Die G(roßen) 20 tragen Verantwortung

Eine Kleinbäuerin in Zimbabwe verkauft Obst und Gemüse aus einem Auto heraus
Märkte von Kleinbäuerinnen, wie hier in Zimbabwe, dürfen nicht von ausländischen Überschüssen überschwemmt werden. © Welthungerhilfe/Hummel

Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der ökonomischen Großmächte zum Gipfel in Hamburg versammeln, dann geht es natürlich auch um die Zukunft der Weltwirtschaft– mit Auswirkungen für alle.

Die G20 sind für 80% des weltweiten Agrarhandels, also den Kauf und Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten und Rohstoffen, wie zum Beispiel Getreide und Mais, verarbeitete Lebensmittel sowie Saatgut, Dünger oder Tierfutter verantwortlich. Ca. 70% der in Entwicklungsländern konsumierten Nahrungsmittel werden jedoch von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern fernab des Trubels rund um G20, ja fernab von Städten und Straßen produziert. Und ausgerechnet dort, wo die Nahrung angebaut wird, hungern die meisten Menschen. Drei von vier Hungernden leben noch immer auf dem Land, am alarmierendsten ist die Situation in den Kriegs- und Krisenregionen sowie in Afrika südlich der Sahara.

Afrika wird zu wenig gehört

Partnerschaften mit Afrika sind ein Schwerpunktthema beim diesjährigen Gipfeltreffen. Doch aus dem Kontinent mit über 50 Ländern sitzt nur das wirtschaftlich fortschrittliche Südafrika mit am Tisch. Guinea und Senegal sind zwar als Gäste und Vertretung der Afrikanischen Union geladen, eine laute Stimme werden diese Regierungschefs aber kaum haben.

Kleinbäuerin in einem Maisfeld

Nationale Wirtschaftskreisläufe und regionaler Handel müssen gefördert werden. © Welthungerhilfe/Braizer

Fakt ist, dass die von G20 dominierten internationalen Landwirtschafts- und insbesondere Handelspolitiken nicht ausreichend dazu beitragen, Hunger und Armut zu überwinden. Im Gegenteil: insbesondere die USA und die EU, als die weltweit größten Agrarexporteure, veräußern ihre Überschüsse noch immer auf afrikanischen Märkten und gefährden damit lokale Industrien und Existenzen.

High-Tech vs. Kleinbauern

Auch wenn direkte Exportsubventionen weitestgehend abgeschafft sind, steht eine westliche, hoch-subventionierte Agrarindustrie mit High-Tech Fabriken, Massenproduktion und daraus resultierenden Kostenersparnissen den kleinbäuerlichen Strukturen gegenüber. Oftmals ist nicht geklärt, wem das bewirtschaftete Land gehört, die Flächen sind klein, die Straßen holprig, es fehlt an Maschinen und Technologie. Schlichtweg ungleiche Kräfteverhältnisse!

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft den US-Präsidenten Donald Trump zu bilateralen Gesprächen im Vorfeld des G20-Gipfels.

Die G20 bestimmen die globalen Spielregeln, daraus erwächst eine große Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung. © Bundesregierung/Kugler

Natürlich sind auch die Regierungen in den von Hunger betroffenen Ländern in der Pflicht. Sie müssen sich stärker um Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung kümmern und in Infrastruktur und Technologie sowie in bedarfsgerechte Ausbildung investieren. Ziel muss es sein, Rohstoffe an Ort und Stelle zu verarbeiten und zu veredeln. Damit können Arbeitsplätze geschaffen und Gewinne im Land erwirtschaftet werden. Auch der regionale Handel muss ausgebaut werden.

Die Staats- und Regierungschefs in Hamburg müssen währenddessen in Kleinbauern statt in Agrarindustrie investieren und sich verbindlich an vorhandene internationale Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards halten. Mit den gemeinsam verabschiedeten Entwicklungszielen ist der Kurs vorgegeben – die G20 Staaten müssen ihn konsequent gehen. Die G(20)roßen dürfen nicht weiterhin Teil des Problems sein, sondern müssen endlich Teil der Lösung werden.

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