Sorgen, die sich in dem kleinen Wohnzimmer aufgestaut haben, plötzlich für einen Augenblick in Luft auf.

In Syrien hatte Khaled seine eigene Autowerkstatt. Als die Kämpfe sich verschlimmerten, blieben die Lieferungen von Ersatzteilen und andere Materialien aus Damaskus aus. Sein Geschäft lag plötzlich brach. Kurz darauf hatte die Familie weder Elektrizität noch Wasser. Mit einer hochschwangeren Frau aus dem Land zu fliehen, schien plötzlich trotz des Risikos, das eine Flucht mit sich bringt, die einzige Option für die Familie.

Die Entscheidung, ihre Heimat zurückzulassen fiel ihnen schwer. Wie viele syrische Flüchtlinge, werden Afafe und Khaled täglich mit den Konsequenzen ihrer Entscheidung konfrontiert. Das Leben in der Türkei kann ein täglicher Kampf sein.

Cashcards für Öl, Reis und Kochutensilien

Von der Möglichkeit, von der Welthungerhilfe eine von der EU finanzierte Bargeldkarte zu bekommen, erfuhr Afafe von ihren Verwandten. Nach der erfolgreichen Registrierung bekam die Familie monatlich 160 Türkische Lira (rund 42 Euro) als Unterstützung auf die Karte geladen. Mit dem Geld kann die Familie in registrierten Märkten Nahrungsmittel und andere Haushaltsutensilien kaufen.

„Alles ist teuer, wenn man kein Geld hat. Manchmal hatte ich nicht genug Geld, um meiner Familie ein Frühstück anzubieten. Mithilfe der Bargeldkarten von der Welthungerhilfe war ich in der Lage, Öl, Reis und andere Kochutensilien zu kaufen.“

In einem von ECHO finanziertem Projekt unterstützte die Welthungerhilfe in der türkischen Provinz Mardin und Ankara über 21 Monate rund 13.000 syrische Flüchtlinge mit Bargeldhilfen. Sie bekamen sogenannte ‚cash cards‘, die monatlich aufgeladen wurden und in registrierten Märkten und Geschäften zum Einkaufen benutzt werden konnten. Durch diese flexible Unterstützung konnten die Menschen Dinge des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Haushaltsutensilien oder Hygieneartikel kaufen.

Mit dem von ECHO finanziertem Projekt unterstützte die Welthungerhilfe in Mardin und Ankara rund 13.000 syrische Flüchtlinge mit Bargeldhilfen.

Mit dem Projekt unterstützte die Welthungerhilfe in Mardin und Ankara rund 13.000 syrische Flüchtlinge.

Flüchtlinge brauchen psychologische Betreuung

Die Sorge um die Gesundheit ihres Sohnes hat einen sichtlichen Effekt auf Afafe. „Manchmal bin ich so überwältigt, dass ich nicht weiß, wie ich diese Situation weiter ertragen soll“, teilt sie ihre Erschöpfung. „Als ich das erste Mal zum Türkischkurs im lokalen Gemeinschaftszentrum gegangen bin, das von der Welthungerhilfe unterstützt wird, erzählte uns die Lehrerin von der Option einen Psychologen aufzusuchen. Ich habe das Angebot bereits dreimal angenommen und fühle mich schon etwas besser. Es ist keine Schande, um Hilfe zu bitten. Wir brauchen sie alle“, sagt Afafe.

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