Frauen auf der Flucht

Südsudan, Malakal. Eine Frau weint als sie erfährt, dass ihr Baby gestorben ist. Ihre Mutter begleitet sie zurück zum Zelt der Familie im Lager. Bild: © Rosenthal
Südsudan, Malakal. Eine Frau weint als sie erfährt, dass ihr Baby gestorben ist. Ihre Mutter begleitet sie zurück zum Zelt der Familie im Lager. Bild: © Rosenthal

Flüchtlinge. Dieser Begriff ist mittlerweile so sehr in unseren deutschen Alltag hineingewachsen, dass jeder zu wissen glaubt, was sich dahinter verbirgt. Er haftet den Menschen nach ihrer Flucht an wie ein Etikett. Ein Flüchtling ist ein Fremder, der Teil eines großen Problems ist. Wer genau diese Neuankömmlinge sind, was sie für Qualitäten haben, was für Ansichten, das geht unter in den Debatten, in denen sich die Deutschen, die Europäer vor allem um sich selbst drehen.

Weltweit sind etwa die Hälfte aller Flüchtlinge Mädchen und Frauen, derzeit also rund 30 Millionen. Das entspricht der gesamten Einwohnerzahl von NRW und Bayern zusammen. Die meisten flüchtenden Frauen bleiben in ihrer Herkunftsregion, nur etwa ein Viertel versucht die Flucht in ein „reiches“ Land. Die meisten haben nicht genug Geld, um sich Pässe, Visa und Schmugglerdienste zu kaufen. Außerdem tragen sie meistens auch die Verantwortung für Kinder und alte Familienmitglieder, was einen weiten Fluchtweg zusätzlich erschwert.

Flüchten ist für Frauen auch deshalb schwerer, weil es gegen überlieferte Rollenerwartungen verstößt. Das Erschweren des Familiennachzugs durch das Asylpaket 2 in Deutschland macht die Flucht für Frauen nicht einfacher. Wenn sie ihren Männern oder Familien folgen wollen, dann fehlen ihnen jetzt die sicheren Zugangswege und sie müssen auf unsichere Routen ausweichen.

Die Gründe, aus denen Frauen fliehen, sind zunächst einmal ähnlich wie bei Männern: Krieg, Gewalt, Terror, Hunger, politische oder religiöse Verfolgung, Unsicherheit.

Darüber hinaus sind sie spezifischen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, die fast nur Frauen betreffen. Frauen werden zwangsverheiratet, sie werden um der Familienehre willen ermordet, ihnen wird der Zugang zu Bildung und Ausbildung häufig verweigert. In Kriegen und gewaltsamen Konflikten werden Vergewaltigungen als Kriegswaffe eingesetzt. Frauen, die ethnischen Minderheiten angehören, werden besonders oft durch sexuelle Gewalt bedroht. Ähnliches gilt für Frauen, die sich politisch engagieren.

Auch auf der Flucht sind Frauen spezifischen Gefährdungen ausgesetzt, vor allem Frauen, die allein unterwegs sind. Angst ist der ständige Begleiter – Angst vor Gewalt und sexuellen Übergriffen, vor Hunger und Krankheit, dem Verlust von Angehörigen und vor einer ungewissen Zukunft.

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Die Frauen, die sich allein oder mit Kindern auf den Weg nach Europa machen, sind durchweg auf Fluchthelfer angewiesen. Arbeitsausbeutung oder Zwangsprostitution sind nicht selten der „Preis“, um die Fluchthelfer zu bezahlen.

Rund 5% der Frauen auf der Flucht sind schwanger, die allermeisten ohne hygienische oder medizinische Grundversorgung.

Wenn diese Schwangerschaften Resultat eines sexuellen Übergriffes sind, dann wird es auch schwierig mit der Wiedereingliederung in die Familie oder das soziale Gefüge des Herkunftslandes.

Oft endet die Flucht in Flüchtlingscamps von Nachbarländern. In diesen Camps sitzen hunderttausende Frauen fest, deren Männer sich nach einiger Wartezeit allein auf den Weg gemacht haben und ihre Familien nachholen möchten.

Probleme können sein:

  • schlecht beleuchtete Lager
  • ungenügender Schutz vor Eindringlingen von außen
  • abgelegene sanitäre Anlagen, die nicht nach Geschlechtern getrennt sind
  • lange Wege zu Wasserstellen und Plätzen mit Feuerholz

Ungefähr zwei Drittel aller Flüchtlinge sind für drei Jahre und länger vertrieben, die Hälfte für über 10 Jahre. Etwa 40% der Flüchtlinge leben in Lagern, etwa 60% außerhalb von Lagern, z.B. in Städten. Dort aber ist es für Hilfsorganisationen viel schwieriger, die Menschen zu erreichen.

Gleichwohl: Frauen, die flüchten, sind nicht nur Opfer männlicher Übergriffe, nicht nur Opfer der Umstände. Sie sind auch aktiv Handelnde; sie haben mit der Entscheidung zur Flucht ihr Leben (und ggfs. das ihrer Kinder) in die eigenen Hand genommen und ihre Bereitschaft und ihren Willen ausgedrückt, ihr Leben selbst zu gestalten.

Neue Rollenbilder

Die Flucht kann Flüchtlingsfrauen trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse durchaus auch Chancen bieten. Selbst der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen betont in seinem „Handbuch für den Schutz von Frauen und Mädchen“, dass Vertreibung und Repatriierung eine stärkende Erfahrung für Frauen sein kann. Ihre Erfahrung und der durch die Vertreibung verursachte Wandel der Geschlechterrollen könne sie dazu befähigen, diskriminierende Rollen aktiv zu hinterfragen und ihre Mitgestaltungsrechte im Lager, in Städten oder bei der Heimkehr in ihren Gemeinden beanspruchen.

Mit der Flucht ist ein Ortswechsel verbunden, durch den die herkömmlichen Rollen von Männern und Frauen nicht mehr gelebt werden können Das Verhältnis zwischen Männern und Frauen muss deshalb neu ausgehandelt werden. Das bietet Chancen.

Zusätzlich erhalten Frauen durch die Flüchtlingshilfe oft den gleichen oder sogar bevorzugten Zugang zu Dienstleistungen, was die meisten als Stärkung empfinden. Kongolesische Flüchtlinge in Uganda fühlten sich z.B. deutlich gestärkt, weil es dort anders als in ihrem Heimatland gleichgestellten Zugang zu Land gibt. Sie konnten nun unabhängig von ihren Ehemännern und Familien über ihr Land entscheiden.

Die Welthungerhilfe arbeitet derzeit in 12 Ländern …

… mit insgesamt 270.000 Flüchtlingen und 1.9 Millionen Binnenvertriebenen.

Die Welthungerhilfe arbeitet derzeit in 12 Ländern mit insgesamt 270.000 Flüchtlingen und 1.9 Millionen Binnenvertriebenen.

Die Welthungerhilfe arbeitet derzeit in 12 Ländern mit insgesamt 270.000 Flüchtlingen und 1.9 Millionen Binnenvertriebenen.

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