Friedensgespräche zu Syrien

6,5 Millionen Syrer sind auf der Flucht. Die Welthungerhilfe unterstützt Flüchtlinge im Norden von Syrien.
6,5 Millionen Syrer sind auf der Flucht. Die Welthungerhilfe unterstützt Flüchtlinge im Norden von Syrien.

In Genf treffen sich derzeit Vertreter des syrischen Regimes und der Opposition zu weiteren Friedensgesprächen. Nach Abschluss der ersten Runde konnten einige Vereinbarungen zwischen Rebellen und der Regierung umgesetzt werden. Hilfsorganisationen bekamen Zutritt zu der seit Monaten belagerten Stadt Homs; sie konnten Hilfsgüter verteilen und Menschen aus der Gefahrenzone bringen.

Ein ganz kleiner Schritt auf einem langen steinigen Weg.

Der Abschluss der ersten Verhandlungsrunde der Friedensgespräche in Genf ist ein ganz kleiner Schritt auf einem langen und steinigen Weg, der am Ende zu einer politischen und humanitären Lösung des bewaffneten Konfliktes in Syrien führen soll. Es ist schon ein Erfolg, dass das Treffen stattfand, und dass man sich auf symbolische Gesten – wie die gemeinsame Schweigeminute für die Opfer des Krieges – verständigen konnte. Bis kurz vor Beginn der Verhandlungen war nicht klar, ob die Vertreter der syrischen Opposition überhaupt in Genf erscheinen.

Wer sich in der Region auskennt, kann die großen Stolpersteine, die beseitigt werden müssen, benennen:

  • Die Regionalmächte Iran und Saudi Arabien müssen in eine langfristige Lösung eingebunden werden.
  • Wie verhandelt man mit einer zersplitterten Opposition, die keine einheitlichen Ziele hat?
  • Und wie werden die USA und Russland verpflichtet, ihre geopolitischen Interessen aufeinander abzustimmen?

Deutlich ist, dass noch sehr viele Gesprächsrunden nötig sein werden. Zu begrüßen ist es, dass die Konfliktparteien einer zweiten Verhandlungsrunde zugestimmt haben. Bis jedoch Frieden in Syrien herrscht, muss es aber auch gelingen, die kleinen diplomatischen Erfolge für die betroffenen Menschen spürbar werden zu lassen.

Die humanitäre Lage für Millionen Syrer ist katastrophal

Besonders hart trifft es die Menschen, die in belagerten oder stark umkämpften Städten wie Homs oder Aleppo jeden Tag um das Überleben kämpfen. Es fehlt an Nahrung, Wasser, Medikamenten, Ärzten und Winterkleidung. Insgesamt sind mehr als 6,5 Millionen Menschen in Syrien auf der Flucht; 75 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder. Sie haben ihre Häuser und Wohnungen aufgrund der ständigen Bombardierungen und Kampfhandlungen verlassen müssen und sind in andere Gebiete des Landes oder in Nachbarländer geflüchtet. Wer kann, kommt bei Verwandten unter. Alle andere campieren in Zelten, leeren Gebäuden oder selbstgezimmerten Notunterkünften.

Die Versorgung der Menschen in Syrien wird immer schwieriger

Die Versorgung dieser Menschen gestaltet sich für alle Hilfsorganisationen immer schwieriger. Ausländische Mitarbeiter können syrischen Boden aus Sicherheitsgründen kaum mehr betreten. Überall auf den Straßen und an den Checkpoints lauern Gefahren, überfallen, entführt oder bei Angriffen getötet zu werden. Auch die einheimischen Mitarbeiter und Partner gehen bei ihrer Arbeit täglich ein Risiko ein und sind von der immer größer werdenden Not ihrer Mitbürger überwältigt. Ein syrischer Mitarbeiter der Welthungerhilfe hat das Dilemma vor kurzem so beschrieben: „Bei jeder Verteilung von Nahrungsmitteln oder Matratzen und Decken im Winter, sehe ich glückliche Gesichter aber gleichzeitig stehen immer mehr verzweifelte Familien in der Schlange, die leer ausgehen. Wir haben nicht genug für alle“.

Spendenbereitschaft ist gering

Es fehlt neben dem sicheren Zugang auch an Spenden für Syrien. Seit Monaten reagieren die Menschen in Deutschland mit großer Zurückhaltung auf Aufrufe für syrische Bürgerkriegsopfer. Die Lage vor Ort ist schwer einzuschätzen, weder für Assads Regierung noch für die diversen Rebellengruppen gibt es Vertrauen. Die Syrer brauchen aber gerade jetzt dringend humanitäre Unterstützung.

Der Weg für humanitäre Korridore scheint bereitet. Doch Hilfe muss nun anlaufen, unterstützt durch Spenden, finanzielle Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und nicht zuletzt durch Mitgefühl.

Der Kommentar ist in der Mittelbayerischen Zeitung erschienen.

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